Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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126 Die letzten Lehrer vor der Einäſcherung der Stadt. Alumnat des reichſtädtiſchen Gymnaſiums.

als auch manche der nach derſelben genannten Lehrer in dem Gymnaſium mögen ge⸗ wirkt haben.

Die letzten Lehrer des Gymnaſiums, die vor der Zerſtörung der Stadt in den Kirchen⸗ protocollen und in der Stadtrechnung genannt werden, ſind folgende vier: M. Martin Michaelis, Rector; M. Johann Thomas Haas, Conrector; Georg Ludwig Pettenkofer(vielleicht auch Pettighöfer genannt); Joh. Chriſt. Koderhalt, classis quartae praeceptor& cantor. Joh. Balthaſar Schüler wird als class. quintae prae- ceptor 1682 genannt. Von dieſen Lehrern wurden nach der Zerſtörung der Stadt Rector M. Martin Michaelis, M. Johann Thomas Haas und Cantor Koderhalt an dem Pädagogium zu Darmſtadt angeſtellt. M. Michaelis war 16891690 Rector zu Darmſtadt, M. Haas 1696 bis 1708 Lehrer daſelbſt. Koderhalt wurde im Jahre 1692 Cantor am Darmſtädter Pädagogium und wurde nach der Wiederherſtellung der Stadt Worms und ihres Gymnaſiums im Jahre 1700 von Darmſtadt an das wiedererſtandene Gymnaſium zu Worms zurück berufen.

Alumnat des reichsſtädtiſchen Gymnaſiums.

Daß im 17. Jahrhundert mit dem reichsſtädtiſchen Gymnaſium auch ein Alumnat für fremde und bedürftige Schüler verbunden war, geht aus mehreren Nachrichten, z. B. aus obiger Bio⸗ graphie des Conrectors Schild, hervor. Schon im Jahre 1690 entwarf der Städtmeiſter Senior Joh. Friedrich Seidenbänder, der ſchon im Jahre 1678 Städtmeiſter geweſen und zur Zeit der Wiedereinrichtung der Stadt im Jahre 1698 das Amt des Schultheißen bekleidete, einen Plan für die Wiederherſtellung der Stadtverwaltung; ein Auszug aus demſelben mit dem Motto:Herr Jeſu, gib Du rath und thadt, daß dieſe Arbeit wohl gerath, hat ſich erhalten.*) In dieſem Plane ſchreibt Seidenbänder über das Alumnat, unverkennbar wie über eine ihm bekannte, früher vorhandene Körperſchaft, Folgendes:Alumnat. die Unterhaltung dieſes corporis wäre ſehr zu recommendiren, weil hieraus manche tüchtige Subjecta in allen drei Hauptſtänden können gezogen werden, wobey ſie zur Ehre Gottes die drei Tagszeiten über ihre horas oder preces halten, der Schule nützlich ſeyn und in der Kirche ſowohl die Instrumental- als Vocal-Muſik mit treiben müſſen. Dazu dürften aber keine andre als die beſten Subjecta gezogen werden. Zur Beſtreitung dieſes instituti wäre allen Notarien zu befehlen, auch öffentlich zu publiciren, daß kein Testament Kraft haben ſollte, wo nicht dieſes bedacht worden. Hierzu wäre zugleich ein recht⸗ ſchaffener Collector zu wählen, und hätte der zeitliche rector die nebenaufſicht, und der älteſte Scholarch wäre director.(Chron. der Wormſ. Gymn.⸗Bibl. Fol. XLIX.) Aus dieſer Aeußerung iſt auch zu entnehmen, daß, wie ſeit der Reformation ſchon im 16. Jahrhundert(ſ. oben S. 59) die geeigneten Lateinſchüler zu Worms einen kirchlichen Singchor bildeten, dieſe alte Ein⸗ richtung auch im 17. Jahrhundert zu Worms zu finden war.

Als der Wormſer Magiſtrat im Jahre 1696 dem Reichstag in Regensburg eine Berech⸗ nung des Schadens übergab, welcher der Stadt durch die Einäſcherung des Jahres 1689 erwachſen war, war unter der Geſammtſumme von 3009020 Rthlr. der Werth des abgebrannten Gymnaſiums mit 9000 Reichsthalern berechnet.*)

*) Dieſer Extract eines Plans von Herrn Städtm.⸗Senior Seidenbänder bei Wiedererbauung der Stadt Worms iſt zu leſen in der Chron. der Wormſ. Gymn.⸗Bibl. Fol. XLV LlI; der Plan handelt: 1. Vom Gottes⸗ dienſt. 2. Vom Regiment. 3. Von der Oekonomie.

**) Vgl.Aestimation des von der Kron Franckreich in fürwährendem Kriege von Anno 1688 biß Annum 1696 in der des Heiligen Reichs freyen Stadt Worms wider die Capitulation bey Uebergabe der Stadt, wider