Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Zorns amtliche Thätigkeit in Heidelberg. 89

in den Jahren 15601561 noch Verhandlungen über die Dotirung dieſer Lehrer und die eigent⸗ liche Fundation der Anſtalt geführt wurden, ſo ſcheint die Ernennung der drei Lehrer faſt provi⸗ ſoriſch geweſen zu ſein. Es mögen nun hier einige Stellen der handſchriftlichen Annalen der Univerſität Heidelberg folgen, woraus ſich ergibt, in welchen dienſtlichen Verhältniſſen M. Friedrich Zorn in Heidelberg ſtand. Da das Pädagogium in ſtrengſter und unmittelbarſter Abhängigkeit von dem Rector der Univerſität ſtand, ſo hatte Zorn wohl mehr die Stellung eines oberſten Magiſters, als eines mit größeren Vollmachten ausgeſtatteten Paedagogi- archa. Bei der Aufſtellung des Lehr⸗ und Stundenplans, der Prüfung, Aufnahme und Ver⸗ ſetzung der Schüler, der Erhebung des Geldes für Unterricht und Heizung, in der Vertretung der Anſtalt gegenüber den Eltern und Privatlehrern, ſtand M. Zorn, wie ſeine Collegen, unter der Leitung der von der Univerſität ernannten Inſpectoren und Viſitatoren, insbeſondere unter der philoſophiſchen Facultät und dem Rector der Univerſität, wie aus den hier unten an⸗ zuführenden Stellen ſich ergibt.*)

J. F. Hautz(Lycei Heidelbergensis origines et progressus, p. 7780) theilt unter Anderem, was erVon Anrichtung des Pedagogii nach den Annalen der Heidelberger Uni⸗ verſität veröffentlicht, auch den Lehrplan des Heidelberger Pädagogiums vom J. 1560 mit, nach welchem M. Friedrich Zorn alsobriſter Magiſter dieſer Anſtalt lehrte und erzog. Da bei der Errichtung des Pädagogiums im J. 1560 keine Elementarklaſſe eingerichtet wurde, ſo fehlte demſelben damals natürlich das erſte Häuflein der Pfälziſchen Schulordnung vom J. 1556. Nach dem vorläufigen Plane, welcher nach der zwiſchen den Vertretern der Heidelberger Univerſität und den Deputirten des Kurpfälziſchen Kirchenraths geführten Verhandlung entworfen wurde, wurde bezüglich des Klaſſenſyſtems folgende Anordnung getroffen.

Von den Classibus.

Hat man ſich verglichen, das zwo Classes ſolches Paedagogi ſollen angeſtellt werden, ein Undere vnd ein Obere, in welchen die Jungen angehenden Studenten zu den Lectionibus und Exercitationibus des Contubernii abgericht vnd eingelaittet werden. Vnd ſoll in ſolche elasses keiner zugelaſſen, noch vffgenommen werden, der noch das Alphabet vnd leſen lernet, ſondern ſoll ſeinen Donat wo nit perfect, doch ziemlicher maßen Studiert haben. Sollen auch alle alsbald Deponieren vnd bei der Vniverſität Rectorn ſich einſchreiben laßen.

*) In dem von dem Univerſitätsrector Johannes Geyſelbach am 17. Nov. 1560 veröffentlichten Univerſitätsprogramm iſt folgende Stelle enthalten, die ſich auf das zu eröffnende Pädagogium und die perſönlichen und dienſtlichen Verhältniſſe ſeines Rectors bezieht.Ut juventutis studiis pro optima suorum parentum exspec- tatione rectius consulatur, et adolescentes rudiores, qui saepe hue veniunt, ad lectiones publicas maiore cum fructu audiendas, pro sui quisque ingenii captu utiliter praeparentur: Paedagogium publicum suis classibus distinctum aperire decrevimus. Pro cuius felici auspicio censores ex Facultate artium deputati una cum praeceptoribus suis examen aliquod et ingeniorum diiudicationem publice instituent: atque ut in fidem et tutelam Rectoris paedagogieci pueri recipiantur, curabunt. Ad hoc igitur ut coeteri prae cep- tores privati discipulos suos quoque mittant, neque repetitionibus aut praeleotionibus do- mesticis adolescentes a publicis contubernii vel Paedagogii lectionibus, contra leges nostras, amplius impediant, sub gravi poena, Senatus decreto infligenda, omnibus edicimus. Non enim aequum est, privati commodi gratia publicam utilitatem impediri.Designatis jam duobus Paedagogii praeceptoribus Zornio et Posthio hypocaustis in Contubernio paratis, novis mensis, tabulis, lignis et aliis necessarlis coemptis, Rector hoc edictum proposuit: Rector Academiae Heidelbergensis etc. cum hoc tempore Pabdagogium publice aperiatur, significamus hoc scripto publice Parentibus, Magistris et ceteris omnibus, qui filios suos sive discipulos in Paedagogio publico institui cupiunt, ut hodie hora prima a prandio eos ad deputatos

Inspectores et Praeceptores mittant, vel ipsi adducant, ut nominibus ipsorum in catalogum relatis, de numero disci- 12