78 Quelle für die Geſchichte der Entwickelung des Gymnaſiums im 16. Jahrhundert.
vorhandenen Taufprotocollen der lutheriſchen Kirchengemeinde als wirklich vorhandne Perſonen verzeichnet worden, die in jener Zeit Kinder taufen ließen. Aus dem gedachten Verzeichniß der unter Zorn wirkenden Lehrer iſt nun zu erſehen, daß die Lateinſchule zur Zeit des Dienſtantritts Zorns, im J. 1565, drei Lehrer und drei Klaſſen hatte, daß erſt im J. 1576 die dritte oder unterſte Klaſſe wegen der Menge der Schüler derſelben in zwei Klaſſen getrennt wurde, als Johann Utrer als vierter Lehrer in die neue, vierte Klaſſe eintrat. Nach den Angaben des Verzeichniſſes trat im J. 1582 ein fünfter Lehrer in eine neue, zwiſchen der erſten und der zweiten Klaſſe eingeſchobene Klaſſe ein; und in fünf Klaſſen unterrichten nun Rector Zorn und die Präceptoren Haas, Asfalck, Silberborn und Hildebrand. Da das erwähnte Verzeichniß der unter Zorns Leitung zu Worms wirkenden Lehrer bis jetzt das einzige Zeugniß iſt, woraus für das 16. Jahrhundert auf die Organiſation und die Entwickelung der lutheriſchen Lateinſchule der Stadt Worms geſchloſſen werden kann, ſo iſt es nothwendig, daſſelbe durch den Druck zu erhalten und hier zunächſt vollſtändig mitzutheilen. Dies geſchieht in der Weiſe, daß neben dem Verzeichniß überſichtlich angedeutet wird, wie die jeweilig eintretenden Lehrer entweder früheren Lehrern ſuccedirten oder zum Zweck der Bildung neuer Klaſſen in die Anſtalt eintraten. Daß die Succeſſion der Lehrer aus dem Verzeichniß ſich ergibt, erhöht deſſen Glaubwürdigkeit.
Zunächſt aber dürfte es am Orte ſein, hier die mehr äußerlichen Notizen über Zorns Lebens⸗ gang zuſammen zu ſtellen, die der Pfarrer M. Andreas Wilk überliefert hat.„Anno 1538 ultimo die Februarii vesperi hora septima iſt er allhie zu Wormbs von chriſtlichen Eltern geboren und auf die Welt kommen. Ao. 1552 auf Margarethae, als er 14 Jahr alt geweſen, iſt er gen Heidelberg kommen, da er ſeine studia continuirt und bei Mag. Henrico Stolone Predigern ſein Unterſchleif gehabt. Ao. 1554 mense Novembri, da er 16 Jahr alt geweſen, iſt er allda Bacca- laureus worden.— Ao. 1558 mense Februario, im 20. Jahr ſeines Alters iſt er Magister bonarum artium und Anno 1559 Paedagogiarcha adjunctis collegis Magistro Johanne Posthio und Magistro Philippo Gisselbachio worden. Ao. 1561, als der Calvinismus zu Heidelberg ein⸗ geriſſen, iſt er gen Oppenheim mit einem ſtattlichen Stipendio zum Schuldienſt vocirt worden. — Ao. 1565 auf Fronfeſt crucis, als auch zu Oppenheim der Calvinismus eingedrungen, iſt er, als er 27 Jahr alt geweſen, gen Wormbs in patriam zum Rectorat in die Schule berufen worden.— Ao. 1568, 17. Februar., ſeines Alters im 30. Jahr, hat er ſich allhie mit einer gottſeligen, ehrlichen Jungfer Margaretha, G. L. Hasseln ehelicher Tochter(quae nata anno 1540 die Margarethae) in den heiligen Eheſtand begeben.“(Handſchrift F der Zorn ſchen Chronik, Fol. 685, 686.)„Er hat ſich nit allererſt in ſeinem hohen Alter, ſondern bei rechter Zeit, vor vielen Jahren, ja von Jugend auf ſeiner Sterblichkeit erinnert und ſich zu einem ſeligen Ende und Abſcheid aus dieſer Welt bereitet. Denn er nit gemeint, daß er ſo lang leben und ſo ein hohes Alter, nemblich das 73. Jahr erreichen würde. Dieſe Worte hab ich oft aus ſeinem Munde gehört, das wär ein rühmlicher Tod, ſo einer ſtürbe, wenn er noch vermöglich wär und könnte den Leuten noch wol dienen und Nutz ſein, daß man ihm nachſagte: Es iſt ſchade für den Mann, daß er in der Erden liegen ſoll. So hat er in ſeinem Leben, ſonderlich in ſeinem Schulamt und Beruf einen guten Kampf gekämpft, ſeinen Beruf chriſtlich vollendet und Glauben gehalten. Was ſeinen Kampf anlangt, da weiß man wol, daß man im Schulſtande nit auf Roſen gehet und auf ſanften Pulſterlein ſitzet, ſondern recht Augiae stabulum fegen muß. Da hat er genug zu kämpfen gehabt mit mutwilligen, ungehorſamen Knaben und ihren undank⸗ baren Eltern. Denn man in Auferziehung und Unterweiſung der Jugend nit allezeit Dank verdient, da kann mans niemands recht machen. Da iſt des Klagens kein End: etlichen iſt man zu hart und ſtreng, etlichen zu gelind und weich. Das hat er ſich aber nit irren laſſen“ ꝛc.(a. a. O. Fol. 683—685.)


