Ernſt von Mansfeld brandſchatzt Worms 1621. 157
Nach demſelben Chroniſten koſtete die Theilnahme an der Union die Stadt Worms viel mehr: „Hat das Unionsvolk dieſe Stadt gekoſtet„vermög Rechnung“ fl. 135846.“*)
Nachdem die Unirten ihre Verträge mit Spinola abgeſchloſſen, dankten dieſelben ihr Kriegsvolk ab. Der engliſche General Horatius de Veer und der pfälziſche Oberſt v. Obentraut übernahmen nun das Commando in der Pfalz, die ſie mit pfälziſchen und engliſchen Truppen und mit Streit⸗ kräften der Generalſtaaten zu vertheidigen ſuchten.*) Von der Stadt Worms„ſind 1621 an den General Horatius de Veer ꝛc. 1174 Rthlr. gezahlt worden.“*)
Auch der abenteuerliche Parteigänger Friedrichs V. von der Pfalz, Graf Ernſt von Mansfeld, drückte die Stadt Worms mit Contributionen. Als derſelbe nach der unglücklichen Schlacht am weißen Berge(8. Nov. 1620) auch Pilſen, das ſeine Soldaten an den Kaiſer verkauften, verlaſſen, hierauf in der Oberpfalz beſonders aus entlaſſenen Soldaten der Union ein Heer von 20000 Mann geworben, erſchien er in der Unterpfalz und vereinigte bei Mannheim ſein Heer mit den Truppen des tapfern Engländers Horace de Veer und des Pfälziſchen Oberſten von Obentraut. Corduba, Spinolas Nachfolger, hob vor Mansfeld die Belagerung Frankenthals auf(13. Oct. 1621), das deshalb an Mansfeld als Lohn für den Entſatz 12000 fl. zahlte. Aber Mansfeld reinigte nicht die Pfalz von den ſpaniſchen Truppen, ſondern zunächſt trieb er von Freunden und Feinden, beſonders in den reichen Bisthümern des Rheins, Contri⸗ butionen und Brandſchatzungen ein. Damals wohl(1621)„mußte die Stadt Worms dem Grafen v. Mansfeld 40000 fl. Kriegsſteuern geben.“ †) Tilly zog von der Tauber an die Berg⸗ ſtraße und an den Neckar, allein Mannheim, Heidelberg, Frankenthal halten vor ihm Stand. Cordova ſaugt die Gegend von Alzey, Kreuznach, Oppenheim aus. Auch Worms wird zu Liefe rungen an die Spanier genöthigt. Mansfeld begibt ſich ins Elſaß, um ſeine Truppen durch Plünderungen, Brandſchatzungen und gute Quartiere zufrieden zu ſtellen, und ähnlich hauſt v. Oben⸗ traut im Breisgan. Als dann Mansfeld in die Unterpfalz zurückgekehrt war, kommt am 12. April 1622 Friedrich V. zur Freude der Pfälzer in Mansfelds Lager bei Germersheim. ††) Das frühere Mitglied der Union Markgraf Georg Friedrich von Baden⸗Durlach verbündet ſich mit Mansfeld. Am 27. April kämpfen die beiden nicht ohne Vortheil bei Wiesloch und Mingolsheim gegen Tilly. Allein ſie trennen ſich, und Georg Friedrich wird nun(6. Mai) bei Wimpfen von Tilly, der ſich mit Corduba vereinigt und deſſen Truppen an ſich gezogen, beſiegt. Mansfeld zog unter⸗ deſſen ins Elſaß, entſetzte um die Mitte des Monats Mai 1622 das von Erzherzog Leopold belagerte Hagenau, dringt weiter im Elſaß vor, indem er in ſeiner Weiſe Beute macht. Dann geht er raſch nach Mannheim zurück, und überfällt mit Friedrich V. Darmſtadt(23. Mai), deſſen Landgraf Ludwig V. bei Büttelborn von Badenſern gefangen und dem Markgrafen Georg Friedrich bei Wolfskehlen übergeben wird. Der aus Weſtphalen heranziehende Herzog Chriſtian von Braunſchweig erleidet, ehe Mansfeld mit ihm ſich vereinigt, durch Tilly den ſchweren Verluſt bei Höchſt a. M.(20. Juni 1622). Aber Mansfeld und Friedrich V. vereinigen ſich mit Chriſtian in der Bergſtraße. Mansfeld überfällt im Juli zum drittenmale, diesmal mit Chriſtian, das Elſaß, beſonders die Gegend von Straßburg. Als nun Friedrichs V. Sache recht günſtig ſteht
*) Ebendaſ. Fol. 260.
**) Abelin, Theatr. europ. I. 492. **) Chronik der Wormſ. Gymn.⸗Bibl. Fol. 260 b.
†) Chronik des Wormſ. Gymn. Fol. 261.
†r) Theatr. Europ. tom. I. 625.


