120 Gymnaſialviſitatoren des 17. Jahrhunderts.
Scholarchen und Viſitatoren des lutheriſchen Gymnaſiums zu Worms⸗ im 17. Jahrhundert.
Als Scholarchen fungirten jeweilig einige Mitglieder des Raths, denen in der Regel ein früherer Städtmeiſter präſidirte, meiſt viele Jahre, da der Director des Scholarchats für ſein Amt einer reichen Erfahrung bedurfte. Der erſte, welcher uns als Scholarch genannt wird, iſt der Sohn des Rectors Friedrich Zorn, M. Philipp Chriſtoph Zorn, der im Jahre 1597 ſeinem Vater in der Prima als Gehülfe beigegeben worden(ſ. oben S. 80), im Jahre 1622 Mitglied des Drei⸗ zehnercollegiums und ſpäter auch Städtmeiſter wurde. Vgl. hierüber die oben(S. 98, Anm.) mit⸗ getheilte Notiz des Gymnaſialviſitators Sigismund Gerlach.
Da die Viſitatoren des reichsſtädtiſchen Gymnaſiums, ſämmtlich lutheriſche Pfarrer zu Worms als Mitglieder des Scholarchats, die das Recht beſaßen, zu jeder Zeit in die Angelegenheiten des Gymnaſiums einzugreifen, ſtets einen großen Einfluß auf dieſe Schule ausübten, ſo mögen die überlieferten Nachrichten über das Leben und die Perſönlichkeiten derſelben, auch ſoweit dieſelben ſich nicht aus den Scholarchatsacten ergeben, an geeigneter Stelle mitgetheilt werden. Aus dem erſten Jahrhundert der Geſchichte des Gymnaſiums wird uns kein Name eines geiſtlichen Gymnaſial⸗ viſitators genannt; und es iſt ſehr wahrſcheinlich, daß dem Rector M. Friedrich Zorn kein Viſitator zur Seite ſtand, daß vielmehr der bedeutende Mann, der ſelbſt dem Magiſtrat zu Worms in vielen wichtigen Dingen ein vortrefflicher Berather war, unmittelbar mit dem Scholarchat und Rath die lateiniſche Schule verwaltete. Dieſes Verhältniß war gewiß das geſundeſte.
Als Viſitatoren des Gymnaſiums werden ſpäter aus der Zeit vor der Einäſcherung der Stadt vier Geiſtliche beſtimmt genannt, zwei andere können vielleicht als ſolche vermuthet werden. Sigismund Gerlach(Suspiria Sancta ꝛc., S. 224) nennt als Gymnaſialviſitator den Pfarrer M. Wenzel, von dem er ſchreibt:„Herr M. Michael Wencelius auf die 24 Jahr Pfarrherr vnd endlich visitator ac senior. Compater et collega fidissimus. Dieſer iſt geboren zu Hagenaw im Jahr Chriſti 1586 den 25. Tag May zwiſchen 12 und 1 Uhr. Sein Vatter war weyland Michael Wencelius Stattkiefer zu Hagenaw. Kombt nacher Worms anno 1616, als er durch drey Schreiben vociret worden; anno 1625 wird er deß GCymnasii visitator, welches officium er dann mit großem Lob verſehen.“ Seine Probepredigt hatte er im Jahr 1616 in der St. Magnuskirche gehalten.— Er ſtarb 1640.—
Nach Wenzel ſcheint Sigismund Gerlach Gymnaſialviſitator geworden zu ſein; denn derſelbe nennt ſich auf dem Titelblatte ſeines im Jahr 1647 erſchienenen Buchs: Suspiria Sancta ete. ausdrücklich Gymnasii visitator. Derſelbe war aus Speier gebürtig und zu Bechtolsheim, eine Zeit lang Prediger geweſen; hat am 1. Mai 1635 in der Kirche zu St. Magnus ſeine Probe⸗ predigt mit Ruhm abgelegt und iſt an die Stelle des zu Worms geborenen Johann Georg Hotzel lic. theol. getreten, der nach dreijähriger Wirkſamkeit an der Peſt geſtorben war.
In Muhls Geſchichte der Wormſer Prediger(Chron. der Wormſ. Gymn.⸗Bibl., Fol. 420) wird erzählt, Gerlach ſei 1662 geſtorben. Nach Gerlach wurde Gymnaſialviſitator M. Georg. Schmidt, aus Augsburg gebürtig, und früher Pfarrer in dem Rheingräflichen Orte Grumbach. Er wirkte von Auguſt 1641 in Worms 25 Jahre mit großem Segen und erprobter Rechtſchaffen⸗ heit als Geiſtlicher, ward Miniſterii Senior und Gymnaſialviſitator. Im Jahre 1666, als die Peſt in Worms graſſirte, wurde er nebſt ſeiner Ehegattin, einem Sohn und einer Tochter am 18. September ein Opfer der wüthenden Seuche. Einer von ſeinen gelehrten Söhnen war Dr. Joh. Andreas Schmidt, ordentlicher Profeſſor der Theologie und Kirchengeſchichte zu Helmſtädt und Abt


