92 Zorn zu Oppenheim 1561—1565; Zorns erſte Bearbeitung der Wormſer Chronik 1565—1570.
zu einem philoſophiſchen Lehramt an der Heidelberger Univerſität befördert worden.*) Aber J. F. Hautz bemerkt dazu, in den Acten ſei nirgends überliefert, daß Zorn zum Univerſität⸗ profeſſor gewählt worden ſei. Freilich ſagt auch M. Andreas Wilk in Zorns Leichenpredigt: „Ob er wohl höher und zu größeren Ehren hätte können kommen, daß er hätt ein berühmter Profeſſor auf einer hohen Schule werden können, hat er doch lieber ſeinem Vaterland wollen dienen und in der Schule allhier erſterben.“ In Andreäs Mittheilung ſcheint die Thatſache, daß Zorn nur kurze Zeit am Heidelberger Pädagogium wirkte, mit der auch von Wilk angedeuteten Berufung zu einer Lehrſtelle an einer Hochſchule, die Zorn, wenn ſie ſtattgefunden, ausſchlug, in irriger Weiſe verſchmolzen zu ſein. Andreäs Mittheilung dürfte Wilks Ausſage unterſtützen.
Zorn bekleidete 1561— 1565 in Oppenheim ein Schulamt. Aber Kurfürſt Friedrich III. unterdrückte in der Pfalz das von ſeinem Vorgänger Otto Heinrich geförderte lutheriſche Bekenntniß und führte den Calvinismus in ſeinen Landen ein. Diener des Kurfürſten, der Kirche und der Schule, die zu dem von ihnen geforderten Wechſel des Bekenntniſſes nicht bereit waren, wurden entlaſſen. Weil Friedrich Zorn offenbar ein überzeugungstreuer Lutheraner war, ſo beruht Wilks Zeugniß auf Wahrheit, wenn er ſagt, daß er die pfälziſchen Städte Heidelberg und Oppenheim verlaſſen, weil der Calvinismus in dieſelben eingedrungen ſei. Die Wirkſamkeit, die Zorn in Oppenheim in den Jahren 1561—1565 entfaltete, iſt bis jetzt vollſtändig in Dunkel gehüllt.**)
Ohne Zweifel ſchrieb Zorn, nachdem er im Jahre 1565 von Oppenheim nach Worms übergeſiedelt war und das Wormſer Rectorat angetreten, ſofort an der Chronik der Stadt Worms.***) Er behandelte in derſelben die Geſchichte der Stadt bis zum Beginn der Reformation. Daß aber Zorn ſpäter auch die Geſchichte der Wormſer Reformation und der evangeliſchen Kirche zu Worms geſchrieben, iſt oben genügend erwieſen. Obwohl die Benutzung der Zorn'ſchen Chronik zur Dar⸗ ſtellung der Wormſer Geſchichte den beſten Beweis für deren Werth gibt, ſo möge doch das Ur⸗ theil Arnolds über dieſelbe hier eine Stelle finden.„Unter den vielen Städtechroniken, die uns aus dem 15. und 16. Jahrhundert aufbewahrt ſind“, ſagt Arnold,„nimmt die Wormſer wegen der Reichhaltigkeit des Inhalts und der Bedeutung der Stadt eine der hervorragendſten Stellen ein. Zwar hat ſie einen Theil ihres Werths verloren, ſeitdem Böhmer Bruchſtücke der alten annales Wormatienses wieder aufgefunden und veröffentlicht hat; da dieſe indes nur die Zeit des 13. Jahrhunderts begreifen, bleibt ſie für die folgende Periode, von den Urkunden abgeſehen, nach wie vor alleinige Quelle der Stadtgeſchichte. Und für die Zeiten des 14. und 15. Jahrhunderts iſt auch ihr Werth ein ganz andrer, wie für die älteren: die Nachrichten werden zahlreicher und ausführlicher, ſind vielfach aus officiellen Actenſtücken entlehnt und nehmen an Treue und Glaub⸗ würdigkeit in demſelben Maße zu, in welchem ſie der Zeit der Abfaſſung der Chronik näher
*) J. H. Andreae, analecta historic.-literar. de Heidelbergae Reform. Gymnas.(Programn. a. 1789): „Zornius per exiguum temporis articulum in paedagogica permansit statione. Nam laboribus scholasticis prosperrime exantlatis, ad philosophicam almae huius Universitatis cathedram fuit evectus.“ cf. Hautz, lyc. Heid. p. 81.
**) G. J. Wilhelm Wagner(Geiſtl. Stifte im Großh. Heſſen, II. 208) berichtet über die Errichtung der Oppenheimer Lateinſchule, deren erſter Rector Friedrich Zorn war. Dieſe Schule wurde in dem Franziskaner⸗ kloſter zu Oppenheim eingerichtet.„Im Jahre 1561, 12. Sept. wurden die Franziskaner, 12 an der Zahl, genöthigt das Kloſter zu verlaſſen; der Rath richtete beſonders auf Betreiben des Bürgermeiſters Kiedrich eine Schule darin ein, deren erſter Rector Friedrich Fern von Worms war(Severus, Mogunt. ecclesiast. hodiern. 99).“ In vorſtehendem Bericht iſt offenbar der Name Friedrich Zorn entſtellt.
***½) Wenigſtens iſt die Stelle über die Rachtung von 1233(ſ. oben S. 7, Abſatz 2) Ende 1565 oder An⸗ fang 1566 geſchrieben, und der nach der Vollendung der Chronik geſchriebene Titel ſeiner Originalhandſchrift, Handſchrift A des Wormſer Archivs, trägt das Datum„anno 1570 den 12 Auguſti.“


