134 Beweggründe für die Berufung der Jeſuiten nach der Stiftungsurkunde.
Es wurde dann vom Biſchof und Domecapitel mit dem Jeſuitengeneral ein Vertrag über die definitive Creirung des Wormſer Jeſuiten⸗Collegs abgeſchloſſen. Die vom Biſchof und Dom⸗ capitel verfaßte Urkunde datirt vom 22. April 1613. Nach den Motiven derſelben errichtete der Biſchof zu Worms Wilhelm von Effern das Jeſuitencollegium zu Worms nicht nur in der Abſicht, daß die Jeſuiten in den ſtillen Räumen der Kirche und Schule predigen und unterrichten ſollten, ſon⸗ dern vor Allem im Hinblick auf die politiſchen und kirchlichen Zeitverhältniſſe für die Zwecke der jeſuitiſchen Propaganda, die zunächſt gegen die Stadt Worms gerichtet ward. Biſchof und Capitel erwogen— ſo iſt in der Urkunde geſagt— die Verluſte, die das Bisthum in der Vergangenheit erlitten, und die Gefahren, die in den ſchwierigen Zeiten drohten, in denen bereits die Gründung der proteſtantiſchen Union und die Errichtung der katholiſchen Liga die bevorſtehenden Stürme des dreißigjährigen Kriegs ahnen ließen. Biſchof und Capitel ſahen ſich bei benachbarten Biſchöfen und Fürſten nach Mitteln und Wegen um, wodurch ſie, wenn auch nicht die empfangenen Wunden heilen, ſo doch vor den drohenden Gefahren auf ihrer Hut ſein könnten. Denn wer Streit ſäet, weiß, daß er demſelben begegnen muß. Und nun wurde gerade derjenige Orden, der keineswegs nur die Erhaltung des alten Glaubens, ſondern die Wiederherſtellung der Alleinherrſchaft der römiſchen Kirche und die Vernichtung des Proteſtantismus zu ſeiner Aufgabe machte und hierdurch die Flamme des dreißigjährigen Krieges ſchürte, als Beiſtand des Bisthums für die Dauer in Worms angeſiedelt. Die Stiftungsurkunde bezeugt, daß ſchon die um Jahre 1606 zur Veranſtaltung einer Miſſion von Speier nach Worms berufenen Jeſuiten die Aufgabe gehabt hätten, nicht nur die Erwachſenen in der Predigt und in der Beichte zu bearbeiten und die Knaben durch Unterricht in den Clementen der lateiniſchen Sprache und der chriſtlichen Lehre zu bilden, ſondern auch die Finſterniß der Unwiſſenheit zu vertreiben und die Kraft und das Vordringen der Ketzerei zu unterdrücken, welches die Quellen ſeien, aus denen alles Unheil in die Wormſer Diöceſe geſtrömt ſei. Nachdem nun in den 6—7 Jahren, von 1606—1613, die Jeſuiten⸗ patres nach der Anſicht des Biſchofs und Capitels in dieſem Sinne in ausgezeichneter Weiſe gewirkt, ſollte denſelben eine dauernde Stätte zu Worms bereitet werden, damit die Wormſer Bürgerſchaft durch die Jeſuiten zu aller Ehrbarkeit angeleitet werde und das Licht des wahren Glaubens und der ewigen Seligkeit ſchaue. Deshalb errichten Biſchof und Capitel der Geſellſchaft der Jeſuiten und deren General Claudius Aquaviva ein Col⸗ legium, wie ſie ſagen:„in urbe nostra“. Und wenn auch der Biſchof zu dieſer Bezeichnung, wogegen die Stadt ſtets heftig proteſtirte, kein Recht hatte, ſo ſollte der Jeſuitenorden dazu ver⸗ helfen, daß die Stadt, die doch des Kaiſers und des Reichs Stadt war, endlich doch noch des Biſchofs Stadt werde. Dafür geſtanden Biſchof und Capitel dem Orden die volle Freiheit zu, ganz und gar nach der Weiſe und der Einrichtnng der Societät die Einrichtung und die Wirk⸗ ſamkeit des Colleginms in aller Selbſtändigkeit zu geſtalten. Das Collegium wurde mit allen in Gegenwart oder Zukunft dazu gehörigen Perſonen von Biſchof und Capitel ebenſo wie alle andre Collegien und Orden zu Worms in deren beſtändigen Schutz und Schirm aufgenommen; aber indem dem Jeſuitencolleg verſprochen wurde, daß dasſelbe in dasjenige Verhältniß der Treue und des Schutzes aufgenommen werde, in das andere deutſche Fürſten die Jeſuitenpatres aufgenommen, wurde in deren jeſuitiſchem Intereſſe die bedeutungsvolle Clauſel hinzugefügt:„non tamen contra- rationem instituti sui““.
Die Dotation der Jeſuiten vom 23. April 1613 enthielt folgende Stiftungen: 1. zwei nebeneinander gelegene Wohnhäuſer, deren Inſtandhaltung Biſchof und Capitel zuſagten und von denen das eine„zum rothen Kolben“ genannt wurde, das andre vielleicht„zum Treſſishorn“ oder


