152 Fernere Politik der Stadt Worms in Unionsangelegenheiten.
Jeſuiten halben zu befahren befürchten) hätte, zu Beſoldung einer alhier haltenden garniſon anwenden wolle.“„Deliberation über vorhabenden Fortificationsbau“ wird dann vom Rath am 8. Dez. 1619 gepflogen.„Der Clerus beſchwert ſich damals, daß ihm durch den Fortificationsbau die Güter eingezogen würden“, 24. Dez. 1619.*) Schon vorher ſoll der Biſchof beanſtandet haben, daß ein Stück des iſraelitiſchen Friedhofs zu den Befeſtigungen verwendet würde. Allein wie auf dem Unionstag in Nürnberg der Geſandte des Kaiſers durch freundliche Worte die Mitglieder der Union für den Kaiſer Ferdinand II. zu gewinnen und von dem von den Böhmen gewählten Könige Friedrich abzuwenden verſuchte(vgl. Häuſſer, a. a. O. S. 316), ſo berieth der Rath zu Worms mit ängſtlicher Vorſicht am 24. Nov. und 15. Dez. 1619„de continuatione unionis, amicabili cum imperatore instituenda compositione, praesidio huius loci militari, itidemque de nova contributione.“ In der Rathſitzung vom 20. Dez. 1619 wird im Protocoll niedergelegt:„Der Kurpfalz ſey an Verſicherung dieſer ſtatt viel gelegen.“**) Allein wenn auch das feſte und geräumige Worms von der rathloſen und⸗ unthätigen Union zu ihrem Stützpunkt und Bollwerk gegen die unter Spinola heranziehenden Spanier gemacht wurde, ſo zeigte doch die Stadt, welche die Gnade des Kaiſers nicht verſcherzen durfte, wenn ſie nicht der Gewalt eines weltlichen oder geiſtlichen Fürſten preisgegeben werden wollte, gegen den Kaiſer und ſeine Befehlshaber Nachgiebigkeit und Geduld in der Ertragung der Kriegsleiden. Es iſt nicht ohne Intereſſe, die Lage der Stadt ſich zu vergegenwärtigen, in der dieſelbe die ſchwierige politiſche Aufgabe zu löſen ſuchte, ſich von der kopfloſen Politik und Krieg⸗ führung der Union zu löſen, mit dem Kaiſer als dem Hort der reichsſtädtiſchen Rechte in Frieden zu leben und dennoch der Jeſuiten ſich zu erwehren.
Schon in der erſten Hälfte des Jahres 1620 werden von Ferdinand II. durch geſchickte Verhandlungen die Glieder der Union gelähmt und die Streitkräfte der Liga für den Kaiſer gerüſtet. Denn Union und Liga ſchließen zu Ulm am 3. Juli 1620 jenen Vertrag, in dem Herzog Maximilian als der Katholiſchen General und Markgraf Joachim Ernſt zu Brandenburg als der evangeliſchen Union Generallieutenant im Namen der Liga und der Union das Verſprechen abgeben, daß die Glieder beider Bündniſſe Frieden mit einander halten; jedoch ſolle Böhmen von dieſem Vertrage ausgeſchloſſen ſein; auch gab die Union zu, daß die Liga ihre Truppen durch ihre Gebiete führe. So hatte die Union den Pfalzgrafen in Böhmen preisgegeben(Londorp, aect. publ. II. 48). Nur die pfälziſchen Länder ſollten die Unirten vertheidigen dürfen. Kurz vorher hatte der Kaiſer an alle Reichsſtädte, alſo auch an den Rath zu Worms in Sachen der Unions⸗ beſtrebungen warnende Schreiben gerichtet, worüber die Rathsprotocolle vom 10., 13., 14., 17., 23. und 26. Mai berichteten:„Der Statt Wormbs werden Mandata avocatoria von Kayſerlicher Majeſtät inſinuirt.“ Der Zuſammenſteller unſrer Rathsprotocollauszüge fügt hinzu:„Daraus zu ſehen, daß Statt Wormbs des Römiſchen Weſens ſich nicht annehmen wollen.“ Die öffentliche „Anſchlagung der Mandate“ bezeugen die Rathsprotocolle vom 26. Mai und 16. Juni 1620.***)
*) Extr prot., im Wormſ. Arch., Fol. 117 b, Nr. 2—4. 8. **½) Ebendaſ. Fol. 117 b, Nr. 5. 6.
e) Extr. prot., a. a. O., Fol. 118, Nr. 10. 11. Das oben gedachte kaiſerliche Mandat an die Reichsſtädte vom 30. April 1620 iſt abgedruckt bei Londorp, acta publ., tom. II. S. 30. 31:„Ermahnen und befehlen unſere und des heiligen Reichs Städten, oftbeſagter Böheimiſchen Rebellen und deren Adhärenten und fürnehmlich obbenanntes Pfalzgrafen Kurfürſten, als welcher ſich von unſern Rebellen zu ihrem Haupt aufwerfen laſſen, in dieſer ſeiner Ungebühr, Ungehorſam und Widerſetzlichkeit nicht annehmen, ſondern gänzlich entſchlagen und die gegen uns ſchuldige Pflicht in gebührende Obacht nehmen, auch unſeren Unterthanen weiter zu keinem Ungehorſam Vorſchub oder Anleitung geben, auch in Anſchlag oder anderer Publicirung dieſes unſers Kaiſer⸗


