Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Viſitatoren und Rectoren 16081689. 121

zu Marienthal. Welche Geiſtlichen nach M. Schmidt Viſitatoren des Gymnaſiums waren, iſt nicht überliefert. Man wird nicht irren, wenn man annimmt, daß der Mühe dieſes Amts die folgenden Senioren des geiſtlichen Miniſteriums ſich unterzogen. Zunächſt war wohl 16661669 M. Heinrich Schröder Viſitator, der Rector in Lauterbach, dann 1650 1663 Rector des Pädagogiums in Darmſtadt geweſen, als Ministerii Senior am 21. Oct. 1669, von der Bürger⸗ ſchaft hochgeehrt, durch ein Fleckenfieber ſtarb. Ihm folgte als Viſitator Matthias Meigener 16691678. An deſſen Stelle trat wieder ein Rector des Pädagogiums zu Darmſtadt, M. Johann Georg Petri. Derſelbe war vom 1. März 1670 bis 8. März 1680 Pfarrer zu Worms, 1678 1680 Ministerii Senior und wohl auch Viſitator. Er wurde Pfarrer zu Heidelberg. Der letzte Viſitator vor der Einäſcherung der Stadt war 16801689 der Senior des geiſtlichen Miniſteriums M. Johann Chriſtoph Beyer aus Ulm. Nachdem derſelbe acht Jahre Hochfürſtlich Baden⸗Durlachiſcher Hofprediger geweſen, wurde er 1671 auf Anſuchen der Reichs⸗ ſtadt Worms als vierter Prediger überlaſſen, ſtieg in ſeinem geiſtlichen Amte von einer Stufe zur andern bis zum Seniorat, erlebte aber nicht die Zerſtörung der Stadt, ſondern ſtarb vier Wochen vor derſelben am 3. Mai 1689, 54 Jahre alt.(Vgl. Muhl's Geſch. der Wormſ. Predig. im Wormſ. Gymnaſ.⸗Progr. von Oſtern 1786, S. 10 u. 11; und die Predigergeſchichte in der Chron. der Wormſ. Gymn. ⸗Bibl. Fol. 421 a. u. b.)

Rectoren und Lehrer des lutheriſchen Gymnaſiums von 16081689.

Im Folgenden mögen die jedenfalls unvollſtändigen Namen der Rectoren und Lehrer zu⸗ ſammengeſtellt werden, die faſt alle in den Kirchenbüchern der lutheriſchen Kirchengemeinde zu Worms verzeichnet ſind.*) Die zu den Namen geſetzten Jahreszahlen geben nur an, in welchen Jahren die Protocolle die Namen erwähnen: die genannten Lehrer können alſo auch ſchon früher oder noch ſpäter als in den angegebenen Jahren eine Stelle am Gymnaſium bekleidet haben.

Als Rectoren des 17. Jahrhunderts ſind nach dem Tode des Rectors M. Friedrich Zorn verzeichnet: M. David Waſius(1611), der vorher, ſeit 1608, Conrector an dem Gym⸗ naſium geweſen war; M. Chriſtian Martinus(1618, 1620, 1632); M. Jacob Daniel Fabricius(1625); M. Caspar Ebeling(1626); M. Johannes Güthe⸗ räus(1630); M. Johannes Philipp Palthenius(1631); M. Johannes Georgius Swalbacius(1637);*) M. Henricus Leusler(c. 1676);**) M. Jo⸗ hann Hartmann Misler(1679, 1681); M. Martin Michaelis(16841689.)

Das Rathsprotokoll vom 20. Jan. 1616 ſagt aus, daß dem damaligen Rector als Gehalt 300 Gulden angeboten wurden. Nach dem Protokoll vom 26. März desſelben Jahrs wurde decretirt, daß der Rector die Schule von Lichtmeß bis Michaeli täglich in vier, die übrige Zeit aber in drei Stunden laboriren laſſen ſolle. Laut Protokoll vom 28. Jan. 1628 wurden dem Rector M. Chriſtian Martini als Gehalt dreihundert Gulden, und zwar zweihundert Gulden

*) Die Collegen Dr. Horix und Friedrich Becker unterzogen ſich im Sommer 1879 der Mühe, einen Theil der nachfolgenden Namen der im 17. Jahrhundert an dem Gymnaſium wirkenden Lehrer in den Tauf⸗, Copulations⸗ und Sterbe⸗Protocollen der lutheriſchen Kirchengemeinde aufzuſuchen.

**) In den hier gegebenen Verzeichniſſen tritt für die vierziger bis ſechziger Jahre des 17. Jahr⸗ hunderts eine Lücke ein, weil das Taufprotocollbuch der gedachten Jahrzehnte verloren gegangen iſt.

***) Daß Leusler 1676 Rector geweſen, ſchließen wir aus dem in unſerem Beſitz befindlichen Buch des Wormſer Pfarrers Sigismund Gerlach, welches betitelt iſt;Suspiria sancta ꝛc. und auf deſſen Titelblatt Leusler

folgende Worte eingeſchrieben: Henricus Leusler Scholae Patriae Rector Anno 1676. 16