Zorns Abgang von Heidelberg. 91
nennen lernen, Mag die aus dem buechlin Philippi von ſolchem geſchriben, aus Dasypodio*), Dialogis Vivis**) vnd andern zuſammengetragen werden“. „In der Obern Claſſe“..
„I. Morgens zu Sechs Uhrn ſoll der obriſt Magiſter die Griechiſche Grammaticam Crusii,***) oder wie die Ime verordnet werden mag, zum Anfang vnd einleitung in dieſelbe Sprache leſen. Darneben die Knaben mit Decliniern und Conjugiern vben. Soll auch darneben, von Vbung vnd Exempel wegen, Novum Testamentum oder Catechesis Graece oder etwas anders Sacrum Ihnen furgeleſen, vnd darin der Gebrauch der Regel angezaigt werden“.
„II. Zv Acht Vhrn Soll ein Compendium der Dialektik zv Anleittung in dieſelbe Kunſt vnd Vorbereitung ad audiendum Aristotelem etc. dienſtlich(wie dan ſolchs verordnet wurd) von dem mitlern Magiſter furgeleſen vnd von den Discipeln zu wordt außen gelernet werden. Vnd diß zwen tag der Wochen. Die andern zwen tag ſoll es aller Ding alſo mit einem Compendio Rhetorices von gemeltem Magiſtro gehalten werden“.
„III. Zv Zwölffe Sollen die Officia Ciceronis ausgelegt, vnd darneben die Praecepta Grammatica, Sonderlich der Syntax repetirt werden, durch gemelten mitlern Magiſtrum“.
„IV. Zu drey Vhrn ſoll der Obriſt Magiſter Vergilii Aeneida oder etwa darfür Odas aliquas vel Epistolas Horatii interpretiren. Vnd aber ſolcher Lection, ex Melanchthone vel alio, ein Prosodia angehenkht vnd darneben gelernt werden.“
„Von den Vbungen der Knaben.“
„Die Jungen ſollen lateiniſch zw reden und zw ſchreiben angehalten werden, Jenen nit ge⸗ ſtattet werden, anderſt dan Latein zw Reden. Auch jedes Mitwochs vnd Sampſtags vor mittag Inen Ire scripta, ſo Inen teutſch fürgeſchrieben, vnd von Inen lateiniſch gemacht worden, vber⸗ leſen und gebeßert werden. Auch ſollen die Alltern und gelertern aus Inen Carmina machen vnd die zu corrigieren pringen.“
„Nach Mittag Mitwochs Sollen ſie in der Rechenkunſt, Sampſtags nach Auslegung des Sontäglichen Evangelii oder Epiſtell in der Musica, beyde classes zu hauff, geübt werden.“„In Jeder Claß ſoll die Erſt Lection mit gebett oder einem Lobgeſang Angefangen, die letzte darmit beſchloßen werden. Zw Abends, wan man die Knaben heimleſt, Soll neben dem gebett oder ge⸗ ſang ein Stuck des catechismi allmal recitiert werden.“
Am 29. Nov. 1561 hatte M. Friedrich Zorn das Pädagogium in Heidelberg bereits ver⸗ laſſen; denn die Annalen der Heidelberger Univerſität berichten, daß an dieſem Tage, wie es ſcheint, bei der beſtimmteren Regelung der Beſoldungen und der definitiven Beſetzung der Lehrer⸗ ſtellen des Pädagogiums M. Johannes Spreng und M. Johannes Poſthius akls Lehrer des Pädagogiums angenommen waren und daß für die dritte Stelle zwar der oben genannte M. Johannes Geyſelbachius, der Sohn des Rectors der Univerſität, der ſchon im vor⸗ hergehenden Jahre in dem neuen Pädagogium gewirkt, vorgeſchlagen, dagegen M. Johannes Heuſerus mit dieſer Stelle betraut wurde.(Annal. Univ. Heidelb., T. VIII. Fol. 56. J. F. Hautz, lyc. Heidelb. orig. p. 87.) J. H. Andreä, Rector des Gymnaſiums zu Heidelberg, ſchrieb im Jahre 1789, Friedrich Zorn habe nur kurze Zeit ſeine Stellung an dem Pädagogium inne gehabt; nachdem er die Mühen des Schulamts mit vielem Glück auf ſich genommen, ſei er
*) Petrus Daſypodius(Rauhfuß) gab ein lat. deutſches und deutſch⸗lateiniſches Wörterbuch heraus, 2. Aufl. Argentor. 1526. t) Joh. Ludov. Vivis colloquia sive lat. ling. exercitatio. Basil. 1538. ***) Martin Cruſius war in Tübingen von 1559—1607 Profeſſor der griechiſchen und lateiniſchen Sprache. . 12*


