Spinolas Zug gegen die Unirten und Beſetzung der nördlichen Pfalz. 1620. 153
So kündigte ſich ſchon vor der Ankunft Spinolas die Auflöſung der Union an, aus der die Stadt Worms, nachdem die Unirten den kriegeriſchen und diplomatiſchen Operationen Spinolas erlegen, im Frühjahr 1621 förmlich austrat..
Die Union hatte nicht verhindert, daß, während die Truppen der Liga den Pfalzgrafen in Böhmen bekriegten, der Kaiſer vermittelſt der ihm verbündeten ſpaniſchen Truppen von den Niederlanden aus die rheiniſche Pfalzgrafſchaft mit Krieg überziehe. So ſetzt denn Spinola mit ſpaniſchen Truppen im Auguſt 1620 eine Stunde unterhalb Coblenz auf das rechte Rheinufer über und rückt den Rhein und Main entlang bis in die Nähe von Frankfurt vor: die Unirten ſtehen ihm dort gegenüber auf der linken Seite des Mains, geführt von dem General⸗Lieutenant Joachim Ernſt von Brandenburg Anspach, den Herzogen Johann Friedrich und Julius von Württemberg, den Markgrafen Georg Friedrich und Karl von Baden, den Grafen Friedrich und Philipp Reinhard von Solms und dem Grafen Johann von Naſſau. Durch die Schiffbrücke, welche die Unirten bei Oppenheim aufgeſchlagen, hatten ſie ſich den Uebergang auf das linke Rheinufer geſichert. Plötz⸗ lich wendet ſich Spinola gegen Mainz, wo er ſeine Truppen überſetzt; die Stadt beſetzt und ver⸗ ſchanzt er, wendet ſich nach Süden; die Unirten eilen ihm entgegen auf das linke Rheinufer, um ihre Brücke bei Oppenheim zu decken. Einige Tage hielten ſich die beiden Lager ruhig, einander beobachtend. Spinola bricht auf, nimmt Kreuznach(31. Aug.) und Alzey ein.„Nach Eroberung dieſes Orts wurde in der Unirten Lager berichtet, daß Spinola mit aller Macht gegen Worms zu marſchiren und dieſer Stadt ſich zu bemächtigen vorhabe. Deswegen brach der Markgraf von Anspach mit 40 Compagnien Reitern und drei Geſchützen aus dem Lager vor Oppenheim eilends auf und begab ſich nach Worms.“*) Die andren unirten Fürſten, Grafen und Herrn folgten als⸗ bald dem Markgrafen von Anspach dorthin; ſie brachen die Brücke bei Oppenheim ab, führten ſie rheinaufwärts, zündeten ihr Lager an und ließen Oppenheim, das ſie ſchwach beſetzt, in großen Aengſten zurück. Während dieſes Zugs der unirten Fürſten nach Worms wahrte nur der oft mit Ruhm genannte pfälziſche Oberſt v. Obentraut die militäriſche Ehre: eine Abtheilung ſpaniſcher Küraſſiere unter dem Prinzen von Eſpinoi griff er mit Erfolg an und brachte den Prinzen als Gefangenen in das Lager der Unirten. Zwar waren durch dieſen Zug der Unirten Worms, Frankenthal und Heidel⸗ berg gedeckt worden, aber Simmern, Sobernheim, Oppenheim laſſen die Unirten in die Hände der Spanier fallen. Zu großem Schaden der Stadt Worms fingen die Unirten an, Worms zu be⸗ feſtigen und einen Wall darum zu führen, womit ſie aber nicht zu Ende kamen und andren Luſt machten, ſich da feſt zu ſetzen.**)
In den der Pfalz befreundeten Ländern wuchs der Unwille über die Unthätigkeit der unirten Fürſten, die in ihrer Kurzſichtigkeit darüber betroffen waren, daß der Kaiſer mit fremder Heeres⸗ macht ihren Widerſtand niederzuwerfen ſich anſchickte.„Wie Spinola ſich der Pfalz ſo leicht be⸗ mächtigt und nicht allein die Unirten mit ihrer Armee, ſondern auch alle andren benachbarten Fürſten und Stände ganz ſtill ſitzen und zuſehen, verfaßte ein Pfälzer Patriot gegen die unirten Fürſten die ſcharfe Schrift„Spaniſcher Schlaftrunk den Teutſchen bereitet“:„Es wollen etliche meinen, der zu Ulm zwiſchen beiden Unionen aufgerichtete Stillſtand und Accord ſei nur ein Schlaf⸗
lichen rechtmäßigen, ernſtlichen Gebots keinen Aufhalt und Verhinderung, ſondern mehrers der Schuldigkeit nach Beförderung erweiſen. Das wollenwir uns zu einer jeden unſerer und des heiligen Reichs Stadt, dem Rechten und der Schuldigkeit gemäß, gänzlich und unzweifentlich verſehen und verlaſſen.“
*) Abelin, Theatr. europ. I. 382., Chron. der Wormſ. Gymn.⸗Bibl., Fol. 260.
**) Chron. d. Wormſ. Gymn.⸗Bibl., Fol. 260.


