Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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108 Feier des Volks⸗ u. Jugendfeſtes, meiſt auf der Rhein⸗ oder Kieſelswieſe.

iſt. Die Lateiner ſingen beim Ausgang: 1. veni creatorspiritus. 2. Geh aus mein Hertz. 3. Wunderbarer König. 4. Alle Welt ec.; beim Hereinzug: 1. Herr Gott du biſt von Ewigkeit. 2. serva deus verbum. 3. Nun lob mein Seel den Herrn. Dabei iſt zu merken, wann ſie hinaus gekommen, ſchlüßen ſie einen Kreiß vor der Hütte, und der ältſte von secunda betet in der Mitte das Gebät: Gott Vater, Sohn u. heil. Geiſt ꝛc. Nachgehends geht einer um eins processionsweiß, das 4te Lied ſingend, durch die Hütte, wo ſie die Gaben vom reg. Städtmeiſter und Senior, oder auch dem Bauherrn bekommen, und ſofort wird ihnen von einem jeden ihrer Classe praeceptor unter ſich eine Vermahnung ge geben, und ſie bis auf den Abend dimittirt. Die praeceptores ſpeiſen inzwiſchen in der Hütte, doch iſt hierbei nicht der gantze Magistrat, wie den 2ten Tag, invitirt, ſondern es ſind nur die oben gemelden Herrn Deputati, die jedoch die Macht haben, dieſen oder jenen von den übrigen Herrn XIIIr vor ſich beizuladen, da dann der reg. Hr. Städtmeiſter ſeinen Hrn. Burgermeiſter, die Hrn. consulenten ec. invitirt. Bei dem Nachtiſche wird dann die oration gehalten, wogegen ſich der reg. Städtmeiſter nomine magistratus bedankt. Bei dem coffée wird die cantate vom Hrn. cantore aufgeführt(die gemeiniglich in 3 arien und 2 recitativen beſteht), nach dieſem vertheilen ſich die Herrn auſerhalb der Zelt mit promenaden und ſehen ihre glückwünſchende Burgerſchaft. Wann der Tag kühle u. es Abend wird, ſo ſammlet ſich alles wieder: u. während dem daß die Herrn zu abendſpeißen, gehen die Schüler, das 1te Lied, Herr Gott du biſt ec., ſingend, 3 mal um die Zelt u. zuletzt eintzeln durch, wo ſie ſich gleich auſer der Zelte wieder rangiren u. alſo nach der Classe ziehen. Daſelbſt ſammlen ſie ſich in einer derer Schulen, ſingen das Lied: Nun danket alle Gott ec. und bäten das letzte Gebäth: Wir danken dir nc., worauf der 1te Tag mit denen Lateiner beſchloſen wird. Es iſt hiebei nicht zu vergeßen, daß ein jeder Schüler beim Austritt aus der Zelt von dem Schützen eine May bekommt. Der 2te Tag mit denen teutſchen[Schülern] iſt jederzeit wegen der Anzahl der Jugend u. ihrer dabei gegenwärtigen Eltern ungleich volkreicher u. angenehmer. Nachdem die ſelbe ſich alſo um 8 Uhr, jedes in ſeiner Schule, verſammlet, wo ſie aufgeſchrieben werden, ſo hält der praeceptor eine Vermahnung an ſie; darauf geht um 9 Uhr morgens die teutſche Stadtſchul aus, hinter welche ſich die folgende teutſche Schulen anſchlüßen, welches eine ungemein ſtarke procession macht. Die teutſchen Schüler ſingen im Hinauszug: 1. Gott du Stifter ꝛc. 2. Ey ſo gebt Gott alle⸗ zeit ꝛc. 3. Nun preiſet ꝛc. 4. Kommet laßt ꝛc. 5. Ihr geſchmückte ꝛc.; im Hereinzug: 1. Alle Welt was laſet uns ꝛc. 2. Nun lob mein nc. 3. Nun danket alle Gott ꝛc. 4. Nun danket all und bringt Ehr. Wann ſie alſo hinaus auf die Wieſe kommen, ſchlüßen ſie gleichfalls vor der Herrn Hütte einen Kreiß, eine jede Schule beſonders für ſich, aber eine jede nahe an dem Herrn⸗ Zelt, das ringsum frey iſt. Da wird von einem in der mitt ſtehenden Schüler obiges Gebäth(Gott Vater, Sohn u. heilger Geiſt) während dem ſich die gantze kleine Gemeinde auf die Knie niederwürft, laut gebätet; darauf gehen die Mägdger und dann die Knaben eintzeln durch die Hütte, wo ſie beim Ausgang von obig gemelten Herrn ihre Gaben empfangen. Sofort wird ihnen von ihren praeceptoren eine kleine Vermahnung gegeben, und ein jedes begibt ſich zu denen ſeinigen. Während dem nun alles auf der grünen Wieſe von Menſchen wallet, wo theils die⸗ ſelben mit Spatziergängen ſich vergnügen, theils andre ſich unter den ſchattigten Bäumen zur Mittags⸗ Mahlzeit lagern, wiedrum die Kinder ſich hier und da unſchuldig luſtig vergnügen, ſo ſpeißen die Herrn in ihrer grünen anmuthigen Laube, wobei die Stadt⸗musicanten ihre ſchuldige musique machen, die teutſche praeceptores aber eßen gemeiniglich apparte, u. in dem Hauße beim Lager⸗