Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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104 Höchſte Blüte und Untergang des Gymnaſiums zu Neuhauſen.

naſium zu Worms, das von pfälziſchen Landestheilen umgeben war, ſeit der ſegensreichen Regierung Johann Kaſimirs weniger Zöglinge aus der Nachbarſchaft erhielt und deshalb hinſichtlich der Zahl ſeiner Klaſſen abnahm.(Vgl. Häuſſer, Geſch. der Rhein. Pfalz, B. 2, S. 164).

Noch glücklichere Jahre ſcheint die Nenhauſener Fürſtenſchule während der Regierung des Kurfürſten Friedrichs IV.(15921610) erlebt zu haben. Derſelbe wirkte im Geiſte ſeines Großvaters Friedrichs III., und es iſt ſehr bekannt, zu wie hoher Blüte er die Univerſität Heidel⸗ berg brachte.Die kurfürſtliche Bibliothek war Europas glänzendſter Bücherſchatz, den Gruters⸗ Freundlichkeit allen nützlich machte und der auf allgemeine Verbreitung wiſſenſchaftlicher Thätigkeit unendlich vielen Einfluß geübt hat, während er jetzt zum Theil unverſtanden und unbenutzt in den ſtaubigen Schränken des Vaticans begraben liegt. Damals zogen Hunderte nach Heidelberg, der herrlichen Bibliothek zu Liebe; der berühmte Salmaſius ſtahl ſich heimlich nach dem ketzeriſchen Neſte, wo die koſtbaren Bücherſchätze waren. Die Vorſchulen der Univerſität, das Heidelberger Sapienz⸗ colleg, das Heidelberger und das Neuhauſer Gymnaſium beſtanden in Blüte; die tüchtigſten Lehrer der Univerſität haben ſich zum Theil an dieſen Anſtalten zuerſt eingeübt. In Allem war ein ſelbſtſtändiger Trieb, eine innere Freude und Theilnahme zu bemerken, wie nur ächtes wiſſenſchaftliches Leben ſie hervorruft. Wer mochte ahnen, daß ſchon nach zwei Jahrzehnten alle dieſe ſtolzen Pflanzſtätten deutſcher Wiſſenſchaft in Schutt und Trümmern liegen, die geiſtigen Hülfsmittel theils brutaler Zerſtörung, theils plumpem Diebſtahl als Opfer fallen würden.(Häuſſer, Geſch. der Rhein. Pfalz, B. 2, S. 207, 208.) Auch Bartholomäus Coppen aus Mecklenburg war einer von denjenigen Lehrern der Neu⸗ hauſener Fürſtenſchule, die zu Lehrämtern an der Heidelberger Univerſität berufen wurden. Derſelbe⸗ war als Knabe mit ſeinem Großvater auf einer Reiſe nach Heidelberg gekommen und blieb dort, durch freundliche Aufnahme gefeſſelt, als Zögling der Gelehrtenſchule zurück. Die Frei⸗ gebigkeit Johann Caſimirs ließ ihn große Reiſen ins Ausland machen, wo er, namentlich zu Baſel und Genf, den Calvinismus an der Quelle ſtudirte. Zurückgekommen wirkte er abwechſelnd an dem Sapienzcollegium zu Heidelberg, dem er ſelbſt ſeine Erziehung verdankte, und an der Neu⸗ hauſener Schule, bis er(1600) zum Profeſſor der Theologie zu Heidelberg ernannt wurde.(Häuſſer, Geſch. der Rhein. Pfalz, B. 2, S. 203). Auf dem letzten Reichstag, der vor dem dreißigjährigen Kriege im Jahre 1613 zu Regensburg abgehalten wurde, ward unter den Vor⸗ würfen, welche die proteſtantiſchen und die katholiſchen Stände gegen einander äußerten, auch von dem Biſchof zu Worms gegen Kurpfalz wiederholt darüber Beſchwerde geführt, daß⸗ letztere dem Bisthum das auf Pfälziſchem Gebiete gelegene Neuhauſener Stift weggenommen und. trotz aller Einwendungen noch nicht herausgegeben habe. Union und Liga waren zum Kampfe gerüſtet.-

Im Jahre 1615 feierte das Gymnaſium zu Neuhauſen kurz vor ſeinem Untergang ſein fünfzigjähriges Jubiläum. Wundt verzeichnet im Magazin für die Kirchen⸗ und Gelehrten⸗ Geſchichte des Kurfürſtenthums Pfalz(B. 1, S. 6) eine bei dieſer Gelegenheit gehaltene, aber nicht gedruckte Rede des Rectors Schoppius und eine Abhandlung des Seb. Fabritius über die Geſchichte des Stifts zu Neuhauſen:Conr. Scopii Gymnas. Neoh. quondam rectoris oratio in Jubilaeo primo eiusdem Scholae habita. A. D. 1615& Seb. Fabritii Neohusium sive de ortu et variis mutationibus coenobii Neohusiani. Aber das Gymnaſium zu Neuhauſen erhielt ſich nicht länger, als bis zu den böhmiſchen Unruhen(Wundt, a. a. O., S. 6). Im Jahre 1616 bemächtigte ſich Biſchof Georg Friedrich von Worms wieder des⸗ Cyriakusſtifts zu Neuhauſen; aber erſt im Jahre 1708 kam ein Vertrag zu Stande, durch den der