144 Proteſtation ꝛc. des Raths gegen den Aufenthalt der Jeſuiten in Worms.
Der Auszug des betreffenden Rathsprotokolls lautet:„Wollen eine Comödi halten und durch ohn⸗ gewöhnliche ſtraſſen gehen und reiten. Inhibetur 27. Nov. 1613“(a. a. O. Fol. 80 a. b., Nr. 18.)
Aber der Rath zu Worms hatte ſogar den Muth, den Schirmbriefen der Kaiſer Rudolf II. und Matthias bis zu einem gewiſſen Grade Widerſtand zu leiſten. Die proteſtantiſche Union, an welche ſich auch Worms anlehnte, hatte ſich im Jahre 1612 mit England, im Jahre 1613 mit Holland verbündet; und man wird wohl nicht irren, wenn man das Verhalten des Raths gegen die Schirmer der Jeſuiten daraus erklärt, daß er ſich der Hoffnung hingab, er werde in der An⸗ lehnung an die Union den Beſtrebungen des Jeſuitismus in Worms erfolgreich begegnen können. Im Frühjahr 1614 kündigte der Rath zu Worms dem Domeqpitel durch einen ſeiner Schreiber an, daß die Patres der Societät Jeſu nicht zu ertragen ſeien. Als die Sache in der Sitzung des Capitels vom 12. April 1614 zur Berathung kam, wurde beſchloſſen, daß der Syndicus des Capitels und Dr. Fleisbach dem Rath das Kaiſerliche Privilegium, durch das den Jeſuiten zu Worms die Aufnahme in die Stadt und der kaiſerliche Schutz verliehen worden war, inſinuiren ſollten, damit den Patres wegen ihres Predigt⸗ und Schulamts der Schutz und⸗ Schirm zu Theil werde, in dem der Wormſer Clerus überhaupt ſtehe.*)
Am 6. Mai 1614 zieht der Rath in Erwägung, ob die Jeſuiten„sub unione cleri“ ent⸗ halten ſeien.**)„Jeſuiter werden vom Domſtift Einem Ehrb. Rath als Clerici praesentirt mit Bitt ſolche in Schutz uf⸗ und anzunehmen, cui contradicitur 6. Juli 1614.“***) Der Rath gab ſogar eine ſchriftliche Entſcheidung, in der er ſich weigerte, die Jeſuiten als Clerici in die Geſammt⸗ heit des Wormſer Clerus und in ſeinen Schutz aufzunehmen. Dieß bezeugt der Protocolliſt des Domcapitels in der Sitzung vom 2. September 1614:„Habe Ich die mir zugeſtellte ſchriftliche Resolution eines L. Rhats der Statt Worms, ſo mir bei beſchehener Insinuation zweier kayſerlichen Schirmbriefen, die patris Societatis JESV allhie belangend, ertheilt worden, capitulariter vorgebracht vnd verleſen. Solle Copia derſelben Ihrer Fürſtlichen Gnaden, ſodann auch beyden Syndicis, ſo ſich, daruff mitteinander haben zu berhatſchlagen, vberſchickt und communicirt werden.“(a. a. O., Fol. 206. b.)
Die gedachten Verhandlungen werden von den Jeſuiten bis zum Jahre 1616 weiter geführt. „Wie ſelbige in unionem Cleri und die Rachtung(vom J. 1509 u. 1519, vgl. oben S. 29—31) aufgenommen zu werden ſuchen“, wurde berathen in den Sitzungen des Dreizehnercollegs vom 5., 7. und 17. Juni 1616. In der Rathsſitzung vom 17. Juni wurde beſchloſſen, in der fraglichen An⸗ gelegenheit pro consultatione zwei Herrn zum Kurfürſten Friedrich V. von der Pfalz abzuſenden. Dieſelben brachten eine ſchriftliche Reſolution von Kurpfalz zurück, und die Berichterſtattung der Geſandten an den Rath erfolgte am 23. Juni 1616; allein die Auszüge der Rathsprotocolle theilen über das Gutachten der Pfalz nichts mit. Es iſt zu vermuthen, daß dem Rath zu Worms⸗ von der Regierung des jugendlichen Kurfürſten Friedrich V. von der Pfalz geringe Ausſicht auf wirkſamen Beiſtand in ſeinen inneren Angelegenheiten eröffnet wurde, da für dieſen unbeſonnenen Fürſten im Jahre 1616 bereits die Leitung der proteſtantiſchen Union eine zu ſchwere Aufgabe⸗ war, ſo daß dieſer Bund in dieſem Jahre ſogar dem jeſuitiſchen Maximilian von Baiern das Führeramt antrug.— So ſpielten ſich denn weiter zwiſchen Stadt und Jeſuiten die peinlichen
*) Der Wortlaut des Domcapitelprotocolls vom 12. April 1614 iſt folgender:„Scriba civitatis Wor- matiensis nomine senatus sui indicavit Reverendo Domino Decano, quod Patres Societatis JESu non ferendi sint. Praeterea syndico nostro et doctori Fleisbach injunctum est, ut privilegium Caesareae Maiestatis de patribus recipiendis et tuendis senatui Wormatiensi insinuare velint, ut sic in tuitione Cleri Wormatiensis tum propter officium concio- natoris tum propter scholas conservandas Patres praetacti omnino recipiendi sint.“(a. a. O. Fol. 195 b.).
**) Extr. der Rathsprot., a. a. O., Fol. 80 b., Nr. 19. ***) Ebendaſelbſt, Fol. 81 a, Nr. 31.


