Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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118 Streit des Kaiſers Ferdinand II. und des Papſtes Urban VIII. um das Gymnaſialgebäude 1630 1632.

Guſtav Adolph auch dem gefährdeten Gymnaſium zu Worms als ein Helfer in der Noth und bie Erfolge der ſchwediſchen Waffen ſicherten demſelben ſein wohl erworbenes Schulhaus.

Da aber die wenigen Angaben, die Lehmann in der oben erwähntenGeſchichte der Klöſter in und bei Worms über den Streit der Barfüßer um das Gebäude des lutheriſchen Gymnaſiums macht, mit den von uns hier benutzten Urkunden ziemlich genau übereinſtimmen, ſo dürfen wir annehmen, daß auch folgende Nachrichten Lehmanns über den Ausgang dieſes Streits, den wir nicht durch Vorführung der Urkunden ſelbſt darzuſtellen vermögen, wahrheitsgetreu aus den Quellen geſchöpft ſei.*)Die Wormſer erwiederten den Conventualen, wie Lehmann erzählt, am 27. Februar 1629 alſo acht Tage vor dem Erlaß des verhängnißvollen Reſtitutionsedicts Ferdinands II. vom 6. März 1629 mit Feſtigkeit, ſie ſeien nicht geſonnen, die Gebäude herauszugeben, weder ihnen, noch den Obſervanten. Während dem wurde zur Schlichtung dieſer Angelegenheit eine beſondere kaiſerliche Commiſſion niedergeſetzt, an welche ſich der Provinzial der Conventualen, am 29. Mai 1629, ſogleich und dringend ſchriftlich wandte; aber auch dieſe Commiſſion konnte das erwünſchte Ziel nicht erlangen; daher der genannte Provinzial, am 22. December deſſelben Jahres, nochmals in einer Bittſchrift den Kaiſer um Hülfe anſprach. Endlich legte ſich der Papſt Urban VIII. ins Mittel und entſchied, dem Kaiſer entgegen, welcher ſich unberufen in dieſen Streit gemiſcht hatte, durch ein Breve vom 25. Februar 1630 zu Gunſten der Conventualen, welchen die Obſervanten auf eine nichtswürdige Weiſe das Kloſter zu entreißen geſucht hätten. Das ſonderbare und lächerliche bei dieſer ganzen Geſchichte iſt, daß noch keine der beiden uneinigen Partieen bisher im Beſitz und Genuß des ſtreitigen Gegenſtands geweſen war. Zugleich wurde der Biſchof von Worms durch den Papſt als Commiſſarius in dieſer An⸗ gelegenheit aufgeſtellt und dies dem Provinzial der Conventualen am 14. Sept. 1630 durch den Dominikaner Guardian Marcus von Speier angekündigt. Der genannte Biſchof forderte letzteren, welchem ſein Provinzial die Verhandlungen dieſes Geſchäftes aufgetragen hatte, am 14. Dezember deſſelben Jahres auf, mit ſeinen Beweisſchriften zu erſcheinen. Am 2. Jan. 1631 wandte ſich der Guardian von Speier nebſt ſeinem ganzen Convente mit einer Bittſchrift an den Biſchof in Worms und erſuchte denſelben um ſeine Verwendung für ſeine Partie; ja noch im Jahre 1632. wurde in dieſer Sache unterhandelt, und der Himmel weiß, bis wann dieſe ärgerliche und hart⸗ näckige Geſchichte zu Ende gekommen wäre, wenn nicht die ſiegreichen ſchwediſchen Waffen alle ferneren Verhandlungen abgeſchnitten hätten. Sohnane⸗ Geſch. der Klöſter in und bei Worms, im Archiv für heſſ. Geſch. ꝛc., Band II, Heft XVII. S. 321. 322.) So retteten, als Kaiſer Ferdinand Il. und Papſt Urban VIII. um das reichsſtädtiſche Gym⸗ naſium zu Worms in Streit gerathen, die Schweden allein ſeine Gebäulichkeiten, nach denen Barfüßer, Jeſuiten, Dominikaner, Kapuziner lüſtern geweſen. Im Dezember 1631 rückten die Schweden in Worms ein.

6. Einige Notizen über das Lehrerperſonal und die Einrichtung des lutheriſchen Gymnaſiums zu Worms in der Zeit von 1608 1689.

Für die Zeit von 16081689 beſchränken ſich nach dem Ergebniß unſerer ſeitherigen Nach⸗ forſchungen die Nachrichten über das reichsſtädtiſche Gymnaſium zu Worms auf nicht viel mehr,

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*) Vielleicht iſt ein Specialiſt, der in ſolchen Dingen zu Haus iſt, leicht im Stande, die oben gedachten⸗ Quellen ausfindig zu machen.