Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Die urſprüngliche dreiklaſſige Lateinſchule zu Worms. 81

Aus der vorſtehenden Ueberſicht ergibt ſich nun für den Zeitraum von 15651608 Folgendes:

1. In der erſten Klaſſe, d. h. in der Klaſſe des Rectors, fungirten: Rector M. Friedrich Zorn und zu deſſen Unterſtützung ſeit 1597 auch deſſen Sohn M. Phil. Chriſtoph Zorn.

2. Als Prorectoren oder Conrectoren unterrichteten in der zweiten Klaſſe: M. Caspar Walter, Paulus Wells, M. Nicolaus Asfalck, Wolf Lepusculus, Chriſtoph Rheiner, M. Martinus Rockius, Johann Ritter, Lepusculus junior, M. David Waſius. Unter dieſen waren Paulus Wells und Lepusculus junior zugleich mit dem Muſikunterricht betraut.

3. Präceptoren der dritten Klaſſe waren: Crispin Böttcher, Wendel Kob, Johann Haas, M. Joh. Zorn. Unter dieſen war Johann Haas von 15771602 zugleich Cantor.

4. In einer von der dritten Klaſſe abgezweigten vierten Klaſſe wirkten 15721588: Johann Utrer, Johann Lautenſchleger, Martin Silberborn, Urban Wenck, Wolf Lepusculus. Die vierte Klaſſe ſcheint 1588 wieder eingegangen zu ſein.

5. Außer den vorgedachten vier Klaſſen beſtand in den Jahren 15821586 eine weitere Klaſſe, die zwiſchen der erſten und zweiten Klaſſe eingeſchoben war, ſo daß die erſte Klaſſe diejenige der Selecti geweſen zu ſein ſcheint. Lehrer dieſer Unterprima, die nur vier Jahre beſtand, waren: M. Conrad Hildebrand und Urban Packmann.

6. Im J. 1583 hatte Worms außer der lateiniſchen Stadtſchule auch eine deutſche Volksſchule; denn Johann Lautenſchleger wurde am 29. mali 1583 deutſcher Schul⸗ od. Rechen⸗ meiſter. Vgl. oben die Nachrichten über das Augsburger Interim, S. 59. Da durch die Angaben des vorſtehenden Lehrerverzeichniſſes zugleich das Klaſſenſyſtem und die Entwickelung des Gym⸗ naſiums in den weſentlichſten Beziehungen angedeutet wird, iſt es möglich, weitere Schlüſſe auch bezüglich des Unterrichts zu ziehen.

Der Rath der Stadt Worms ſtand frühzeitig durch die Wittenberger Prediger Preu und Freyherr und durch ſein kirchliches Bekenntniß mit Luther und Melanchthon in naher Beziehung; und es iſt deshalb zu vermuthen, daß auch in der Lateinſchule der Stadt Worms von Anfang an die von beiden Reformatoren entworfene ſog. ſächſiſche Schulordnung zur Richtſchnur genommen wurde, die in einem großen Theile von Deutſchland überall dort befolgt wurde, wo dieſe Refor⸗ matoren beſtimmend auf die Entwickelung der Kirche und Schule einwirkten. Auch iſt zu beachten, daß unter den Lehrern, die das oben abgedruckte Lehrerverzeichniß aufführt, mehrere von denjenigen, deren Heimatsort genannt iſt, aus Norddeutſchland kamen: Crispin Böttcher aus Lüdersfeld, Paulus Wells aus Wittenberg, Johann Utrer aus Zerbſt. Die Heimat einiger Lehrer iſt nicht bekannt. Gerade die Vertheilung der lernenden Jugend in drei Haufen oder Klaſſen, welche der Plan Luthers und Melanchthons bei der Errichtung einer Stadtſchule für erforderlich hielt, findet ſich in der Wormſer Stadtſchule ſogar unter Zorns Rectorat noch bis zum J. 1576. Man⸗ darf deshalb wohl annehmen, daß in dieſer Anſtalt vom Jahre 1527 an zunächſt die Durchführung eines Lehrplans von ſo einfachen Formen angeſtrebt wurde, wie er in der ſächſiſchen Schulordnung vom Jahre 1528 enthalten war, die von Melanchthon noch im Jahr 1538 feſtgehalten wurde. Melanchthon hat bekanntlich an viele Magiſtrate deutſcher Städte eine große Anzahl von Briefen geſchrieben, in denen er denſelben bei der Einrichtung von Schulen Rath ertheilt. Wir haben nun zwar noch keinen Brief aufgefunden, den Melanchthon an den Rath zu Worms geſchrieben, allein Melanchthon hielt ſich mehrmals(1540, 1557) perſönlich zu Worms auf; und er hat ohne Zweifel den Wormſern in Kirchen⸗ und Schulangelegenheiten zur Seite geſtanden. Als im Jahre 1557 Melanchthon in Worms dem Religionsgeſpräche beiwohnte, begab er ſich auf die Bitte des Kur⸗ fürſten von der Pfalz Otto Heinrich nach Heidelberg, um denſelben bei der in Angriff

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