64 Ausſagen der Chroniken über die Erwerbung des Franziskanerkloſters für das Gymnaſium.
M. Friedrich Zorn, im Jahre 1613 geſchrieben haben ſoll.*) M. Andreas Wilk kam, 34 Jahre alt, im Jahre 1585 als Prediger nach Worms. Da er dem Rector Zorn und deſſen Gymnaſium ſehr nahe ſtand, ſo iſt es mehr als wahrſcheinlich, daß er über die Gründung der lutheriſchen Stadtſchule oder der Lateinſchule zuverläſſige Nachrichten empfangen hat. Die zuletzt erwähnte Chronik theilt S. 590 die Nachricht der Handſchrift B in folgender Form mit:„Anno 1527 Mitwoch nach Matthiae Apostoli hat ein Rath Matthias von Schönberg befholen, dem Münch im Barfüßer Kloſter zu ſagen, das ein Rath der jungen Kinder Schul in das Kloſter, in ihr Conventſtuben geordnet, vnd das er ſich der geſelſchafft mit kegeln, damit die Jungen in ihrer Lehr dadurch nit verhindert würden, forther enthielt.“ Und faſt mit denſelben Worten erzählt die Chronik der Wormſer Gym⸗ naſialbibliothek:„Anno 1527 Mittwochs nach Matthiae Apostoli hat E. E. Rath Matthias von Schönberg befohlen, denen München im Barfüßer⸗Kloſter zu ſagen, daß derſelbe derer jungen Kinder Schul in das Kloſter, in ihre Conventsſtuben, geordnet, und daß die Mönche der Geſellſchaft mit Kegeln, damit die Jungen in der Lehr dadurch nicht gehintert würden, ſich fürterhin enthielten.“ Da der Verfaſſer der Chronik unſrer Gymnaſialbibliothek erſt gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts lebte(vgl. Fol. 267, 269, 270), ſo erſcheint die Nachricht der Handſchrift B der Zorn’'ſchen Chronik und der Chronik des Jahres 1613 glaubwürdiger, wonach zur Zeit der Errichtung der lutheriſchen Stadtſchule zu Worms in dem dafür in Beſchlag genommenen Barfüßerkloſter nur noch ein Mönch ſeinen Wohnſitz hatte. Die Chronik der Wormſ. Gymn.⸗Bibliothek enthält nun noch einige Notizen, die zwar durch Zeugniſſe wirklicher Urkunden bis jetzt noch nicht beſtätigt ſind, aber beachtet werden müſſen, weil alle andren Nachrichten, die dieſe Chronik bezüglich der in dem Barfüßerkloſter an der Petersgaſſe angelegten lateiniſchen Schule enthält, durch andre Zeugniſſe, theilweiſe durch Urkunden des Wormſer Archivs, beſtätigt werden. Die genannte Chronik ſchreibt:„Anno 1532 hat der Provinzial des Barfüßer⸗Kloſters dem Hans Georg Sand dieſes Kloſter in der Petersgaß ſammt allem Zugehör eigenthümlich übergeben, daraus iſt hernach die lateiniſche Schul gemacht**) worden: Denn es war die Kirch und das Wohnhauß verfallen und wurde eigentlich nur der leere Platz*r) dem Sand überlaßen“.(Fol. 241²2 b.)„Anno 1539 confirmirte Karl V. die lateiniſche Schul“.(Fol. 241 ³ a). Die Chronik der Gymnaſialbibliothek(Fol. 157 b) und die Handſchrift F der Zorn ſchen Chronik(Fol. 391) enthalten außerdem folgende Angabe:„Anno 1532 hat Georgius Sant, einziger conventual des Baarfüßer⸗Kloſters der niederen Brüder zu Worms
*) Die Chronik des Pfarrers Andreas Wilk wird auch von Schannat(klist. Episc. Worm. tom. I. p. 212) erwähnt. Ueber Andreas Wilk ſchreibt nach M. Georg Wilhelm Muhl, der Pfarrer und Gymnaſial⸗ viſitator zu Worms in den Jahren 1759—1793 war und die ſchon erwähnte Geſchichte der Wormſer Pfarrer geſchrieben, die Chronik der Wormſer Gymnaſialbibliothek, Fol. 418 b.:„Ein Schleuſinger von Geburt, iſt erſtens Prediger zu Biſchofsheim auf dem Kraichgau ſam Kraichfluß in Baden], welches Städtlein zuſtändig iſt dem Herrn von Helmſtadt, eine Zeit lang geweſen, auf Abſterben aber des Pfarrers Nicolaus Pultz nach Worms gekommen, daſelbſt 31 Jahr lang Prediger geweſen und endlich den 12. Aug. 1616 und im 65. aetatis geſtorben. Er war des Herrn Rectoris Zorns Gevattermann und hatte desſelben Chronicon Wormatiense anno 1613 ſchön geſchrieben ſamt einem ſauberen Lobgedicht hinterlaſſen.“ **) Hiermit iſt offenbar geſagt, daß das baufällige Barfüßerkloſter umgebaut wurde oder daß auf dem Gebiete deſſelben Neubauten für die lateiniſche Schule aufgeführt wurden.
r) Die obige Beſchreibung übertreibt wohl etwas. Denn wir wiſſen(ſ. oben S. 51.), daß noch im Jahre 1528 Pfarrer Ulrich Sitzinger in der Barfüßerkirche taufte. Die gedachte Uebertreibung rührt wohl daher, daß in den Jahren 1627 und 1628, als Franziskaner, Jeſuiten, Kapuziner die Kloſtergebäude von der Stadt zurückforderten, der Werth des durch die Stadt erkauften Kloſters als ſehr gering und vollſtändig erſetzt dargeſtellt wurde.


