Alzey, Oppenheim, Weſthofen und Oſthofen von den Spaniern heimgeſucht 1620— 1621. 155
zu wagen. Zu Alzey lagen von Spinolas Truppen 1600 zu Fuß und etliche Reiter, Spinola befand ſich bei ſeinem Lager in der Nähe von Oppenheim. Die Unirten rücken gegen denſelben, um ihm eine Schlacht auzubieten. Spinola kommt ihnen entgegen, in der Abſicht Alzey zu entſetzen. Als er aber die Abſicht der Unirten erkennt, zieht er wieder in der Richtung auf Oppenheim zurück und auf einem Berge, wo ein enger Paß war, ſtellte er auf beiden Seiten desſelben auf dem mit vielen Weinſtöcken bepflanzten Bergabhang 8 Geſchütze und ſeine Musketiere auf, ſo daß die Unirten, die keine Schanzengräber bei ſich hatten und keinen andren Weg ſich bahnen konnten, die in augen⸗ ſcheinliche Furcht gerathenen Truppen Spinolas weder angreifen, noch von ihrem Lager bei Oppen⸗ heim abſchneiden konuten.„Spinola ſah wohl, daß ihm lang allda ſich aufzuhalten, nicht nützlich wäre, weshalb er, ſobald es finſter geworden, ſich ſtillſchweigend ohne Trompetenſchall und Trommel⸗ ſchlag aus dem Staub machte und nach ſeinem Lager retirirte. Darauf zogen des Morgens die Fürſten auch unverrichteter Sache nach Worms“.*) Kurz darauf, ſchon am 6. Nov. 1620, wird im Rathe zu Worms von dem Senior Chriſtoph Weber die Anſicht geltend gemacht, daß die Stadt von den Unionsſachen ablaſſen und mit dem Kaiſer ſich vertragen müſſe. Dieſe Anſicht wird durch die Niederlage Friedrichs V. von der Pfalz auf dem weißen Berge bei Prag(8. Nov.) nur bekräftigt: ſogar Prinz Heinrich Friedrich von Oranien verläßt die Unirten, ihrer unent⸗ ſchloſſenen Kriegführung grollend(Nov. 1620).
„Den 18. Febr. 1621 hat Marquis Spinola unterm Rittmeiſter Uffel 2000 Pferd neben 4000 zu Fuß mit 4 Stück Geſchütz in das Wormſer Gau geſchickt und den Marktflecken Weſthofen anfallen und ſtürmen laſſen. Die darin liegenden 300 pfälziſchen Reiter haben ſich zwar neben den Inwohnern von Morgen an bis unach Mittag in 8 Stunden lang tapfer gewehrt und der Spaniſchen eine Anzahl erſchoſſen und verwundet, aber nach Beſchießung und Eroberung eines Thors durch das grobe Geſchütz übermannt und wehrlos gemacht worden. Dieſer reiche Flecken iſt mit der Plünderung verſchont, aber eine Ranzion von 16000 fl., wie auch dem nahe beigelegenen Marktflecken Oſthofen 10000 fl., inner wenig Tagen zu erlegen bei Bedrohung des Brands auferlegt worden. Weil nun nachmals erſchollen, als ſollt Marquis Spinola Vor⸗ habens ſein, gedachte beide Marktflecken zu ſeinem Vortheil einzunehmen und daſelbſt ſich gewaltig einzuſchanzen, ſo ſind von Worms den 2. Marti etliche Compagnien von dem Solmſiſchen Regiment beneben etlichen Cornet Reitern auf Oſthofen geſchickt worden. In dem Flecken hat das Volt in voller Battaglia halten müſſen. Unterdeſſen haben die Befehlshaber den Einwohnern angeſagt, daß ſie eilends mit Weib und Kindern aus dem Ihrigen weichen ſollten; theils haben parirt, theils haben beſtürzt ſich geſäumt; darauf den Soldaten nachà Verfließung nit gar einer Stunde anbefohlen worden, ihr Gewehr niederzulegen und den Flecken an allen Orten anzuſtecken, wie dann geſchehen. Die Kirche, ſo außerhalb dem Flecken auf einem Berg wohl verſchanzt ſtehet, iſt in währendem Brand eröffnet und darinnen eine große Beut gefunden worden.— Als dieſer Flecken nun in die Aſchen gelegt, hat es dem anderen Flecken, Weſthofen, gleichermaßen golten. Was für ein Jammern und Wehklagen der Orten geweſen, kann ein jeder erachten. Die Inwohner haben das wenigſt darvon bracht. Theils ſind ſie ſo beſtürzt geweſen⸗ daß ſie nit gewußt, was ſie in ſolcher Eil ergreifen und darvon bringen mögen. Hierauf ſind um Worms noch mehr Bollwerke und Schanzen verfertiget unt ſolche Reichs⸗ ſtadt wohl verſehen worden.“**)
*) Theatr. europ. I. 385.
**) J. Ph. Abelin, Theatrum europ., tom. I. 487. 20*


