Verhältniß der Wormſer Lateinſchule zur kurſächſiſchen und zur kurpfälziſchen Schulordnung vom J. 1556. 87
ein trefflicher Mann, der ein Löwenherz habe, nen, und vil erinnerung von tugent mercken mögen, unerſchrocken, die Wahrheit zu ſagen.“ Vgl. und ſollen die Schulmeiſter fleiß thun, daß ſie ihnen K. v. Raumer, Geſch. d. Päd., Th. I. S. 139. 140. ſelbs vorrath ſchaffen ſolcher Hiſtorien und gedicht.“
Welche Stellung mag nun in Worms Rector M. Friedrich Zorn zu dem ſehr ver⸗ breiteten ſächſiſchen Schulplane eingenommen haben? Wir kennen glücklicher Weiſe den Lehrplan, nach dem Zorn im Jahre 1560/61 im Pädagogium zu Heidelberg als erſter Lehrer und Vorſtand deſſelben wirkte. Die Verehrung, welche die Stadt Worms für ihren treuen Geſchichtſchreiber und deren Gymnaſium für den Rector hegt, der in der Geſchichte dieſer Anſtalt an dem Anfang ſteht, veranlaßt dazu, hiér die Züge aus Zorns amtlichem Leben zuſammenzuſtellen, die bis jetzt bekannt geworden ſind. Nachdem M. Friedrich Zorn in den Jahren 1552—1558 ſeine wiſſenſchaftliche Ausbildung auf der Univerſität zu Heidelberg empfangen, bekleidete er daſelbſt ſein erſtes öffent⸗ liches Lehramt. Er wurde nämlich im Jahre 1560„obriſter Magiſter“ des Pädagogiums zu Heidelberg, als dasſelbe in dieſem Jahre als ſelbſtändige, wieder unter die Aufſicht der Univerſität geſtellte Anſtalt wiederhergeſtellt worden war. Das Pädagogium war nämlich 1546 auf Antrag der philoſophiſchen Facultät der Univerſität Heidelberg vom Kurfürſten Friedrich II. und mit Zuziehung Melanchthons gegründet worden, wurde aber ſchon im J. 1556 mit der dem 12. Jahrhundert entſtammten, unter dem Magiſtrat der Stadt Heidelberg ſtehenden, ſog.„Neckar⸗ ſchule“ zu Heidelberg vereinigt, weil die Univerſität gegen die Anſtalt, die aus den Fonds der Univerſität gegründet und unterhalten wurde, eine ſehr unfreundliche Stellung einnahm. Als der lutheriſche Kurfürſt Otto Heinrich im J. 1556 die pfälziſche Unterrichtsordnung erlaſſen, beſeitigte er die Zwiſtigkeiten zwiſchen dem Pädagogium und der Univerſität durch Verſchmelzung des Päda gogiums mit der Neckarſchule(1556), durch beſſere Dotirung der verſchmolzenen Anſtalten und Unter⸗ ordnung der neuen Anſtalt unter den kurpfälziſchen Kirchenrath. Nachdem Otto Heinrich am 12. Febr. 1559 geſtorben war, folgte demſelben Friedrich III. aus der Pfalz⸗Simmeriſchen Linie. Derſelbe wandte der Univerſität und ihren Vorbereitungsanſtalten bedeutendere Mittel zu und ſtellte, indem ihn die Univerſität unter ſolchen Umſtänden bereitwillig unterſtützte, das im Jahre 1556 eingegangene Pädagogium im Jahre 1560 wieder her. Johann Friedrich Hautz erzählt nach den handſchriftlichen Annalen der Univerſität Heidelberg ſehr ausführlich die Verhandlungen, die zum Zweck dieſer Wiederherſtellung des Pädagogiums im Auftrag des Kurfürſten geführt wurden.*) Damals wurde M. Friedrich Zorn als erſter Lehrer an das wiederhergeſtellte Pädagogium gezogen. Derſelbe befand ſich damals in Heidelberg. Von 1552—1558 hatte er auf der dortigen Hochſchule ſtudirt, war 1554 Baccalaureus, 1558 Magiſter geworden. Schon in ſeinen erſten Studienjahren ſcheint er dem Hofprediger und Profeſſor der Theologie, Heinrich Stolo(Stoll) nahe geſtanden zu haben, der mit Paulus Fagius und Philipp Melanchthon dem Kurfürſten Fried⸗ rich II. ein Berather bei der erſten Gründung des Heidelberger Pädagogiums geweſen. Nachdem Friedrich Zorn im Februar 1558 Magiſter geworden, ſcheint er faſt drei Jahre, bis zum November 1560 Schüler durch Privatunterricht für die Univerſität vorbereitet zu haben. In jener Zeit befanden ſich nämlich zu Heidelberg, wie es ſcheint, in Folge des Rückgangs der mit dem Päda⸗ gogium vereinigten Neckarſchule mehrere kleine Privatſchulen, die für den Beſuch der Univerſität vor⸗ bereiteten. Als am 19. October 1560 M. Friedrich Zorn und M. Johannes Poſthius als Lehrer des neuen Pädagogiums angenommen worden, theilen ſie mit, daß gegen vierzig Schüler
„ J. F. Haut⸗, Lycei Heidelbergensis origines et progressus, p. 66— 85.


