Das lutheriſche Bekenntniß und die urſprüngliche Organiſation des Wormſer Gymnaſiums. 77
erzogen und ſie nicht gewieſen zu den ſtinkenden Ciſternen menſchlicher Vernunft, ſondern geführet zu dem heilſamen Bronnen Israelis. Und weil er wohl gewußt, daß dieß die beſte Form zu lehren iſt, wenn man ſelber mit gutem Exempel der aufwachſenden Jugend fürleuchtet, ſo hat er ſich eines gottſeligen, ſtillen, ſittſamen, nüchternen und eingezogenen Lebens befliſſen, ſich nicht in fremde Händel eingemengt, ſondern allein ſeinen Büchern mtt Fleiß obgelegen. Iſt in historiis ein erfahrener und gleich der Stadt allhie Magiſter in fürfallenden wichtigen Sachen ein anſchlagiger Mann und ein nützlicher Rath⸗ geber geweſen, der einen guten Ausſchlag hat geben können. Hat zu richtiger Ordnung gute Luſt gehabt und iſt aller Unordnung Feind geweſen. Was ſeine Beſtändigkeit anbetrifft, da hat er bis an ſein Ende Glauben gehalten, iſt bei der reinen Lehr, beſtändig blieben, hat ſich durch die eingefallenen Streit in Religions⸗ ſachen nicht hindern noch irre machen laſſen. Und ob er wohl höher und zu größeren Ehren hätte können kommen, da er hätte ein berühmter Profeſſor auf einer hohen Schule werden können, hat er doch lieber ſeinem Vaterland wollen dienen und in der Schule allhier er⸗ ſterben.“*)
Nach den Mittheilungen, die Wilk über Zorns Ausbildung, Character und Wirkſamkeit macht, empfing derſelbe zu Worms nicht nur ſeine ſtreng lutheriſche Richtung, ſondern auch ſeinen erſten Unterricht in den Wiſſenſchaften in derjenigen Schule, deren Rector er ſpäter wurde. Da Zorn, der am letzten Februar 1538 zu Worms geboren wurde, in dem Wormſer Gymnaſium bis zum Jahre 1552 bereits ſoweit gebildet war, daß er in Heidelberg von Margarethä 1552 bis November 1554 zum Baccalaureus ſich heranbilden konnte: ſo kann vermuthet werden, daß der⸗ ſelbe etwa ſeit dem Jahre 1543 oder 1544 das Wormſer Gymnaſium als Schüler beſucht habe. Damals beſaß alſo die lateiniſche Stadtſchule bereits ſolche Einrichtungen, daß in derſelben ein Schüler wie Friedrich Zorn nach damaligen Anforderungen in einem Zeitraum von 8—9 Jahren von den erſten Elementen bis zu den für den Beſuch der Univerſität vorbereitenden Disciplinen ſich auszubilden vermochte. Dies ſetzt voraus, daß die Anſtalt bereits vorher eine ziemlich feſte Organiſation mußte gewonnen haben; und es iſt deshalb mehr als wahrſcheinlich, daß ſchon damals in der Wormſer Lateinſchule im Einklang mit den Einrichtungen Melanchthons und der ſächſiſchen Schulorduung die drei Klaſſen vorhanden waren, die— wie nun zu erweiſen iſt— Zorn nach ſeiner Wirkſamkeit in Heidelberg und Oppenheim in der Wormſer Lateinſchule im J. 1565 vorfand, als er das Rectorat derſelben antrat. Warum ſollte auch die Stadt Worms, die unter den deutſchen Reichsſtädten auch im Beginn des 16. Jahrhunderts immer noch eine her⸗ vorragende Stellung einnahm, nicht im Stande geweſen ſein, eine dreiklaſſige Lateinſchule ein⸗ zurichten und zu erhalten, wenn ſolche ſogar in kleineren Städten vorhanden waren? Allein wir ſind bezüglich des Umfangs und der Einrichtungen, die das Wormſer Gymnaſium im 16. Jahr⸗ hundert beſaß, nicht bloß auf Vermuthungen angewieſen.
In der ſchon öfter erwähnten handſchriftlichen Chronik der Stadt Worms, die ſich im Be⸗ ſitz der Wormſer Gymnaſialbibliothek befindet, iſt auf den Blättern 431 b und 432 ein Verzeichniß der unter Zorns Rectorat an deſſen Schule wirkenden Lehrer enthalten. Die Glaubwürdigkeit deſſelben iſt dadurch ſicher geſtellt, daß z. B. die in demſelben genannten Lehrer M. Johann Zorn und M. David Waſius, die nach dem Verzeichniß im Jahre 1608 Lehrer des Wormſer Gymnaſiums geweſen ſein ſollen, auch in den im Bureau des Civilſtandsbeamten zu Worms gegenwärtig noch
*) Handſchrift F der Zorn'ſchen Chronik, im Wormſ. Archiv, Fol. 686— 688.


