Zorns dreiklaſſiges Gymnaſium zu Worms 1565—1576. 3 93
kommen. Steht gleich der ſprachliche Werth unſrex Chronik unter der Straßburger und Kölner, wird ſie an Maſſe des überlieferten Stoffs weit von der Speierer übertroffen, ſo hat ſie doch auch eigenthümliche Vorzüge, die uns mit den Mängeln wieder ausſöhnen und ein erhöhtes Intereſſe an der Geſchichte von Worms, erwecken. Dahin gehört die Beſchränktheit, daß ſie nicht, wie die übrigen, zugleich allgemeine, ſondern ausſchließlich Chronik der Stadt ſein will, die aufrichtige Parteinahme für die Stadt in dem langen Kampfmit den Biſchöfen, die ſtreng chronologiſche Ordnung, die das zuſammengehörige nirgends aus der natürlichen Verbindung reißt.“(Arnolds Ausg. der Zorn'ſchen Chronik, Einl. S. 1.) Auch Arnold iſt der Anſicht, daß unter den Handſchriften der Zorn'ſchen Chronik, die er im reichsſtädtiſchen Archiv zu Worms geſehen, Zorns Autographon ſich befindet.*)
Erſt in die Jahre nach der Vollendung der Chronik fällt die Erweiterung der Wormſer Lateinſchule durch ⸗Zorn. Aber keine Urkunden, nur Vermuthungen hellen die Zeit jener Thätig⸗ keit Zorns auf. Als Zorn in Worms ſein Rectorat antrat, fand er daſelbſt in der Lateinſchule die Collegen Crispin Böttcher und M. Caspar Walter vor, und die Schule hatte nur drei Klaſſen, natürlich von mehrjährigen Curſen. In Sachſen, Heſſen, der Pfalz und andren Ländern war es damals faſt der Regel nach üblich, eine lateiniſche Schule in drei Klaſſen oder Haufen einzutheilen. Sogar die ſächſiſche Schulordnung vom J. 1580 fordert nur drei Klaſſen. Will man den ungefähren Umfang deſſen vermuthen, was in den drei Klaſſen gelehrt wurde, deren Leitung Zorn übernahm, ſo wird man kaum irren, wenn man annimmt, daß der Lehrplan derſelben im Weſentlichen ungefähr in demjenigen beſtanden habe, was die oben zum Vergleich zuſammen geſtellten drei Schulpläne, der Lehrplan Melanchthons vom J. 1528, reſp. 1538, die kurpfälziſche Schulordnung vom J. 1556 und der von Zorn im Jahre 1560—61 in Heidelberger Pädagogium befolgte Lehrplan als gemeinſame Beſtandtheile enthalten. Der Unterricht einer dreiklaſſigen Lateinſchule umfaßte hiernach im Weſentlichen folgende Lehr⸗ gegenſtände: Leſen, Schreiben, Geſang, Religion, lateiniſche Grammatik und Metrik, Dialektik und Rhetorik, Lectüre lateiniſcher Claſſiker und der heiligen Schrift. Der unterſte Haufen übte vornehmlich das Leſen, Schreiben, Singen, lernte aber bereits lateiniſche Vocabeln und lateiniſche Sprüche, ſowie Erzählungen, Sprüche, Gebote und Gebete der heiligen Schrift, und die Glaubensartikel der Kirche. Der mittlere Haufen wurde in ſyſtematiſcher Grammatik der lateiniſchen Sprache, Proſodie und Metrik derſelben unterrichtet, las lateiniſche Fabeln, Er⸗ zählungen, Geſpräche, ſogar Terenz und Plautus und den lateiniſchen Text der Bibel bei ein⸗
*) Arnold verglich die drei Handſchriften, die ſich in der Frankfurter Stadtbibliothek beſfinden, und ſah fünf Handſchriften in dem Wormſer Archiv; von dieſen acht Handſchriften enthalten nur drei die Zuſätze Flers⸗ heims; eine derſelben ſah Arnold in Worms, und die anderen zwei in Frankfurt. Seitdem Arnold die ge⸗ dachten acht Handſchriften prüfte, erwarb die Stadt Worms für das Wormſer Archiv eine neunte, im Jahre 1613 geſchriebene Handſchrift(vergl. oben S. 63.) Zorns Autographon trägt den Titel:„Chronologia der Alten und Erbarn freihen Reichsſtatt Wormbs, auß bewerten historiis, alten diplomatibus und wharhafftigen Actis zuſammengetragen durch Fridericum Zornium Vangionem Anno 1570 den 12. augusti.“„Das Exemplar iſt ein dünner Folioband von 211(nicht 207, wie Arnold ſchreibt) gebrochenen Seiten, auf deren anderer Hälfte von derſelben Hand eine Menge Zuſätze nachgetragen ſind, die bei allen übrigen Exemplaren im Text ſtehen. Die Verträge der Stadt mit den Biſchöfen ſind am Ende nicht noch einmal zuſammengeſtellt, ſondern die Erzählung geht bis 1570 ununterbrochen fort, wird aber nach dem Jahr 1526 aphoriſtiſch und unbedeutend. Die Hand⸗ ſchrift iſt aller Wahrſcheinlichkeit nach das Autographon Zorns und wurde bald nach ihrer Vollendung der Stadt überreicht, während der Verfaſſer eine zweite für ſich behielt, die dann durch Abſchriften weiter ver⸗ breitet wurde.“ ꝛc.(Arnold in der Einleit. zur Chronik, S. 4, 5.)


