Präceptoren der 3., 4. und 5. Klaſſe 1608—1609. 125
welche er nicht auf dem zerſtörten Platz, ſondern auf der Maulbeerauen, einer großen Rheininſul, gefunden, woſelbſt Herr Pfarrer Textor eine ſchwere Krankheit unterdeſſen ausgeſtanden, weil er unter den Eichbäumen und Weiden ſich nebſt etlichen Hundert Menſchen aufgehalten, denſelbigen da gepredigt, Betſtunden, Kinderlehren, Leichenpredigten gehalten und andere heilige Dinge verrichtet. Als aber Pfarrer Schild daſelbſt nebſt andern wegen Ueberſchwemmung des Rheins wieder in eine Krankheit gefallen, hat er ſich auf Verlangen nach Frankfurt fahren laſſen. Wie er daſelbſt wieder geneſen, und Pfarrer Textor(† 1693) eine Zeit lang in der zerſtörten Stadt den verunglückten Bürgern gepredigt hatte, iſt er wieder nach Worms gereiſet und hat in der St. Meinhardskirche den Gottesdienſt gehalten, bis er am 17. October 1691 nach Köln am Rhein als Beſatzungs⸗ prediger berufen wurde. Daſelbſt hat er ſein Amt bis auf den 5. Juni 1694 wohl verwaltet. Denn den 15. beſagten Monats wurde ihm zu Frankfurt und Sachſenhauſen eine Predigerſtelle anvertraut. Demnach hat er der Kölniſchen Gemeinde damals gute Nacht geſagt, ſelbige Gott befohlen und ſich nach Frankfurt begeben und hat daſelbſt ſein Predigtamt und„ſeine Wallfahrt am 5. Dezember 1726, Abend vor 10 Uhrbeſchloſſen.“ Schild erreichte das Alter von 72 ½ Jahren. (Chron. der Wormſ. Gymnaſ.⸗Bibl. Fol. 422 b, 423 a, Muhl, Geſch. der Wormſ. Pred., S. 13.)
Als Präceptoren der dritten Klaſſe finaden ſich in den gedachten Protocollen: M. Johann Zorn(1605, 1606, 1607) nach dem Zorn'ſchen Lehrerverzeichniß(ſ. oben S. 80) ſeit 1602 Lehrer der dritten Klaſſe; M. Jeremias Klohius(1620) wurde ſpäter Conrector(vgl. oben); M. Johannes Ulricus Rügerus(1631); M. Juſtus Eckardus (vor 1635); Balthaſar Jacob(1637); Johann Sebaſtian Lautz(1673); Georg Ludwig Pettenkover,“*) mecicinae licentiatus und praeceptor classicus(1676, 1682). Laurentius Solleder(1684) iſt vielleicht Lehrer der dritten Klaſſe geweſen.
Von den Lehrern der vierten und fünften Klaſſe werden in den Taufprotocollen nur wenige verzeichnet, da dieſelben wohl zum großen Theile junge, unverheiratete Männer waren. An der vierten Stelle ſcheint als College neben Friedrich Zorns Sohn, dem M. Phil. Chriſt. Zorn, und neben M. Dav. Waſius und M. Joh. Zorn der in den Taufprotocollen im Jahre 1609 genannte M. Johann Ulricus Carpentarius geſtanden zu haben. Als Lehrer der vierten Klaſſe werden ausdrücklich bezeichnet: M. Johann Ulricus Rügerus(1628) ſpäter Lehrer der dritten Klaſſe(vgl. oben); Bernhard Ludwig Hertrich(1630, 1634); Johann Wagner(1674) zugleich Cantor; Johann Chriſtoph Koderhalt(1680) zugleich Cantor.
Als fünfte Lehrer(einer als Collaborator) werden in den mehrgedachten Protocollen verzeichnet: Bernhard Ludwig Hertrich(1628, 1632) ſpäter vierter Lehrer(vgl. oben); Johann Heinrich Cnopius(1635) war Collaborator; Johann Balthaſar Schüler(1682).
In vorſtehenden Verzeichniſſen ſind alle diejenigen Gymnaſiallehrer nicht enthalten, welche nicht taufen ließen, und die ebenſowenig wie ihre Frauen Pathenſtellen vertraten. Sehr zu bedauern iſt es, daß das Taufprotocollbuch aus der Zeit vom vierten bis ſechſten Jahrzehnt des ſiebzehnten Jahrhunderts verloren gegangen iſt. Die obigen Lehrerverzeichniſſe haben in dieſem Zeitraume beträchtliche Lücken, wenn auch in dieſer Zeit ſowohl einige der vor derſelben erwähnten,
*) Auch des Rectors M. Friedrich Zorn College am Pädagogium in Heidelberg, M. Johannes Poſthius, war Mediciner(vgl. oben S. 88 ff.) In der Stadtrechnung wird als einer der letzten Lehrer vor dem Brand als Präceptor Claſſicus ein Pettighöfer genannt, der mit obigem Pettenkover identiſch ſein dürfte.


