Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Aufhebung der Fürſtenſchule durch Ludwig VI. 1577, und Wiederherſtellung derſelben durch Joh. Kaſimir 1585. 103

Als nach dem Tode des reformirten Kurfürſten Friedrich III.(1576) durch deſſen lutheriſchen Nach⸗ folger Ludwig VI. gegen die reformirte Confeſſion der Pfalz mit großer Härte vorgegangen und die luthe⸗ riſche Lehre, ſowie der lutheriſche Cultus in den Kirchen und Schulen der Pfalz wieder eingeführt ward, wurden auch in den von Friedrich III. geſtifteten höheren Schulen calviniſtiſchen Bekenntniſſes die Lehrer gezwungen, den Calvinismus oder ihre Aemter aufzugeben. Anſtalten, deren Lehrer das Bekennt⸗ niß nicht wechſeln wollten, ſollten aufgelöſt werden. Das Pädagogium zu Heidelberg wurde zum Lutherthum gezwungen, im Collegium Sapientiae zu Heidelberg waren von ſiebzig Zöglingen nur wenige bereit, dem Calvinismus zu entſagen, die übrigen, wie deren Lehrer Urſinus und Jacob Kimedoncius, verloren lieber ihr Brot. Im Herbſte 1577 wurde auch die Fürſtenſchule im Stift zu Neuhauſen aufgehoben. Alting ſchreibt, nachdem er von den Schickſalen des Sapienz collegs und des Pädagogiums zu Heidelberg erzählt:Neuhusii vero Schola soluta ita diffluxit ut quoad viveret elector Ludovicus non restitueretur.(Hist. eccl. Pal. p. 231.)

Wundt berichtet im Magazin für die Kirchen⸗ und Gelehrten⸗Geſchichte des Kurfürſtenthums Pfalz(B. 2, S. 36 und 130) ausführlicher über das Vorgehen Ludwigs VI. gegen die calviniſtiſchen Schulen. Er ſchreibt, den Originalbericht über die Aufhebung der Schule zu Neuhauſen, welchen die Kommiſſarien an den Kurfürſten Ludwig VI. erſtattet hätten, habe er nicht ausfindig machen können. Dagegen erzählt er nach gedruckten hiſtoriſchen Nachrichten über die Aufhebung des Neuhauſener Gymnaſiums. Das Stift zu Neuhauſen ſchildert er als einen Ort in ſo reizend ſchöner Gegend gelegen, daß die Muſen und Grazien ſich keinen anmuthsvolleren Sitz hätten wählen können. Und wirklich iſt das Bild, das ſich dem Beſchauer von der Anhöhe des Stiftes darbietet, der Blick auf die geſegnete Rheinebene, die ſanften Anhöhen Rheinheſſens, auf den Odenwald und die Hardt von großem Reize.Elf Jahre vor ſeinem Tode hatte Kurfürſt Friedrich III. dieſe Schule geſtiftet und die weitläufigen Stiftsgebäude und alle Stiftseinkünfte dazu gewidmet, erzählt Wundt.Schon war die Schule ſo bevölkert, daß an zwölf Tiſchen geſpeiſt wurde. Im Monat October 1577 kamen die Kommiſſarien des Kurfürſten Ludwig VI. und machten dieſer Herrlichkeit ein Ende. Sechs Lehrer und mehr als hundert Jünglinge, die hier Nahrung für ihren Geiſt und Körper fanden, verließen traurig ihren geliebten Aufenthalt, und die Schule blieb, ſo lange Kur fürſt Ludwig lebte, verſchloſſen. Die Fürſtenſchule zu Neuhauſen war beſonders für die ſtudierende Jugend beſtimmt geweſen, die nicht von Adel war.

Als aber unter der vormundſchaftlichen Regierung des Adminiſtrators Johann Kaſimir(15831592) in der Pfalz wiederum der Calvinismus an die Stelle des Lutherthums trat, wurden die von Ludwig VI. unterdrückten calviniſtiſchen Lehranſtalten Friedrichs III. wieder in ihren früheren Stand geſetzt. Auch das Gymnaſium zu Neuhauſen wurde demgemäß am 6. Dec. 1585 wieder eröffnet.In dem neuen Stiftungsbriefe des Adminiſtrators vom 6. Dez. 1585 wird die Zahl der Lehrer, deren vorher 6 waren, auf vier herabgeſetzt und die Zahl der Alumnen auf dreißig beſtimmt, zu welchen noch dreißig Koſtgänger konnten genommen werden, die für ihren Unterhalt ſammt Unterricht je dreißig Gulden jährlich zahlen mußten. Dadurch ver⸗ minderten ſich die Koſten um ein beträchtliches. Die Erſparniß ſcheint um ſo nöthiger geweſen zu ſein, als die noch zu Neuſtadt beſtehende Academie einen anſehnlichen Koſtenaufwand erforderte, der aus den Gefällen der geiſtlichen Güter beſtritten werden mußte.(Wundt und Rhein⸗ wald, Magazin für die Pfälz. Geſch., B. 1, S. 199). Aber Johann Kaſimir ſorgte mit gleicher Sorgfalt für das geſammte Schulweſen der Pfalz, für die Dorfſchulen, wie für die Trivialſchulen der Oberamtsſtädte, die Vorbereitungsſchulen für die Pädagogien waren. Aus dieſer Förderung des niederen und des höheren Schulweſens der Pfalz dürfte es ſich wohl erklären, daß das Gym⸗