148 Die Studia inferiora der Jeſuiten.
casibus conscientiae Scholam habere possint, ut hoc quoque ad consueta Societatis munia adjiciant, omnia et singula juxta proprium institutum suum intelligendo et exercendo.“„Ut ABGCdarii prima elementa linguae latinae et musices doceantur, curae Nobis erit baccalaureum seu hypodidascalum Nostro aere ac privata mercede conducere, qui de consilio et auctoritate Patrum dicta elementa pueros doceat et dominicis festisque diebus in Chorum ducat.“ Dieſe Beſtimmungen ſind nach der Unterrichtsordnung der Societät zu inter⸗ pretiren, die in den Regeln der ratio atque institutio studiorum societatis Jesu enthalten ſind.*) Der Unterricht und die Erziehung der Jeſuiten verfolgte in Deutſchland natürlich nicht den Zweck, eine wahrhaft allgemeine, tiefe und zur geiſtigen, ſowie religiös ſittlichen Freiheit der Perſönlichkeit führende Bildung in breite Schichten des deutſchen Volks überzuführen, ſondern nüchtern, klug und geſchickt wollten ſie nur diejenigen für die Zwecke der römiſchen Kirche oder ihres Ordens ſchulen und heranziehen, von denen zu erwarten war, daß ſie in der unter allen Völkern der Erde verbreiteten jeſuitiſchen Propaganda die für ſie geeigneten Stellungen einnehmen würden. Darum beſchäftigten ſie ſich weniger mit dem niederen, als mit dem höheren Unterrichte, in Seminarien, Collegien und Univerſitäten. Es war nur zu natürlich, daß der Orden, der darauf ausging, zum Vortheil ſeiner internationalen Zwecke die Selbſtändigkeit und Originalität des Volksgeiſtes und der Jugend zu beſchränken und feſt zu regeln, nur geringes Intereſſe an einem Elementarunterrichte haben konnte, der ſorgſame Pflege der Mutterſprache und Volks⸗ ſprache, nicht der lateiniſchen und der kirchlichen Sprache, und ſelbſtloſe Hingabe des Lehrers an das zarte und der jeſuitiſchen Gängelung noch nicht zugängliche Kindesgemüth erforderte, dagegen die Feſſelung des jugendlichen Denkens in den allgemeinen Schablonen des vom Orden gegebenen Studienplanes noch nicht vertrug.— Die Conſtitutionen des Ordens gedenken kaum des elemen taren Unterrichts der Volksſchule. In einer Declaration zu Const. pars IV., c. 12 wird freilich dafür folgender Grund ausgeſprochen:„Im Leſen und Schreiben andere zu unter⸗ richten, wäre auch ein Werk der Liebe, weun der Geſellſchaft diejenige Zahl von Perſonen zur Hand wäre, daß ſie allen ſich widmen könnte; wegen des Mangels an ſolchen pflegen wir indeſſen dieſes gewöhnlich nicht zu lehren.“**) Der Provinzial ſoll, nach einer andren Beſtimmung, nicht ohne den General öffentliche Schulen errichten, zumal ſolche, in welchen die Knaben im Leſen und Schreiben unterrichtet werden, was nicht einmal privatim erlaubt ſein ſoll. Aus der Richtung der Studien der Jeſuitencollegien ergibt ſich der tiefere Grund, aus dem die Jeſuiten es unterließen, die Kinder im Verſtehen, Leſen und Schreiben der Mutterſprache zu üben. In der ratio studiorum ziehen die Vorſchriften für den Provinzial dem Jeſuitencolleg zu Worms diejenigen Grenzen, die auch in den oben erwähnten organiſatoriſchen Beſtimmungen gegeben ſind.— Die Jeſuitencollegien waren theils ſolche, die in zwei Abtheilungen ſowohl die studia inferiora in fünf Claſſen, die einem Gymnaſium entſprachen, als auch, wie in einem philo ſophiſchen und theologiſchen Seminarium, die Studia superiora der Philoſophie und Theologie betrieben; theils beſchränkten ſie ſich auf den Unterricht der Studia inferiora eines Gymnaſiums. — Das Collegium zu Worms war eine Anſtalt der letzten Art. Sein Klaſſenſyſtem iſt in der
*) Vgl. Institutum Societatis JEsu, ex decreto congregationis generalis decimae quartae meliorem in ordinem digestum, auctum ac denuo recusum. Vol. I. II. Pragae, typis Universitatis Carolo-Ferdinandeae in Collegio Socie- tatis JESU ad S. Clementem, Anno 1705. tom. II. p. 53— 102.
**) Const. P. IV. c. 12. decl. C: In legendo et scribendo alios instituere, opus etiam charitatis esset, si is personarum numerus Societati suppeteret, ut omnibus vacare posset: propter earum tamen penuriam hoc ordinarie docere non consuevimus.


