Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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IV.

Bruchſtücke der Wormſer Geſchichte aus der Zeit des dreißig⸗

jährigen Krieges und Nachrichten über das Jeſuitencollegium

zu Worms, insbeſondere über deſſen Verhalten gegen die Frei⸗ und Reichsſtadt Worms.

1. Die Jeſuiten zu Worms bis zum Ausbruch des dreißigjährigen Rriegs.

a. Zur Geſchichte der Einführung und Domicilirung der Jeſuiten in Worms.

Wormbs iſt ein uralte Statt, ligt am Rhein an eim luſtigen Ort, hat rund um ſich ein gut und geſchacht Erdtrich, das vil guts Weins und Korns tregt. Es ſeind auch mehr dann zwey⸗ hundert Stett, Flecken und Dörfer darumb gelegen, die do täglich zum Markt gehn, Wormbs mit eſſender Speiß gond[verſehendſ, und den Abent wieder heim kommen mögen. Dieſe oft an⸗ geführten Worte bekunden die Zufriedenheit und Behaglichkeit des alten Reichsſtädters. Sie ſind auf der ſtattlichen Anſicht von Worms zu leſen, die Sebaſtian Munſter ſeinerCosmo⸗ graphey(1. Aufl. 1550) beigegeben alsware Contrafactur der loblichen, alten und des Heyligen Reichs Freiſtatt Worms. Iſt nach ihrer Figur abgemalet und mir von einem Ehrſamen und Weyſen Rath überſchickt, ſampt einer Beſchreibung, die do anzeigt, in was großer Herrlichkeit und Achtung dieſe Statt vor Zeiten bey Königen und Kaiſern geweſen. Die von Sebaſtian Munſter dieſem Bilde in der dritten Auflage der Kosmographie(Baſel 1578) beigegebenen Nachrichten aus der Geſchichte von Worms haben offenbar den Rector M. Friedrich Zorn zum Verfaſſer, da die⸗ ſelben zum Theil wörtlich mit Stellen der acht Jahre vorher(1570) verfaßten Zorn'ſchen Chronik übereinſtimmen. Wenn auch die gedachte Abbildung nicht regelrecht gezeichnet iſt, ſo zeichnet ſie ſich doch in der Ausgabe vom J. 1578 vor allen Städtebildern aus und gibt uns einen anſchau⸗

die zweymalige des Dauphins von Franckreich und wider die Parole der Marechaux de France, erſtlich des Due de Bouflers, und hernach des Due de Duras, durch Brand und Raub ꝛc. zugefügten Schadens, wie ſolchen theils respective in gemeiner Stadt Nahmen, ratione publici, Ein löblicher Magistrat, belauffend auf 1161020 Rthl., theils vor die Particuliere von der Stadt dependirende Einwohner ſich erſtreckend auf 1848000 Rthl., Summatim 3009020 Rthl. an ermelte Kron zur billigen Satisfaction und Indemnisation zu erfordern hat. S. 3. Auch in der handſchriftlichen Chronik der Wormſer Gymn.⸗Bibl. befindet ſich in der Geſchichte der Heimſuchung und Zerſtörung der Stadt Worms durch die Franzoſen in den Jahren 16881689 eine Berechnung des da⸗ durch der Stadt erwachſenen Schadens. Director Dr. W. Wiegand veranſtaltete als Beilage zum Programm des Wormſer Gymnaſiums im Herbſte 1872 einen Abdruckl dieſer Geſchichte der Zerſtörung der Stadt aus der genannten Handſchrift. Vgl. Dr. Oncken, Authentiſche Erzählung von der Zerſtörung der Stadt Worms durch die Franzoſen im Jahr 1689.