Lehrplan der Oberklaſſe der kurſächſiſchen und der kurpfälziſchen Schulordnung vom J. 1556.
findet, ſoll man denſelbigen laſſen laufen und den Kindern einen andern ſuchen, der ſich dieſer Arbeit annehme, die Kinder zu der Grammatica zu halten. Denn kein größerer Schaden allen Künſten mag zugefügt werden, denn wo die Jugend nicht wohl geübt wird in der Grammatica. Das ſoll alſo die ganze Woche gehalten werden, und man ſoll den Kindern nicht jeden Tag ein neues Buch fürgeben. Einen Tag aber, als Sonnabend oder Mittwoch, ſoll man anlegen, daran die Kinder chriſtliche Unterweiſung lernen. Denn etliche lernen gar nichts aus der heiligen Schrift; etliche lehren die Kinder gar nichts, denn die heil. Schrift, welche beide nicht zu leiden ſind. Denn es iſt vonnöthen, die Kinder zu lehren den Anfang eines chriſtlichen und gott⸗ ſeligen Lebens. So ſind doch viele Urſachen, darum daneben ihnen auch andere Bücher ſollen vorgelegt werden, daraus ſie reden lernen. Und ſoll in dem alſo gehalten werden: Es ſoll der Schulmeiſter den ganzen Haufen hören, alſo daß einer nach dem andern aufſage das Vater Unſer, den Glauben und die zehn Gebote.— Und ſoll den Kindern die Stücke einbilden, die noth ſind, recht zu leben, als Gottesfurcht, Glauben, gute Werke. Daneben ſoll der Schulmeiſter den Knaben etliche leichte Pſalmen fürgeben aus⸗ wendig zu lernen, in welchen begriffen iſt eine Summa eines chriſtlichen Lebens, als: die von Gottesfurcht, von Glauben und von guten Werken lehren: als der 112. Pſalm: Wohl dem, der Gott fürchtet; der 34.: Ich will den Herrn loben allezeit ꝛc. Auf dieſen Tag ſoll man Mat⸗ thaeum grammatice exponieren, und wenn dieſer vollendet, ſoll man ihn wieder anfahen. Doch mag man, wo die Knaben gewachſen, die zwo Epiſteln St. Pauli an Timotheum, oder die 1. Epiſtel St. Johan⸗ nis oder die Sprüche Salomonis auslegen. Sonſt ſollen die Schulmeiſter kein Buch vornehmen zu leſen.
Vom dritten Haufen.
Wo nun die Kinder in der Grammatica wohlgeübt ſind, mag man die Geſchickteſten aus⸗
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werden, daß etliche die Reglen verachten, wöllen die Sprach one Reglen lernen“.„Auch iſt nütz⸗ lich, daß im ganzen Land ein gleiche Etymologia und Syntaxis, und nicht mancherley, gebraucht werde“.„Den Mittwoch vnd Sonnabend ſoll man zum Catechismo brauchen, durchaus in allen Haufen, vnd ſollen die Präceptores jeden Jungen nacheinander hören, ganz und deutlich ſprechen Decalogum, Symbolum, precationem Dominicam. Und die größern ſoll man weiter fragen im Catechismo: Quot sunt personae Divinitatis? Quid sit Lex? Quid peccatum? Quid Evan- gelium? Quid poenitentia? Quomodo homo accipit remissionem peccatorum? Und ſoll ernſtlich befohlen werden, daß ein gleicher Catechis⸗ mus durchaus im Land gebraucht werde.“„Und dieſelben Tage ſoll man den Knaben eine Lection aus göttlicher Schrift exponiern. Am Mittwoch Matthaeum oder proverbia Salomonis. Am Sonn⸗ abend die erſte Epiſtel ad Timotheum oder die Epiſtel ad Colossenses oder einen gemeinen Pſalm, als: Miserere, De profundis. Psalmum I.: Beatus vir. Psalmum II: Quare gemuerunt gentes. Psalmum XXIV: Ad te Domine levavi. Psalmum XXXIII: Benedicam Dominum in omni tempore. Psalmum CXXVI: Nisi Domi- nus aedificaverit. Psalmum CXXXII: Eece quam bonum“.„Und ſollen die Schulmeiſter die Grammatic fleißig in derſelben Expoſition anzeigen, und die einig, eigentlich Meinung den Jungen deutlich ſagen und nicht fremde Dis⸗ putationes einfüren. Die Jungen ſollen auch dieſer Pſalmen etliche auswendig lernen, ihr Gebet darin zu üben“.„Etliche Schulmeiſter wöllen eitel heilige Schrift leſen, etliche ganz keine. Dieſe Meinung beide ſind ſtref⸗ lich; ſonder dieſe Ordnung, wie geſagt iſt, ſo man treulich lehren will, iſt der Jugend nutzlich.
„Das dritt Heuflin*)
ſoll man, in den größeren Schulen, alſo machen, das man die Knaben darzu wehlet, die nun
*) Für den Fall, daß in Städten ſo viele Schüler vorhanden ſeien, daß man den„vierten Haufen“


