Gründung der kurpfälziſchen reform. Fürſtenſchule zu Neuhauſen bei Worms 1565. 101
sinistro extrorsum ex tumulo scandens brachium sinistrum atque manum tendit versus Christum stantem juxta tumulum cum pallio triumphali a collo pendente ac circum- fluitante vexillumque paschale seu resurrectionis trophaeum manibus tenentem, subtus quem hi versus continentur“,&c. „„Cernis ut in tumulo fixus pes alter inhaeret, Alter at in caelum scandere tentat iter, Christe, istam peccatori mihi porrige dextram, Inque tui patris me sacra templa trahes.““(Sigismund Gerlach, Suspiria sancta, p. 375— 378.)
3. Excurs über die kurpfälziſche reformirte Türſtenſchule, Collegium illustre zu Meuhauſen bei Worms.
Ueber die Gründung des reformirten Gymnaſiums zu Neuhauſen bei Worms durch den Kurfürſten Friedrich III. von der Pfalz ſchreibt Burkard Gotthelf Struve in der Pfälziſchen Kirchenhiſtorie(Frankfurt, 1721) S. 162 u. 163:„Der Kurfürſt legte zu Neu⸗ hauſen bei Worms im Jahr 1565 ein Gymnasium illustre an. Es war daſelbſten ohnedem von dem fränkiſchen König Dagobert ein Collegium Canonicorum, anfänglich dem S. Dionysio, und hernach dem S. Cyriaco zu Ehren, geſtiftet worden, welches zwar in Pfälziſchen Landen ge⸗ legen, aber in die Wormſiſche Diöces gehörig. Die Canonici führten ein ſehr gottloſes und ärger⸗ liches Leben,*) welches der Kurfürſt nicht länger zuſehen konnte, und dannenhero auf Einrathen ſeiner Miniſter, zumalen des Kanzlers Chriſtophorus Probus, ſolches Stift den 9. May 1565, ohne einzigen Widerſpruch mit einiger Mannſchaft beſetzen ließ;**) und ob er gleich denen Canonicis Freiheit geſtattete, darinnen zu bleiben, auch ihnen zu ihrem Unterhalt etwas gewiſſes ausgeſetzt hatte, wollten ſie doch nicht daſelbſt beharren, ſondern verfügten ſich theils nach Worms, theils nach Weißenburg. Der Kurfürſt hingegen ließ die Bilder aus der Kirchen herauswerfen, und ſolche auf dem Acker bei dem Kloſter Liebenau verbrennen, von Heydelberg und andern Orten einige junge Leute dahin bringen, und eine Fürſtenſchule daſelbſt durch den Präſidenten des Kirchenraths Wenceslaus Zuleger im Monat Juli eröffnen, deren Direction dem Levinus Clava, ſonſt Codde genannt, der aus Flandern vertrieben war, anvertrauet, und ihm Jo⸗ hannes Eberhard, der von Mosbach bürtig, zum Collegen zugegeben wurde. Dieſes Gymnaſium nahm in kurzer Zeit dergeſtalt zu, daß zwölf Tiſche darinnen(in dem Alumnat) ge⸗ ſpeiſet wurden. Dieſerhalben beſchwerten ſich ſowohl der Biſchof von Worms, als auch der von Speier auf dem Reichstag zu Augsburg im Jahr 1566 super turbata pace Religionis. Der Kur fürſt aber ſchützte vor, wie es unwiderſprechlich, daß das Stift zu Neuhauſen der Kurpfalz nicht allein mit dem Erbſchutz, Schirm und Kaſtenvogtei zugethan, ſondern auch in derſelben landes⸗ fürſtlichen Obrigkeit und Territorio gelegen; und weil darinnen aller vielfältigen Befehle und
*)„Contra regulam Christi et Apostolorum Bacchanalia vixerant,“ Dan. Pareus, Hiist. Bav.-Pal., p. 262. Auch Häuſſer, Geſch. der Rhein. Pfalz, B. 2. S. 71 berichtet vom Cyriakusſtift zu Neuhauſen, daß„deſſen Chorherrn ihrer ſittlichen und wiſſenſchaftlichen Untüchtigkeit wegen übel berüchtigt waren.“
**) Zorn berichtet in der Originalhandſchrift ſeiner Chronik(S. 209) über die Säculariſation des Neuhauſener Stifts, die in dem Jahre erfolgte, in dem er Rector zu Worms wurde, wie folgt:„Anno 1565 im Maio hat Pfalzgraf Friedrich, Kurfürſt, Neuhauſen eingenommen, alle Bilder der Kirchen zerſchmiſſen, verbrennt, und Altar eingeriſſen, die Pfaffen nach ſeiner Kirchenordnung reformiren wöllen, welches als ſie nit annehmen wollen, ſind ſie davon gezogen und anderswo mit Beneſicien ſich verſehen. Iſt alſo das Stift ſchier umgekehrt, und ein Schul darin angericht worden.“


