Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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70 Innerer Zuſammenhangin den Ausſagen über die Verpflanzung des Gymnaſiums in das Barfüßerkloſter.

denn der provincial zuforderſt alle Clinodia, Kirchen Zierde, vnd Haußrath, ſo die vor darinnen geweßenen Brüder gelaßen, zu ſich genommen) nicht mit geringen Beſchwehrden erhalten[2 und daſſelbig durch eine freye unwiderruffliche übergab von dem provincial mit Vorwißen des generals vnd dann des gantzen Ordens(wie auch etliche deputirte Ordens Perſohnen, von des Capituls wegen, bey ſolcher übergab geweßen) gegen nit kleiner Ergötzlichkeit, ſo der Provincial andern ſeines Ordens Klöſtern außzutheilen empfangen, vermittelſt Päpſtlicher Heiligkeit beſchehener confirmation, auch der Röm. Kayſerlichen Majestaet Vnſeres Allergnädigſten Herrn Wißen, alſo erwachſen, vnd Euch daßelbig ſonder Zweiffel ſelbſt ohnverborgen iſt: ſo ſeynd wir der Getröſtung, Ihr werdet Euch ſelbſt ſo viel zu berichten haben, daß Ihr euerer Forderung unbefugt und darauf derſelben jetzo und hinführo gütlich vnd freundlich abſtehen; welches von Euch zu geſchehen, Wir vns alßo getröſten, vnd ſolches Euch, denen Wir in andre Wege angenehme Dienſte zu beweißen geneigt, zu begehrter Wiederantworth nicht verhalten wollen. Datum Mittwochß d. 3ten april 1549. Städt⸗Burger⸗ meiſter vnd Rath des heil. Reichß Stadt Wormbß.(Vgl. Fol. 26, Lit. F.)

Die vorſtehenden Angaben finden noch eine Beſtätigung in einigen Ausſagen, die in einem von uns ſpäter zu beſprechenden, von dem Magiſtrat der Stadt Worms an den Kaiſer Ferdinand II. unter dem 22/12. December 1628 gerichteten Schreiben enthalten ſind, durch welches der Magiſtrat nachzuweiſen genöthigt war, daß er das von den Franziskanern zurückgeforderte Kloſter, in dem die Lateinſchule ſich befand, in richtiger Form erworben und bezahlt habe. In dieſem Schreiben aus dem Jahre 1628 äußerte der Magiſtrat:Iſt ſolchem nach an dem, alß mehr gedachtes Kloſter zum Barfüßer, nunmehr unſer lateiniſche Stadtſchule, vor mehr alß 100 Jahren, aus abſterben und ermangel mehr ermelter Ordensbrüder, leer geſtanden. Die Wortevor mehr als 100 Jahren weiſen aus dem Jahre 1628 mindeſtens in das Jahr 1527 zurück.

Reſultat.

Nach den vorſtehenden Ausſagen der Chroniken, der Urkunden des Darmſtädter Staats⸗ archivs und der Urkunden⸗Abſchriften des Wormſer Archivs wurde die lutheriſche Stadtſchule oder Lateinſchule zu Worms etwa unter folgenden Umſtänden in dem Barfüßerkloſter an der Petersgaſſe untergebracht. In dem genannten Kloſter lebte im Jahre 1527 nur noch ein Mönch, dem der Magiſtrat auf Matthiä Apoſtoli dieſes Jahres mittheilt, daß er in die Conventſtube des Kloſters die Schulegeordnet habe. Dieſer Mönch dürfte der obengenannte Hans Georg Sand, ein Wormſer, geweſen ſein, der das Kloſter, ſei es mit, ſei es ohne Vorwiſſen ſeines Ordens im Jahre 1532 auf⸗ gegeben und der Stadt Worms überlaſſen haben ſoll. Da das Kloſter in ſchadhaftem Zuſtand und ſein Orden ohne Mittel war, gelang es dem Magiſtrat durch Verhandlungen, die im Jahre 1539 ihren Abſchluß fanden, von dem Ordensprovinzial Bartholomäus Hermann die Gebäude des Kloſters und den dazu gehörigen Platz unter Beobachtung aller rechtlichen Formen, gegen Zahlung einer Summe von 700 fl. und 30 fl. für entſtandene Koſten, unter der Zuſicherung der zu erwirkenden Genehmigung des Papſtes und des Kaiſers zu erwerben. Das angekaufte Kloſter wurde mit ſeinen Einkünften der Verwaltung des ſtädtiſchen Spitals übergeben, das vor der Martins⸗ pforte lag und dieelende Herberg(hospitale peregrinantium) hieß, vielleicht weil durch dieſe Form des Verkaufs die Thatſache verdeckt wurde, daß der Orden ein Kloſter für die Zwecke einer ketzeriſchen Schule abtrat. Zugleich mußte der Franciskaner⸗ oder Barfüßerorden, nachdem er ſein Kloſter zu Worms aufgegeben, für die durch Worms reiſenden Glieder ſeines Ordens ein anderes Domicil herrichten, weshalb er denſelben die Unterkunft in genannter Fremdenherberge ausbedingen mußte. Der Magiſtrat vermochte alsdann, da dieelend Herberg ein ſtädtiſches Inſtitut war, die Gebäude und den Platz des Barfüßerkloſters der lateiniſchen Schule zu überlaſſen. Gewiſſe