Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Bedrängniß des luth. Gymnaſiums zu Worms im dreißigjährigen Kriege 16271631. 109

hauß über, wo mann vor ſie ein Zimmer accordirt, u. ſie daſelbſt, nebſt ihren angehörigen und etwaigen Amtsgenoſen tractirt; dieſes Eſſen wird mit der Herren ihrem zuſammen bedungen. Wann es nun gegen Abend geht und circa 8 Uhr geſchlagen, ſo ſammlen die praeceptores ihre Jugend wieder vor der Herrn Zelt. Da fangen ſie an zu ſingen: Alle Welt was ec. und gehen 3 mal um die Hütte, endlich eintzeln durch die Zelt, wo ſie am Ende derſelben von 2 daſelbſt ſtehenden Schützen jeder einen Palmen oder Mayen in die Hände ausgetheilt bekommen. Wann ſie ſodann in die Stadt ſingend gekommen, ſo theilen ſich an gehörigen Platz die Schulen, jede geht in ihr Schulhaus, oder vielmehr auf einen nicht weit davon entfernten freien Platz, wo ſie unter freiem Himmel Gott vor dieſes Vergnügen danken, das Lied: Nun danket ac. ſingen und das letzte Gebät: Wir danken Dir ac. bäten, welches letztere kniend geſchicht. Darauf werden ſie dimittirt, u. dieſer Tag ruhig u. glückſeelich beſchloßen.

5. Bedrängniß des lutheriſchen Gymnaſiums zu Worms im dreißigjährigen Rriege.

Wie nach dem Augsburger Interim(ſ. oben S. 58 61) der Barfüßermönch Heinrich Stoll⸗ eiſen am 3. April 1549(ſ. oben S. 6970) das von der Stadt in richtiger Form erkaufte Barfüßerkloſter oder Gymnaſialgebäude herausforderte, aber nicht erhielt, ſo wurde zur Zeit des dreißigjährigen Krieges von katholiſcher Seite vergeblich verſucht, dem lutheriſchen Gymnaſium zu Worms die durch die Stadt dem Franziskanerorden abgekauften und ausgebauten Schulgebäude zu entziehen. Dies geſchah in den Jahren 16271631. Schon nach der Beſetzung der Pfalz durch den Spanier Spinola (1620) und durch Tilly, den Feldherrn der katholiſchen Liga, mußten die Proteſtanten empfinden, wie Kaiſer Ferdinand II. beabſichtigte, die Schöpfungen der Reformation zu vernichten und nach den Plänen der Jeſuiten die Einheit der Kirche wiederherzuſtellen. Als aber auch im Norden Deutſchlands die Vorkämpfer des Proteſtantismus durch Tilly und Wallenſtein überwunden waren, als Ernſt von Mansfeld bei Deſſau von Wallenſtein geſchlagen und Chriſtian IV. von Dänemark von Tilly bei Lutter am Barenberg beſiegt worden war(1626) und ganz Nieder⸗ deutſchlaud, ebenſo wie Böhmen, Schleſien und die Länder der proteſtantiſchen Union, von der Ueber⸗ macht des Kaiſers und der katholiſchen Liga ſchwer getroffen war: erſtrebten Maximilian von Baiern, die Liga und die Jeſuiten die Reſtitution der ſeit der Einführung der Reformation ſäculariſirten katholiſchen Stifte und die Zurückforderung aller eingezogenen geiſtlichen Güter. Ob⸗ wohl Wallenſtein die Durchführung dieſes Planes widerrieth, der geradezu auf die Vernichtung des deutſchen Proteſtantismus abzielte, erließ Kaiſer Ferdinand II. am 6. März 1629 das Reſtitutionsedict, neuer, furchtbarer Kämpfe verhängnißvolle Ausſaat.

Schon vor dem Erlaß dieſes Edicts mußte ſich der Magiſtrat der Stadt Worms an Kaiſer Ferdinand II. und an das Kammergericht wenden, um ſeinem Gymnaſium das Schulgebäude zu erhalten, welches die beiden Zweige des Franziskaner⸗Ordens, ſowohl die ſtrengeren Obſervanten, als auch die milderen Conventualen, in den Jahren 1627 und 1628 von der Stadt zurückverlangt hatten. Aber auch die Kapuziner und die Dominikaner begehrten von dem Rath die Reſtitution des Gymnaſial gebäudes, wie ſchon früher die Jeſuiten den ſog. Barfüßerplatz bei dem Gymnaſium ſich aneignen wollten. (S. unten die Geſchichte der Wormſer Jeſuiten.) Die damalige Action des Franziskanerordens, welche die Reſtitution des Gymnaſialgebäudes an denſelben anſtrebte, ging von den Franziskanern der ſtrengeren Ordensregel, den Obſervanten, aus und wurde von den Ordensbrüdern Theodor Rheinfeld(Juni 1627) und deſſen Nachfolger Alexius(April 1628) betrieben. Die Stadt weigerte ſich natürlich, das Gebäude herauszugeben. Kaiſer Ferdinand II. gebot am 3. Auguſt 1628 die Rückgabe desſelben. Nun aber dachten die Franziskaner der milderen Regel, dienit reformirten