140 Privilegium des Kaiſers Matthias vom 5. Oct. 1613.
Während in dieſer Weiſe die Niederlaſſung der Jeſuiten in Worms geſichert und feſt gegründet wurde, blieb dem Rath nichts übrig, als auf Grund der Verfaſſung und der Rechte der Stadt gegen deren Anweſenheit zu proteſtiren. So beſchließt der Rath am 28. April 1613: „Sollen von Wein und Bier Accis geben.*) Allein die Schwierigkeiten, die der Rath dem Jeſuitencollegium machte, hatten nur die Folge, daß Kaiſer Matthias am 5. Oct. 1613 den Jeſuiten zu Worms das von Rudolf II. ertheilte Privilegium, wie folgt, erneuerte.
„Wir Matthias ꝛc.— bekennen öffentlich mit dieſem Brieff und thun kund aller⸗ männiglich, daß Uns die Ehrſamen Geiſtlichen Unſere liebe Andächtige der Societaet Jesu Patres in Unſer und des Heyligen Reichs Stadt Wormbs einen Schutz und ſchirm Brieff, ſo von Wey landt dem durchleuchtigſten Fürſten und Herrn Rudolphen dem andern Römiſchen Kayſern, Unſerm freundlichen geliebten Herrn und Brudern hochlöblichſter gedächtnus Ihnen allergnädigſt ertheilt, in glaubwürdigen ſchein haben fürbringen laſſen, der von Wort zu Worten hernach geſchrieben ſtehet und alſo lautet“:—(folgt der Brief Rudolphs)—„und Unß darauff demüthiglich ange⸗ ruffen und gebetten, daß Wir Ihnen den berührten Brieff, ſambt den darinn begriffenen Gnaden und freyheiten, als jetzt Regierender Römiſcher Kayßer, alles ſeines Innhalts und Begriffs, zu erneuern, zu confirmiren undt beſtätten gnädiglich geruheten, das haben Wir angeſehen— und darumb mit wohlbedachtem muth, gutem Rath und rechtem wiſſen, bemelten Patribus der Societaet Jesu zu Wormbß angeregten Brieff in allen u. jeden, ſeinen Wortten, punkten, Clauſuln, Articuln, Inhaltungen, Mainungen und Begreiffungen als Römiſcher Kayßer gnädiglich confirmirt und beſtättet“ ꝛc.
Datum in unßer u. des heil. Reichs Stadt Regenspurg den 5. Oct. 1613.**)
Matthias.
Nachdem das Wormſer Jeſuitencollegium durch die angedeuteten Verhandlungen, Beſchlüſſe und Verträge des Biſchofs und des Domcapitels definitiv errichtet und vom Kaiſer Matthias beſtätigt worden war, ſtellten Biſchof Wilhelm von Effern und Wilhelm Theodorich von Daun, Decan des Domcapitels, dem Wormſer Jeſuitencolleg und dem Jeſuitenprovinzial der Rheiniſchen Provinz am 6. Nov. 1613 eine zweite Urkunde aus, worin feſtgeſtellt wurde, in welcher Weiſe und von welchen Perſonen oder Aemtern dem gedachten Collegium die ihm bewilligten Einkünfte im Einzelnen erſtattet werden ſollten. Aus dieſer zweiten Urkunde ſcheint hervorzugehen, daß im Anfang der Verhandlungen der Jahre 1612 und 1613 zunächſt in Ausſicht genommen war, daß das in der Urkunde vom 22. April 1613 dem Colleg verſprochene Jahreseinkommen von 1500 fl. vollſtändig erſt nach Verlauf von fünfzehn Jahren, wenn nämlich die Zahl der Patres, Lehrer, Klaſſen und Schüler ſich würde vergrößert haben, erſtattet werden ſolle. In der zweiten Urkunde vom 6. Nov. 1613 wird nun aber in Anerkennung der Erfolge des Collegiums der gedachte Termin von fünfzehn auf zehn Jahre herabgeſetzt. Zugleich wird in dem gedachten Repartitions brief vom 6. Nov. 1613 im Einzeln angegeben, in welchen Quantitäten und nach welchen Taxen das Jeſuitencolleg von dem Biſchof und dem Capitel aus den Kaſſen bares Geld, aus Kellern und Fruchtſpeichern Wein und Getreide, und zwar zunächſt im Geſammtwerthe von 892 fl., 6 alb., 6 Hlr. beziehen ſoll. In Betreff des hiernach zur Completirung der zunächſt bewilligten 1000 fl. erforderlichen Betrags von c. 107 fl. und über die Lieferung der ferner in Ausſicht ſtehenden
*) Extr. prot. Worm., Fol. 80 a., Nr. 17. Indirecte Steuern waren der Stadt Haupteinnahme. **) Abſchrift im Wormſ. Arch., IV. IV. 34. 12. 185. Act. 90.


