Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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124 Conrector J. Ph. Schild: die letzte Predigt vor dem Stadtbrande 30. Mai 1689.

Lautz Stelle eingeſetzt worden.Er diente nur zwei Jahre und fünf Monate der Kirche, denn er ſtarb am 27. Aug. 1685 an einem hitzigen Fieber. Der als Vorgänger des M. Hünerer im Pfarramt genannte M. Johann Sebaſtian Lautz, ebenfalls ein geborner Darmſtädter, geb. 1642, war zuvor praeceptor tertiae classis am Pädagogium zu Darmſtadt, dann Pfarrer in Auerbach an der Bergſtraße geweſen. Derſelbe iſt in der Geſch. des Darmſt. Gym⸗ naſiums nachzutragen.

Die in Muhls Predigergeſchichte(S. 13) und in größerer Ausführlichkeit in der Chronik der Wormſ. Gymn.⸗Bibl.(Fol. 422 b) enthaltene Biographie des Conrectors Schild hat nicht nur für unſere Schulgeſchichte, ſondern auch für die Geſchichte der Stadt einiges Intereſſe.*)Iſt an das Licht der Welt gekommen in der Reichsſtadt Friedberg am 17. Mai 1654, hat die Gründe ſeiner Wiſſenſchaften in ſeinem Geburtsort, wo ſein Vater damals Rector an der lateiniſchen Stadtſchul war, nicht gelegt, weil derſelbe anno 1658 an das Frankfurtiſche Gymnaſium berufen und in der dritten Klaſſe die Jugend unterwieſen, ſondern in dieſer wohlbeſtellten Schul die ſieben Klaſſen fleißig und rühmlich durchgegangen, und iſt 1672 erſtlich nach Gießen, hernach nach Jena und letztens nach Straßburg gezogen, gelehrte Wahrheiten in allerhand Wiſſenſchaften zu ſammeln. Als er demnach einen guten Vorrath von ſolchen geſammlet hatte, iſt er zu Worms nicht nur am 22. Maii im Gymnasio, und zwar 1683, Conrector worden, ſondern hat auch, weil der Rector Johannes Hartmann Misler(ſ. oben S. 122. 123.) in gedachtem Jahr war nach Stade an das dortige Gymnaſium als Rector berufen worden, die erſte Klaſſe mitverſehen und Sorge für das Chor der acht alumnorum tragen, d. i. die Stelle eines Rectors vertreten müſſen bis ao0. 1684, in welchem der Rector Martinus Michaelis von dem Waldeck⸗ Corbachiſchen Gymnaſio iſt angekommen und ihm die ſehr ſchweren Laſten erleichtert hat. Als im folgenden Jahre(1685) die vierte Pfarrſtelle auf Abſterben Hünerers erledigt worden, iſt er den 7. Oct. nach abgelegter Probepredigt zum Predigtamt tüchtig befunden und durch dreier Prediger aufgelegte Hände in derPredigerkirche eingeſegnet worden. Solches Amt hat er bis den 29. Mai 1689 nach Vermögen verwaltet und ſonderlich an dem Pfingſtmontag 1689 die letzte Predigt, worinnen er ein Decret des bevorſte henden Brandes verleſen, in der Predigerkirche unter denen bitterſten Thränen und Jammergeſchrei der höchſt bedrängten Gemeinde gehalten, worauf er nebſt andern der zum Feuer höchſt unſchuldiger Weiſe verdammten Stadt den Rücken müſſen kehren und mit Leib⸗ und Lebensgefahr den 31. ged. Monats(Pfingſtdienſtag) ſich über den Rheinſtrom nach Lampert⸗ heim begeben, allwo er gegen Abend den entſetzlichen Mordbrand mit betrübten Augen und geängſtetem Herzen mußte anſehen und fühlen, anbei ſich die Rechnung machen, daß er von ſeinen ſchönen Büchern, vielen geſchriebenen Merkwürdigkeiten, herrlichen Weinen, bequemem Haus und Hausrath ꝛc. nichts mehr würde zu ſehen bekommen. Am 27. Oct. 1689, als er zu Lampertheim eine gefähr⸗ liche Krankheit überſtanden, iſt er mit dem Bürgermeiſter Gloxin in Holland verreiſet, um etwas für die verunglückte Stadt zu ſammeln. Von dannen kam er nebſt Herrn Gloxin am 3. Mai 1690 zu Frankfurt wieder an und überbrachte der dahin geflüchteten Obrigkeit die geſammelten Gelder, 354 Gulden, mit deren Zufriedenheit. Darnach ging er wiederum zurück zu ſeinen geliebten Wormſern,

*) Dr. Georg Lange citirt in ſeiner Geſchichte von Worms(S. 172) folgendes Schriftchen über Schild, das wir bis jetzt nicht auftreiben konnten:Erneuertes Andenken des Herrn J. P. Schild, evang.⸗luth. Predigers in Worms zur Zeit des unglücklichen Brandes. Eine Einladung auf das Oſterexamen 1779; von G. P. Herwig, Rector des Gymnaſiums.