110 Barfüßer Fr. Rheinfeld verlangt das Gymnaſialgebäude für den Ordenszweig der Obſervanten 1627.
Conventualen, da das Gymnaſialgebäude einſt ein Kloſter ihres Ordenszweiges geweſen und von dem Provinzial der Conventualen Bartholomäus Hermann an die Stadt Worms abgetreten worden ſei, ſo ſei es natürlich, daß das Gymnaſialgebäude ihnen und nicht den Obſervanten oder einem anderen Orden ausgeliefert werde. So erhoben im Namen ihres Ordenszweiges Bonaventura Marius, Commiſſarius des Ordens, am 25. Oct. 1628, und Johannes Ludovicus a Musis, ein oberdeutſcher Provinzial der Conventualen, am 13. oder 19. Nov. 1628 Anſpruch auf das alte Franziskanerkloſter.
Der Magiſtrat der Stadt Worms trug nun einerſeits dem Kaiſer Ferdinand II. den Streit⸗ fall vor, indem er ihm insbeſondere die Urkunden über den im Jahre 1539 in richtiger Form erfolgten Ankauf des fraglichen Franziskanerkloſters, die 1541 ausgeſtellte Quittung des Provinzials der Conventualen Bartholomäus Hermann, ſowie die Genehmigungen dieſes Verkaufs durch Papſt Paul III. und Kaiſer Karl V. vorlegte. Gleichzeitig wandte ſich der Magiſtrat an das Kammer⸗ gericht mit einer Klage gegen den oben genannten Franziskaner der ſtrengeren Regel Fr. Theodor Rheinfeld. Die Stadt gab das Gebäude niemals heraus. G. J. Wagner(Geiſtl. Stifte im Großh. Heſſen, B. 2, S. 213) ſchreibt in Uebereinſtimmung mit Lehmann*), Kaiſer und Papſt hätten ſich des angedeuteten Streites der Obſervanten und Conventualen nicht nur angenommen, ſondern ſeien auch noch ſelbſt mit einander in Streit gerathen; noch im Jahre 1632 ſei unterhandelt worden, bis endlich die Erfolge der Schwediſchen Waffen alle fernere Verhandlungen abgeſchnitten hätten. Die Urkunden oder Berichte, aus denen Lehmann dieſe Mittheilung geſchöpft, ſind uns nicht zu Geſicht gekommen; aber nach der Stellung, die Papſt Urban VIII. gegen Ferdinand II. einnahm, erſcheint dieſelbe ſehr glaublich(L. von Ranke, die römiſchen Päpſte, B. 2, S. 351—370).
Um die Urkunden über den gedachten Streit, die ſich im Wormſer Archiv in Copien befinden, zugänglich zu machen und für die Daner zu erhalten, mag hier ein Auszug aus denſelben eine Stelle finden. Intereſſant iſt auch die verhältnißmäßig artige Form, in der die Barfüßermönche die Reichsſtadt und ihr Gymnaſium um ihr Eigenthum zu bringen ſuchten.**)
1.„Fratris Theodori Rheinfeldts Barfüßer Münchß Schreiben an die Stadt Wormbs, umb ſeinem Orden das Cloſter daſelbſt wieder einzuräumen sub dato d. 21. Juni 1627“.
*) Lehmann, Geſch. d. Klöſt. in u. bei Worms, im Arch. f. heſſ. Geſch. ꝛc., B. II. Heft 17, S. 321, 322.
**) In den im Wormſer Archiy befindlichen Extractus protocollares antiqui(hintere Hälfte, Fol. 235) ſind die Protocolle und Tage der Verhandlungen des Magiſtrats über die von den Franziskanern, Kapucinern und⸗ Dominikanern begehrte Reſtitution des ſtädtiſchen Gymnaſialgebäudes verzeichnet. Da die große Anzahl der Be⸗ rathungen beweiſt, daß die Beſtrebungen der gedachten Orden ſehr ernſt gemeint waren, ſo mögen hier die Zeit⸗ angaben der gedachten Protocolle eine Stelle finden.„Baarfüßer Cloſter modo Lateiniſche Schuhl allhier: 1) Frater Theodorus Rheinfeld begehrt die Lateiniſche Schuhl denen Catholiſchen einzuräumen, vid. Prot. S. C. 15. Jun. 1627“.(Rheinfelds Schreiben trägt das Datum 21. Juni 1627).—„2) Deren restitution wird urgirt, P. XIII. 26. Mart. 1628, vid. 27. Mart. 1628 P. S. C. et 28. Mart. eod. ib.“(Des Alexius Schreiben datirt vom 7. April 1628.)—„3) vid. P. XIII. 9. Maii 1628, vid. 5. Dec. Anno 1628. P. XIII.“(Kaiſer Ferdinands II. Reſtitutionsbefehl geſchrieben am 3. Aug. 1628.)—„4) vid. Prot S. C. 22. apr., eod, 6. Maii eod. ibid.“— „5) vid. P. S. C. 11. Nov. 1628, 18. Nov. ib.; vid. 26. Nov. Anno eod.; ibidem vid. 3. Dec. eod. et ibid. vid. 10. Dec, 12. Dec., 16. Dec., 23. Jan. 1629. P. S. C. vid. 20. Febr. 1629. P. XIII.“(Pgl. die Schreiben des Bonaventura Marius vom 25. Oct. 1628 und des Ludovicus a Musis vom 19. Nov. 1628.)—„6) Deſſen restitutio wird geſucht per Capucinos. vid. 26. Mart. 1628, 9. Maii dicti anni, item 5. Dec. d. a.“—„7) Deſſen restitutio wirt item a Dominicanis geſucht u. begehret, vid. deliberationem hujus rei 15. Juni 1627. S. C. et 18. Mart. 1628 d. prot. S. C., it. 22. dito. 26. Maii, it. 11. Nov., 9. dito, 12. dito, 26. dito; it. 16.—„8) Beſagte restitutio urgirt 23. Jan. 1629. S. C. et XIII.“


