82 Die für die dreiklaſſige Lateinſchule zu Worms vorbildlichen Schulordnungen.
genommenen Reform der Heidelberger Univerſität mit ſeinem Rathe zu unterſtützen.*) Schon ein Jahr vorher(1556) ſcheint Melanchthon auch bei der Feſtſtellung der Kurpfälziſchen Schulordnung perſönlich mitgewirkt zu haben. Dieſelbe iſt überdies faſt wörtlich aus der im Jahr 1552 erlaſſenen Mecklenburgiſchen Kirchenordnung entnommen, die nach dem Vorbilde des Melanchthon’ſchen Schul⸗ planes von dem Roſtocker Profeſſor Joh. Aurifaber und drei andren Theologen entworfen und von jenem perſönlich Melanchthon zur Prüfung übergeben wurde.“**) Im Jahre 1557 wurde auch eine Kirchenagenda der Freiſtadt Worms nach vorhergehender Prüfung und Billigung Melanchthons veröffentlicht. Und wenn nun in den Jahren 1556 und 1557 Melanchthon in Heidelberg die Einrichtung des dortigen Pädagogiums und der Univerſität berathen half und in Worms, bei perſönlicher Anweſenheit, die Kirchenagenda prüfte, ſollte er da nicht auch dahin gewirkt haben, daß die Wormſer Lateinſchule Einrichtungen empfing, die ſeiner Kurſächſiſchen und der von ſeinem Geiſte getragenen Kurpfälziſchen Schulordnung nahe verwandt waren? Es verlohnt ſich deßhalb zunächſt, die gedachten Schulordnungen Melanchthons und der Kurpfalz zu vergleichen und dann hiermit den Lehrplan zuſammenzuhalten, nach dem M. Friedrich Zorn in dem Schuljahre 1560/61 als erſter Lehrer und Rector des Pädagogiums zu Heidelberg für die dortige Uuiverſität in einer zweiklaſſigen Anſtalt vorbereitete, welche die Elementarſchüler ausſchloß und einen gewiſſen Grad der Kenntniß der lateiniſchen Grammatik bei der Aufnahme der Schüler vorausſetzte. Im Nachfolgenden ſind die gedachten Lehrpläne, die höchſtwahrſcheinlich für die Wormſer Schule vorbildlich oder maßgebend waren, zuſammengeſtellt.
Die für die dreiklaſſige Lateinſchule zu Worms vorbildlichen Schulordnungen.
Aus Melanchthons Schulordnung vom J. 1528, reſp. 1538.
Vgl. Vormbaum, Evang. Schulordn., B. I. S. 1—8;
v. Raumer, Geſch. der Pädagogik, B. I. S. 155— 158.
Der folgende Abdruck befolgt v. Raumers Schreibweiſe.
„Erſtlich ſollen die Schulmeiſter Fleiß an⸗ kehren, daß ſie die Kinder allein Lateiniſch lehren, nicht Deutſch oder Griechiſch oder Ebräiſch. Zum andern ſollen ſie die Kinder nicht mit vielen Büchern beſchweren. Zum dritten iſt's noth, daß man die Kinder zertheile in Haufen.
Vom erſten Haufen.
Der erſte Haufen ſind die Kinder, die leſen lernen. Mit denſelben ſoll dieſe Ordnung gehalten werden. Sie ſollen erſtlich leſen lernen der Kinder Handbüchlein, darinnen das Alphabet, Vater Unſer, Glaube und andere Gebete innen ſtehen.
Aus der Kurpfälziſchen Schulordnung vom J. 1556.
Vgl. Vormbaum, B. I. S. 66— 68, und die Mecklen⸗ burgiſche Schulordn. ebendaſelbſt S. 59— 65.— J. F. Hautz, Lycei Heidelberg. orig. et progr. p. 59— 65.—
„Erſtlich ſollen die Kinder ordentlich in drei oder vier Heuflein, nach Gelegenheit, getheilt werden“.
„Das Erſte Heuflin ſind die jüngſten, die anfahen die Buchſtaben zu kennen vnd lernen leſen. Die ſollen erſtlich die gewohnliche Handbüchlein lernen, darin das Alphabet, oratio dominica, Symbolum, Decalogus zuſammengedruckt ſein, und ſollen im Anfang den
*) Hautz, Geſchichte der Neckarſchule in Heidelberg, S. 33, citirt als Quellen: Acta ordin. philos. Univers.
Heidelb. T. IV. Fol. 67 a. Annales Univ. Heidelb. T. VII. Fol. 278 b. **) Vormbaum, Evang. Schulordn. B. 1, S. 59. Anm.


