Drei bis fünf Klaſſen des Jeſuitencollegs zu Worms. 149
21. Regel des Provinzials gegeben.*) Die studia inferiora erfordern nämlich hiernach 5 Klaſſen, ohne Berückſichtigung der Elementarſchüler oder Abecedarii. Dieſe 5 Klaſſen heißen nach ihren weſentlichſten Unterrichtsfächern: 1. infima classis Grammaticae oder Rudiment; 2. media classis Grammaticae oder bloß Grammatik; 3. Suprema classis Gramma- tiene oder Syntax; 4. Humanitas; 5. Rhetorica. Der Curſus der erſten Claſſe der Studia inferiora eines Jeſuitencollegs, d. i. der Rhetorik, war gewöhnlich zweijährig, derjenige der zweiten Claſſe oder der Humanitas einjährig, doch konnte in einzelnen Fällen die Frage aufgeworfen werden, ob nicht beide Claſſen in kürzerer Zeit, als in drei Jahren, abſolvirt werden ſollten**) Die drei Grammaticalclaſſen haben nach der achten Regel des Präfects der Studia inferiora je einjährige Curſe, die in der Weiſe eingerichtet waren, daß in der mittelſten und oberſten dieſer Claſſen das Penſum zweimal im Jahre, alſo in jedem Semeſter einmal durchgearbeitet wurde. Für die Aufnahme in die unterſte Grammaticalclaſſe erſchien eine vorhergehende Vorbereitung im erſten halbjährlichen Penſum wünſchenswerth. Nach der elften Regel des unteren Studienpräfecten ſollten in die unterſte Grammaticalclaſſe weder ältere Jünglinge noch allzuzarte Knaben auf⸗ genommen werden. Obwohl in der Regel nur alle Jahr einmal verſetzt wurde, ſollte es doch erlaubt ſein, in den drei Grammaticalclaſſen, in denen das Penſum im Jahr zweimal durch⸗ gearbeitet wurde, reifere Schüler ſchon nach halbjährigem Beſuch der Claſſe, oder nach Ablegung eines Examens zu jeder Zeit des Jahres zu verſetzen.**) Welche Einrichtungen, Veränderungen oder Erweiterungen traten nun wohl in der Lehranſtalt des Wormſer Jeſuitencollegiums im Laufe der Zeit ein? Nach den oben angeführten Beſtimmungen der Stiftungsurkunde vom 22. April 1613 waren für das Jeſuitencollegium zu Worms von den 5 Klaſſen der Studia inferiora zunächſt nur die drei unteren, für das Studium der lateiniſchen Grammatik beſtimmten Klaſſen vorgeſehen, die beiden oberen Klaſſen für Hamanitas und Rhetorica wurden für ſpätere und günſtigere Zeit in Ausſicht genommen. Die Anſätze zu dieſen drei Unterklaſſen waren wohl ſchon vor dem Jahre 1613 vorhanden, da die Jeſuiten ſchon ſeit dem Jahre 1606 predigten, Beichte hörten und viel⸗ leicht auch einzelne Schüler zu unterrichten anfingen. Den Unterricht der Elementarſchüler oder Abecedarii, der nach den oben angeführten Stellen den Jeſuiten weniger am Herzen lag, ließ der Biſchof von Worms, Wilhelm von Effern, wie wohl auch ſeine Nachfolger, aus ſeinem beſonderen Fonds und privaten Mitteln durch einen Unterlehrer oder Hypodidascalus ertheilen. Derſelbe ſollte, wohl neben einem Elementarunterricht im Leſen und Schreiben, die erſten Elemente der lateiniſchen Sprache und der Muſik nach dem Plane und der maßgebenden Entſcheidung der Patres
*) Rat. Stud. Reg. Prov. 21§. 1. Scholae studiorum inferiorum(omissis propter rationes, quae afferuntur in parte quarta Constitutionum, Abecedariis) non plures quam quinque esse debent, una Rhetho- ricae, altera Humanitatis et tres Grammaticae.§. 2. Hi enim sunt quinque gradus ita apte inter se connexi, ut permisceri aut multiplicari nullo modo debeant: tum ne ordinarios etiam Magistros frustra multiplicare necesse sit; tum ne multitudo scholarum et ordinum longiore quam par sit tempore egeat, ad baec inferiora studia decurrenda. §. 3. Quodsi scholae pauciores sint quam quinque, ne tum quidem hi quinque gradus varientur, sed poterunt duo ordines in una classe ita constitui, ut uterque uni ex iis quinque gradibus respondeat.§. 4. IIlud porro curandum, ut quando Scholae pauciores sunt, altiores semper, quoad ejus fieri potest, retineantur sublatis infimis.
*e) Rat. Stud. Regul. Provinc. 18: Licet cursus temporis ad Humanitatis et Rhetoricae studium definitus esse nequeat, et ad Superiorem pertineat expendere, quantum in his litteris quemque haerere oporteat: Nostros tamen non ante ad Philosophiam mittat, quam biennium in Rhetorica consumserint, nisi ratio aetatis aut aptitudinis aut aliquid aliud obstare in Domino judicetur. Quod si aliqui indole ingenii ad magnos progressus in his potissimum studiis faciendos praediti sint, ut solldius fundamentum jaciant, videndum erit, an operae pretium sit triennium impendere.
**) Rat. Stud. Reg. Praef. Stud. inf. 8— 13.


