Lehrplan der Unterklaſſe der kurſächſiſchen und der kurpfälziſchen Schulordnung vom J. 1556. 3
So ſie dieß können, ſoll man ihnen den Donat) und Cato“**) zuſammen fürgeben: den Donat zu leſen, den Cato zu exponieren, alſo daß der Schul⸗ meiſter einen Vers oder zween exponiere, welche die Kinder darnach zu einer andren Stunde auf⸗ ſagen, daß ſie dadurch einen Haufen lateiniſcher Worte lernen und einen Vorrath ſchaffen, zu reden. Darinnen ſollen ſie geübt werden, ſo lange, bis ſie wohl leſen können. Und halten es dafür, es ſoll nicht unfruchtbar ſein, daß die ſchwachen Kinder, die nicht einen ſonderlichen, ſchnellen Verſtand haben, den Cato und Donat nicht ein⸗ mal, ſondern das andermal auch lernten. Da⸗ neben ſoll man ſie lehren ſchreiben und treiben, daß ſie täglich ihre Schrift dem Schulmeiſter zeigen. Damit ſie auch viel lateiniſcher Worte lernen, ſoll man ihnen täglich am Abend etliche Wörter zu lernen fürgeben, wie vor Alters die Weiſe in den Schulen gegeſt iſt.
Die Kinder ſollen auch zu der Muſica ge⸗ halten werden und mit den andren ſingen; wie wir drunten, wills Gott, anzeigen wollen.
Vom andren Haufen.
Der andre Haufen ſind die Kinder, ſo leſen können, und ſollen nun die Grammatica lernen. Mit denſelben ſoll es alſo gehalten werden. Die erſte Stunde nach Mittage täglich ſollen die Kinder in der Muſica geübt werden, alle, klein und groß. Darauf ſoll der Schul⸗ meiſter dem andern Haufen auslegen die fabulas Aesopi erſtlich. Nach der Vesper ſoll man ihnen exponieren Paedologiam Mosellani,***) und wenn dieſe Bücher gelernt, ſoll man aus den Colloquiis Erasmi wählen, die den Kindern nützlich und züchtig ſind. Dieſes mag man auf den andren Abend repetieren. Abends,
*) Nach Aelius Donatus, der im 4. Jahrh.
Kindern nit andere Bücher fürgeben werden“.
„Hernach ſoll man ihnen den Donat*) vnd Caton**) zuſammen fürgeben, alſo daß der Schul⸗ meiſter teglich einen oder zween Vers exponiere, welche die Kinder hernacher zu einer andern Stund aufſagen, daß ſie alſo anfahen, etliche lateiniſche Wörter zu kennen, und Vorrat ſchaffen, die lateiniſche Sprach zu reden; und iſt nutzlich, daß ſie den Donat und Caton nicht allein ein⸗ mal leſen, ſonder auch das andermal“.„Darbey ſoll man ſie lernen ſchreiben vnd ernſtlich darzu⸗ halten, daß ſie teglich ihre Schrift dem Schul⸗ meiſter weiſen“.„Item, damit ſie deſter mehr lateiniſcher Wort lernen, ſoll man ihnen teglich am Abend zwey lateiniſche Wörter zu lernen fürgeben, die ſie behalten vnd morgens dem Schulmeiſter aufſagen ſollen. Und ſollen ſie in beſondere Büchlein ſchreiben oder ſchreiben laſſen, als Deus Gott, Coelum Himmel“.„Dieſe Kinder ſollen auch zur Muſica gehalten werden, und mit den andern ſingen, wie hernach angezeigt wirdt“. „Das ander Heuflin
ſind Kinder, die nun im Leſen gewiß ſind, vnd die Regulas Grammaticae anfahen“.„Teglich ſoll man die erſte Stund nach Mittag alle Knaben in der Muſica üben. Hernach ſoll man dieſem Heuflin, das leſen kann, welches mag genennet werden: Secunda classis, die zween Tag Montag und Dienſtag Fabulas Aesopi exponieren, welche Joachimus Camerarius lateiniſch gemacht hat. Und ſoll der Schulmeiſter, nach Gelegenheit der Knaben, wählen, welche er will. Mag auch etliche, liebliche Colloquia Erasmi leſen und Erasmi Büchlin de Civilitate Morum, und das Büchlin Joachimi Camerarii, welchs Titel iſt:
n. Chr. in Rom Grammatik lehrte, und aus deſſen ars
grammatica im Mittelalter Lehrbücher der lateiniſchen Sprache hervorgingen, wurde der Name„Donat“ Be⸗ zeichnung eines grammatiſchen Lehrbuchs im Allgemeinen. **r)„Dionysii Catonis Disticha de moribus ad filium“— ein nach Cato Uticenſis benanntes, im Mittelalter
viel gebrauchtes Schulbuch.
**) Chreſtomathie des Petrus Moſellanus, eines Zeitgenoſſen Melanchthons, der in Leipzig lehrte: „Praeest Musaeo Lipsiensi Mosellanus ille, qui duetu Aristophanis poetae Graeci Lipsienses praestantiori linguae
restituit“, Franc. Jrenici Exeges. Germ. p. 45. ; 8 P
Vgl. K. v
. Raumer, Geſch. d. Päd., Th. J. S. 151. Anm.
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