Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Anlehnung der Stadt Worms an die Union der ſich vermehrenden Jeſuiten wegen. 151

letzteren der Orden durchſchnittlich minder groß gewirkt. Ebenſo konnten dieſe ſtrengen Satzungen für das ragende Genie einigermaßen zur Feſſel werden. Aber der Erfolg richtet ſich in der Weltnicht nach wenigen Wiſſenſchaften und bevorrechteten Geiſtern, ſondern nach der Maſſe der Wiſſenſchaften und der Köpfe. So geſteht der Jeſuit ohne Scham ein, daß er die idealſten Wiſſenſchaften weniger pflegt, durch den Mechanismus ſeines Verfahrens geniale Naturen wohl feſſelt; aber weil er peſſimiſtiſch und kurz⸗ ſichtig glaubt, daß der Erfolg in der Welt von dem Ausſchlag der Maſſen abhänge, pflegt er ein mehr den Maſſen zugängliches flacheres, klares, nüchternes Wiſſen, das er exact nennt, als ob die idealen, philoſophiſchen, hiſtoriſchen Wiſſenſchaften ſicherer Exactheit entbehrten oder entbehren müßten. Die Weltgeſchichte aber lehrt, daß dennoch im letzten Grunde nur wirklich tiefe Ideen für die großen Bewegungen der Menſchheit die entſcheidenden Motive und die Mittel für ihre beſten Thaten ſind.

2. Zur Geſchichte der Stadt Worms von 16191628.

Nur kurze Zeit konnte der Rath der Freiſtadt Worms, deren reichsſtädtiſche Rechte und Privilegien allein durch die Gnade und den Schutz des Kaiſers geſichert wurden, ſich der Hoffnung hingeben, er werde in der Anlehnung an die proteſtantiſche Union eine Stütze gegen das Bisthum Worms und die Jeſuiten finden. Denn die Mißerfolge der Union im Kampfe gegen Spinola und den Kaiſer ließen die Stadt gar bald erkennen, daß ſie ſich bemühen müſſe, mit dem Kaiſer möglichſt gute Beziehungen zu unterhalten. Daraus erklärt es ſich, daß der Rath ſpäter auch gegen die Schweden ziemlich ſpröde war. Bei dieſer Politik des Raths der Stadt Worms beſtand die Noth der Stadt während des dreißigjährigen Kriegs, abgeſehen von den Störungen des Acker⸗ baues, des Handels und des geſammten Verkehrs, beſonders in den Opfern für Einquartierungen, Kriegskoſten und Brandſchatzungen, die Freunde und Feinde der Stadt auferlegten. Man erkennt deutlich, daß jede Kriegsmacht, die vor den Mauern der Stadt erſchien, dieſelbe vor größter Kriegsgefahr oder Zerſtörung gern ſicherte, wenn dieſelbe nur die geforderten Quartiere und Leiſtungen darbot. Wenn auch die zwiſchen der inneren und äußeren Mauer der Stadt gelegenen, dünn bevölkerten Vorſtädte während des Kriegs zum größten Theil zu Grunde gingen, ſo blieb doch die innere Stadt, die den Haupttheil der Bewohner herbergte, mit ihren Gebäuden und ihren öffentlichen Einrichtungen erhalten. Auch das lutheriſche Gymnaſium erhielt ſich nicht nur in Worms während des dreißigjährigen Krieges, ſondern hatte ſogar fünf Klaſſen, mit etwa zehn⸗ jährigem Lehrcurſus. Ferdinand Dieffenbach irrt, wenn er in ſeinem Buche:Das Groß⸗ herzogthum Heſſen in Vergangenheit und Gegenwart, S. 376, ſchreibt, Worms ſei nach dem dreißigjährigen Kriegeeine Wüſte, eine menſchenleere, verödete Stadt geweſen.

Der Rath zu Worms hatte ſich noch im April 1617 an der Berathung über die Ver⸗ längerung der Union auf weitere zehn Jahre betheiligt und in der Anlehnung an die Union ſucht er auch gegen die Jeſuiten Sicherheitsmaßregeln zu ergreifen. Pfalzgraf Friedrich V. begab ſiche dann Ende October 1619 nach Böhmen zur Krönung. Für den im November 1619 nach Nürn⸗ berg ausgeſchriebenen Unionstag(vgl. Häuſſer, Geſch. der rhein. Pfalz, B. 2. 315 ꝛc., M. J. Ph. Abelin, Theatr. eur., II. 256) berieth der Rath zu Worms am 12. October 1619, was dabei zu beachten ſei; am 15. October wird derZollſchreiber zu Mannheim anhero zu Beſichtigung hieſigen Bollwerks und Fortificirung beſchrieben; am 22. Oct. 1619 wird dieInſtruction zu den Unionsſachen beſchloſſen:Gehet fürnehmlich dahin, daßE. E. Rath 2000 fl. zahlen, das übrige aber, weilen man ſich ſonderlich der vermehrenden