Das fünfklaſſige Gymnaſium zu Worms 1582—1586. 95
und die Sentenzenſammlung oder ihren Cato durcharbeiteten, die neue dritte Klaſſe bildeten. Dieſe beiden Unterklaſſen mögen für die meiſten Schüler zuſammen einen 4—5⸗jährigen Curſus gehabt haben. Der zweite Lehrer der neu errichteten vierten Klaſſe, Joh. Utrers Nachfolger, Johann Lautenſchleger aus Weinheim, ging im Jahre 1583 von der Anſtalt ab, indem er an einer ſog. deutſchen Schule,*) wie es ſcheint, zu Worms,„deutſcher Schulmeiſter“ oder„deutſcher Rechen⸗ meiſter“ wurde. Er ſcheint an der deutſchen Schule jene erſten Elemente des Unterrichts gelehrt zu haben, die er in der vierten Klaſſe der Lateinſchule unterrichtet hatte.— Nur für die Dauer von vier Jahren gelang es Zorn, ſeine Anſtalt ſo zu organiſiren, daß ſie ſogar fünf Klaſſen beſaß. Im Jahre 1582 trat nämlich zu den ſeitherigen Lehrern, dem Rector Zorn, und den Lehrern M. Nicolaus Asfalck, Johann Haas und Johann Lautenſchleger in einer zwiſchen der ſeitherigen erſten und der zweiten Klaſſe eingeſchobenen Klaſſe, einer Unter⸗ prima, M. Conrad Hildebrand als Lehrer ein. Dies ergibt ſich aus folgender Angabe des Zorn’ſchen Lehrerverzeichniſſes:„M. Conrad Hildebrand Lohrensis Mosellanus iſt zu der neuen Class, quae media esset inter primam et secundam sui temporis, Anno 1582. 28 aug.“ Allein ſchon mit dem Weggang des Urban Packmann, der Hildebrands Nachfolger geworden, ging die neue Claſſe wieder ein.„Urban Packmann successit Hild. 1585. 23 maii. abiit 1586. 25 maii Heilbronnam u. iſt mithin die claß wieder abgegangen.“(Vgl. oben S. 79. Zorns Lehrerver⸗ zeichniß.) Aber da die Anſtalt immer wieder darnach ſtrebte, ein Syſtem von fünf Klaſſen zu erhalten, ſo finden ſich zu verſchiedenen Zeiten wieder fünf Klaſſen vor: im dreißigjährigen Kriege, (1628. 1632) vor dem Stadtbrande(1682) auch im achtzehnten Jahrhundert, 1732— 1735, 1750—1753. Als im Jahre 1586 die unter der Prima eingeſchobene Klaſſe eingegangen war, mußten natürlich die beiden oberen Lehrcurſe wieder combinirt werden; und in vier Klaſſen von zweijährigen oder dreijährigen Curſen, die in der 4. und 3. Klaſſe in verſchiedene Abtheilungen zerfielen, vermochte man die Schüler von den erſten Elementen des Leſens bis zum Uebergang auf die Univerſität zu unterrichten, wenn in der vierten Klaſſe das Leſen und die Erlernung lateiniſcher Vocabeln und deren Biegung be trieben wurde, in der dritten Klaſſe die lateiniſche Grammatik ſyſtematiſch erlernt, in der zweiten Klaſſe die Erlernung der griechiſchen Sprache begonnen wurde, in der erſten Klaſſe Rhetorik und Dialektik mit der entſprechenden Lectüre Ciceros ꝛc. die charakteriſtiſchen Gegenſtände des Unterrichts
bildeten. 1—
Nun liegt es nahe, ſchon hier zu berückſichtigen, daß das reichsſtädtiſche Gymnaſium zu Worms im 18. Jahrhundert, als es 4, und vorübergehend 5 Klaſſen zählte, für die meiſten Schüler einen zehnjährigen Kurſus hatte, und dabei wird im 18. Jahrhundert wiederholt die Forderung ausgeſprochen, daß die Schüler, die in die unterſte Gymnaſialklaſſe aufgenommen werden wollen, im Leſen und Schreiben geübt ſein ſollen. So oft nun aber in den im Wormſer Archiv noch vorhandenen Scholarchatsacten dieſe Einrichtungen beſprochen werden, erſcheint die frühere Geſtaltung des Gymnaſiums, welche im 17. Jahrhundert und in der Zeit der größten Blüte der Stadt Worms vorhanden war, als ein wieder zu erreichendes Vorbild. Man wird nun nicht irren, wenn man annimmt, daß in der Zeit vom dreißigjährigen Krieg bis zur Zerſtörung der Stadt das vier⸗ bis fünfklaſſige Gymnaſium, und ſchon die Zornſche Schule in 4—5 Klaſſen ungefähr einen zehnjährigen Lehrcurſus gehabt habe. Dabei muß man ſich auch daran erinnern, in welcher Weiſe in Zorns Zeitalter die einfachen Schuleinrichtungen Luthers und Melanchthons durch die weiter gehenden Organiſationen des Straßburger Rectors Johannes Sturm, die faſt allerwärts
*) Vgl. oben S. 59 u. 81.


