Quellen für die Geſchichte des Wormſer Jeſuitencollegs. Privilegium Rudolfs II. vom 24. Jan. 1609. 131
hinter den gleisneriſchen, ſelbſtloſen, liebevollen Worten und glatten, ſich einſchmeichelnden Formen des Ordens rückſichtsloſe, herrſchſüchtige, weltliche Beſtrebungen verhüllt ſind. Auch die Geſchichte des Wormſer Jeſuitencollegs liefert Belege für den Nachweis der weltlichen Beſtrebungen des Ordens.
Die hauptſächlichſten handſchriftlichen Quellen der nachfolgenden Erzählung über die Grün⸗ dung des Wormſer Jeſuitencollegs und deſſen Zwiſtigkeiten mit der Stadt Worms ſind folgende: 1. die im Darmſtädter Staatsarchiv befindlichen Protocollbücher des Wormſer Domecapitels; 2. Auszüge aus den Protocollen des Raths der Stadt Worms, die ſich im Wormſer Archiv befinden; 3. mehrere Actenpäcke des Wormſer Archivs, die Urkunden und Streitſchriften aus den Kämpfen zwiſchen der Stadt und dem Jeſuitencolleg, theils Originale, theils Concepte, theils Abſchriften enthalten; 4. ein Actenbündel des Darmſtädter Archivs, der die im Jahr 1773 erfolgte Aufhebung des Wormſer Jeſuitencollegs und die vermittelſt ſeines Fonds bewerkſtelligte Gründung eines katholiſchen Gymnaſiums betrifft.
Während die im Jahre 1606 von Speier nach Worms berufenen Jeſuiten*) bis in's Jahr 1609 hierſelbſt predigten, Beichte hörten, unterrichteten und dadurch den Boden für eine dauernde Niederlaſſung ſich bereiteten, erwirkten ſie ſich zunächſt vom Kaiſer Rudolf II. ein Privilegium zur Niederlaſſung in Worms und eine vorläufige Dotation aus den Fonds des Wormſer Dom⸗ capitels. Es ſolgen hier die wichtigſten Stellen des Privilegs vom 24. Jan. 1609, wodurch Rudolf II. den Jeſuiten zu Worms ſeinen Schutz und ſogar die Rechte des übrigen Wormſer Clerus verleiht.
„Wir Rudolph der ander von Gottes Gnaden Erwählter Römiſcher Kayßer dc. be⸗ kennen öffentlich mit dieſem Brieff und thun kund allermänniglich, daß wir die Ehrſamen Geiſt⸗ lichen Unßere liebe Andächtigen der Societät Jesu Patres in Unßrer und des Heyl. Reichs Stadt Wormß, ſo jetzo daſelbſt ſeyn und künftigerzeit dahin kommen mögten, ſambt aller derſelben zugehörigen Perſohnen haab und gütern, Ihrer der Societät freyheiten, Privilegien, Recht und Gerechtigkeiten, auch allem das, was Ihnen zu verſprechen ſtehet, mit gutem wiſſen und eigener bewegniß aus fürnehmen und bewegenden urſachen in Unßer und des Reichs ſonderbahren Verſpruch, Schutz und Schirm genommen und empfangen— und meinen, ſetzen und wollen daß nun hinführo die gedachte Societät zu Wormbs, ſambt aller derſelben angehörigen Perſohnen haab ꝛc.— in Unſern und des Heyl. Reichs beſondern Verſpruch, Schutz und Schirm ſeyn, demnach alle Ihre Standt⸗ mäßige Aembter und übungen zu Wormbs, Wormbßer Bistumbs und ſonſt, wo Wir zu gebiethen haben, ungeirrt und gantz unverhindert, üben und verrichten, ſich aller und jeglicher Gnadt, freyheit, Rechtund Gerechtigkeiten der Cleriſey zu Wormbs ohne Disputation und Außnamb, an allen Enden und Orthen, Ihrer Notturfft und gelegenheit nach freuen, gebrauchen und genießen ſollen und mögen c. Der geben iſt in Unſerem Königlichen Schloß zu Prag d. 24. Jan. 1609.“*)
Rudolph.
*) In einer im October 1687 von dem Wormſer Jeſuiten⸗Colleg an Kaiſer Leopold 1. gerichteten Bittſchrift wird geſagt, daß die Jeſuiten im Jahre 1606 nach Worms berufen worden ſeien. Vgl. im Wormſer Archiv im Aktenpack IV. IV. 34. 12. 185, Aktenſtück 92:„Wahrhafte Facti species ac., gedruckt zu Wetzlar 1715, S. 45.
**) Abſchrift im Archiv zu Worms, Geſtell IV, Rubrik 1V, Gefach 34, Pack 12, Nummer 185, Act. 90. und öfter. Für dieſes Privilegium bewilligt das Domcapitel am 31. Oct. 1609 die Zahlung einer Taxe von 40 fl. an die camera imperialis.
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