156 Worms tritt im Frühjahr 1621 von der Union zurück.
Die übel berathene Union löſte ſich unter dem Spott ihrer Gegner auf: in zahlreichen Spottgedichten feierten die Kaiſerlichen und die Papiſten, insbeſondere die Jeſuiten, die Auflöſung derſelben. Damals erſchien in Worms ein Spottgedicht in lateiniſcher und deutſcher Sprache, in dem fingirt iſt, drei Fürſten der Union hätten ſich in ihrer Angſt über Spinolas Siege im Rath⸗ haus zu Worms berathen: der eine derſelben habe beklagt, daß man den Kampf unternommen, in dem man nach Pfaffenröcken und Mönchskappen gejagt, aber nur dies erreicht habe, daß die Pfaffen ihrer Hülfloſigkeit ſpotteten; der andre will ſein kaiſerliches Lehen nicht verlieren, deshalb vor dem Kaiſer fußfällig um Gnade bitten und heim eilen zur weinenden jungen Gattin; der dritte dagegen räth, die Sache der Union ſcheinbar aufrecht zu halten und dadurch die reichen Mittel der unioniſtiſchen Städte und Landſchaften, die nicht merkten, wie ſie von den proteſtantiſchen Fürſten betrogen würden, in die Taſchen dieſer Fürſten zu bringen. Die handgreifliche Abſicht dieſes Spottgedichts iſt, die unioniſtiſchen Fürſten bei den Städtern und Landbewohnern der Ver⸗ achtung und dem Verdachte preiszugeben und dadurch die Städte in die Arme des ſiegreichen Kaiſers zu führen. Von dieſem Gedichte liegen uns zwei Redactionen vor: die eine derſelben beſteht aus einem lateiniſchen Texte mit daneben ſtehender Ueberſetzung, die andre gibt nur eine veränderte deutſche Ueberſetzung und nennt als Verfaſſer M. Jonas Warmund von Worms. Daß hinter dieſem Pſeudonym ein Feind der Union, ein Papiſt oder ein Jeſuit, ſich verbirgt, ergibt ſich aus dem Inhalt des Pamphlets. Daſſelbe dürfte ſich auf die im Dezember 1620 zu Worms abgehaltene Verſammlung unirter Fürſten beziehen, die damals noch des beſiegten Friedrich V. von der Pfalz ſich annahmen, den Krieg fortſetzen wollten und zu Gunſten des flüchtigen Fürſten mit fremden Mächten verhandelten.*)
Der klugen und zähen Diplomatie Spinolas und den Dienſtleiſtungen ſeines Gehülfen, des Landgrafen Ludwig V. von Heſſen⸗Darmſtadt, den beſonders Eiferſucht gegen ſeinen hochbegabten unioniſtiſchen Vetter, den Landgrafen Moriz von Heſſen⸗Caſſel, bewegte, gelang es, die Union der Fürſten und Städte zu ſprengen. Als Landgraf Ludwig den Markgrafen Joachim Ernſt von Brandenburg⸗Ansbach und den Herzog Johann Friedrich von Würtemberg durch die in Heilbronn, Weinheim, Bensheim und Mainz(Jan.—April 1621) geführten Verhandlungen dahin brachte, daß ſie bereit waren, den Pfalzgrafen Friedrich zum Verzicht auf die böhmiſche Krone zu bewegen, auf einen Waffenſtillſtand und auf die vorübergehende Sequeſtration der pfälziſchen Lande durch zwei unparteiiſche Fürſten oder auch durch den dem Kaiſer ſehr ergebenen Kurfürſten von Sachſen einzugehen und in beſonderen Verhandlungen ihre Angelegenheiten von denjenigen der Pfalz und der Union zu trennen: blieb den der Union angehörigen Städten nichts anderes übrig, als unter der Führung Straßburgs am 14./24. März 1621 ebenfalls die Sache der Union aufzugeben. Kurz darauf mußte ſich auch Moriz von Heſſen⸗Caſſel unterwerfen. Mit der Führung der Ver⸗ handlungen, welche die Städte von der Union abziehen ſollten, war vom Kaiſer Ferdinand II. außer dem Landgrafen Ludwig V. von Heſſen⸗Darmſtadt der Kurfürſt Johann Schweickhard von Mainz beauftragt;**) und eine Wormſer Chronik berichtet:„Hat die Stadt Worms nach Abſtand der Union, kraft des Aſchaffenburger Accords im April 1621 fünfzig einfache Römerzüge, laut Quittung vom Herrn Schweickharden Kurfürſten zu Mainz und Herrn Ludwig Landgrafen zu Heſſen⸗Darmſtadt sub dato 19. Juli, ſo mit denen Unkoſten getragen, bezahlt 4388 fl. 15 kr.“**)
*) Häuſſer, Geſch. der rhein. Pfalz, B. 2. 346. **) Theatr. europ. tom. I. 489— 492. Londorp, acta publica, tom. II. 380— 386. *n. Chron. der Wormſ. Gymn.⸗Bibl. Fol. 260.


