Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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M. A. Wilks Rede bei Zorns Beſtattung, 9. Oct. 1610. 99

gelehrten Herrn M. Friderico Zornio, dem alten wolverdienten Rectori, welcher der gemeinen Stadt⸗ ſchul allhie zu Wormbs in die 45 Jahr fleißig und treulich fürgeſtanden, den letzten Dienſt leiſten und ihm zu ſeinem Ruhebettlein das Geleite geben, ſo hätte ich zwar Urſach und Gelegenheir gehabt, etwas von den Schulen zu reden. Nachdem ich aber vermerkt, daß der verſtorbene Herr Rector eine ſonderliche Luſt zu dem verleſenen Text St. Pauli gehabt, und begehrt, denſelben bei ſeiner

Leiche und Begräbnis der chriſtlichen Gemein fürzuhalten, ſo habe ich gemeldeten Text auf diesmal in Gottes Namen für mich genommen, denſelben kürzlich und einfältig für Ewer Liebden zu erklären.

s handelt aber St. Paulus im verleſenen Text von dieſen dreien Stücken: 1. weisſagt er von Tann Tod und Sterbeſtündlein, 2. beſchreibt er ſein ganzes Leben, 3. tröſtet er ſich ſelbſt mit Erinnerung deſſen, was er nach dieſem Leben zu erwarten habe. In den drei Theilen der Be⸗ handlung des pauliniſchen Textes beleuchtet Wilk die Denk⸗ und Lebensweiſe des heimgegangenen⸗ Freundes. 1.Mit dem Wort:die Zeit meines Abſcheidens iſt fürhanden, daß er ſeinen Tod⸗ nicht einen Tod, ſondern einen Abſchied nennt, zeigt er an, daß er ſich vor dem Tod nicht fürchte, ſondern daß er gern und willig ſterbe; denn ſein und aller gläubigen Chriſten Tod ſei nit ein⸗ gänzlicher Untergang, ſondern Leib und Seel ſcheiden ſich auf eine Zeit lang von einander, und kommen wieder zuſammen im ewigen Leben, daß alſo die, ſo in Chriſto ſterben, ausgeſpannt werden und gleich Feierabend bekommen von ihrer Mühe und Arbeit. 2.Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten.Das ſoll uns dazu dienen, daß wir daraus lernen, wie eines wahren Chriſten Leben kein Müßiggang ſei, da man auf eitel Roſen gehe und gute ſanfte Tage haben könne, ſondern es ſei ein ſtetiger Kampf und Streit. Muß nit der Menſch immer im Streit ſein auf Erden? Da haben wir zu ſtreiten mit dem Teufel, der Welt und unſrem eigen Fleiſch und Blut. Ein mühſeliger Lauf! Da müſſen wir Glauben halten, beſtändig bleiben, nit zurückſehen und uns laſſen aufhalten. Wer beharret bis ans End, der wird ſeelig. Sei getreu bis an den Tod, ſo will ich Dir die Krone des Lebens geben! 3.Hinfort iſt mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit. Und im Hinblick auf die ernſte, fleißige, muthige, fromme Lebensführung des Entſchlafenen, der in den Worten des Apoſtels ſein. Bekenntnis und ſeine letzte Hoffnung ausgeſprochen, ſchließt M. Andreas Wilk die Grab⸗ rede mit den Worten:Weil er denn ein ſolcher treuer Kämpfer und beſtändiger Streiter ge⸗ weſen, ſo iſt kein Zweifel daran, daß ihm von dem Herrn, dem gerechten Richter, die Kron der Gerechtigkeit iſt beigelegt, daß er nun forterhin im ewigen Leben als ein getreuer Lehrer, der viele aus der Jugend zur Gerechtigkeit gewieſen, leuchten wird wie des Himmels Glanz und wie die Stern immer und ewiglich.*)

Bemerkenswerth unter den lobenden Anerkennungen, die Friedrich Zorn von Seiten ſeiner Zeitgenoſſen erntete, iſt das Urtheil des gelehrten kurpfälziſchen Hiſtorikers Marquard Freher, das derſelbe ſchon in der erſten Auflage ſeiner Origines Palatinae im Jahre 1598,

*) Vgl. Wilks Grabrede, Fol. 668 690 der Handſchrift F der Zorn'ſchen Chronik, im Wormſ. Archiv, Auf die Nachricht von Zorns Ende ſchreibt Zorns Freund, der pfälziſche Ritter Julius Thomaſſinus von Luttigen an M. Andreas Wiltk folgenden Brief:Equidem magno dolore affectus fui ex obitu veteris mei amici Dn. Zornii. licet cum ipso optime actum sit utpote longo tempore Valetudinario, sicuti proxime cum ipsum inyiserem, a liquoties veris gemitibus contestatus est, senihil nunc a Deooptimo maximo petere qu am ut illico h inc emigrare ad caelestem patriam liceret. Proinde utut sit, praemisimus ipsum, non amisimus mox eum secuturi. Optarim in memoriam defuncti concionem tuam funebrem, seu eius copiam habere queam: rem maxime gratam mibi faceres. Vale. 10. Oct. Anno 1610.

Tui studiosissimus officio et amore

Julius Thomass. a Luttigen.(Vgl. Sigismund Gerlach, Suspiria. Sancta etc., p. 374.) 13*