Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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114. Schreiben des Conventualen Fr. Bonaventura Marius an die Stadt 1628.

unßer in dero Reichs Stadt gehabtes Barfüßer Kloſter oder deßen Platz weder ob⸗ angeregten Patribus de observantia, noch einigen anderen, wer der auch ſeyn mögte, ſo dieſer orthen nicht zu praetendiren oder zu ſuchen, auf allen Fall der restitution einzuräumen, ſondern vielmehr gegen vnß, als denen es von Gottſeeligen Stifftern anfangs der fundation gemeint worden, nach vnßerem Anſuchen geneigt vnd gewogen ſich erzeigen, im übrigen aber würde ſich vnßer Orden gebührender Orthen wißen vnd ſchuldig ſein zu beklagen. Will mich aber bey dero E. E. vnd G. G. nach wenig Wochen(geliebts Gott) ſelbſt perſöhnlich praesentiren vnd vnßer causam der Gebühr nach neben völliger information bei denenſelben prosequiren, alßdann von denſelben gn. Audientz vnd günſtige Antwort verhoffen, C. E. v. G. G. göttlicher getreu Obhalt, mich aber vnd den h. Orden in dero faveur vnd Gunſt demüthig wohl empfehlendt. Dat. Vil- lingen ad S. crucem in conventu nostro d. 13ten Nov. anno 1628.*) E. E. G. G. demüthiger Diener gez.: Frat. Joannes Ludovicus a Musis S. Theol. D. ord. minorum Convent. provinciae Argent. Superioris Aleman. minister provincialis.

(Vgl. Fol. 10. 11. der Urkundenabſchriften.)

Das folgende Schreiben iſt früheren Datums als das vorhergehende und dürfte von Bona⸗ ventura Marius an Ludovicus a Muſis abgegeben und von dieſem als Beilage zu dem vorſtehenden Schreiben an den Magiſtrat der Stadt Worms geſchickt worden ſein.

6.Copia Schreibens an die Stadt Worms von F. Bonaventura Mario Franciscano Commissario.

Edle, Ehrenveſte, Hochgelährte ꝛc. Nachdem meine vorgeſetzte Obrigkeit glaublich in Er⸗ fahrung bracht, auch von den Patribus observanten ac. ſelbſten vernommen, wie daß ermelte obser⸗ vantes allerhand Mittel vnd Weg ſuchen, das in Euer Stadt gelegene Barfüßer Kloſter vnß unwißend unter ſich zu bringen, doch aber benebent erinnert, daß ſolch Gottes Hauß der Barfüßer vnß(ſo nit reformirte Conventuales genent werden) je vnd allzeit zugehörig geweßen vnd weiß nicht durch was vermeinten contract(den man dißeits auff ſeinem werth vnd Unwerth noch der Zeit beruhen läſt) von weiland vnſerem geweſenen P. Provinc. Bartholomaeo Hermann, der in Vnſerem Gottes Hauß vnd Kloſter zu Hagenau begraben ligt, denen Herrn der Stadt vor dieſem überlaßen worden ſeyn ſoll. Alß hat vnßerem Seraphiſchen Orden vielmehr obliegen vnd gebühren wollen, ſich ſolches Vnßeres Gottes Haußes vnd Barfüßer Cloſters zu Worms, ſo unß Conven- tualen erbaut worden, der Gebühr wieder anzunehmen; derowegen in virtute salutaris obedientiae per R. patrem vicarium dieſer vnßer durch das oberteutſche Straßburgiſchen provintz, Fr. Joann. Angelium Kneiff**) S. Th. Doctorem, alß unſer ordentliche Obrigkeit der Zeit, mir ſolches macht zu nehmen ernſtlich befohlen worden: alß hab ich ſchuldig gehorſam E. E. v. G. G. ſolches ſchrifftlich anzufügen nit unterlaßen ſollen, mit dem dienſtfreundlichen erſuchen, obgedacht vnßer Barfüßer Kloſter vnd Gottes Hauß zu Wormbs weder den F. F. Observanten oder einigen anderen Orden, wer der auch ſeye(ohne vnßer Vorwißen vnd einwilligen nit) ſondern vielmehr vnß, als den erſten

*) In obiger Copie ſteht in Folge eines Schreibfehlers ſtatt 1628 unrichtig 1625. Nach der Angabe der Chronik unſrer Gymnaſialbibliothek trägt obiges Schreiben das Datum des 19. Nov. 1628.(Vgl. oben S. 65.) **) So iſt deutlich in dem Manuſcript des Wormſer Archivs geſchrieben. Dagegen ſchreibt Pfarrer Lehmann aus Kerzenheim in ſeinerUrkundlichen Geſchichte der Klöſter in u. bei Worms(Archiv für heſſ. Geſchichte u. Alter⸗ thumskunde, Bd. II., Heft XVII.(erſchien 1840) S. 320:Gugolinus Kneif. Ausdieſer Differenz iſt erſichtlich, daß Lehmann aus anderen Manuſcripten geſchöpft, als wir. Leider hat er nicht angegeben, wo ſich dieſelben befinden.