50 Die Prediger Sitzinger, Schlaginhauffen, Rom, Hilarius erbitten des Raths Hülfe.
von berurter unſer keyſerlichen macht, hiemit, das ir uff den Achtzehenden tag, den nechſten nach aus⸗ gang obgemelter Sechs tagen(der wir Euch und Ewer jedem Sechs für den Erſten, Sechs für den andern und Sechs für den dritten letſten und entlichen rechttag ſetzen und benennen, peremptorie, oder ob derſelb tag nit eyn gerichtstag ſein würde, den nechſten gerichtstag darnach) ſelbs oder durch Ewere vollmechtige anwelde an gedachtem unſerm Camergericht erſcheinet, dieſelben Ewere inreden im Rechten fürzupringen, der ſachen und allen iren gerichtstagen und termynen biß nach entlichem beſluß und urteyl aufzuwarten. Wann Ir komet und erſcheinet, alsdann alſo, oder nit, ſo wird nicht deſtmynder uf des gehorſamen teyls oder ſeines anwalts anruffen und ervordern hierinn im Rechten gehandelt und procedirt, wie ſich das nach ſeiner ordnung gepurt. Darnach wiſſet Euch zu richten. Geben in unſer und des Reichs Stat Speier am vier und zweyntzigiſten tag des Monats Marcii. Nach Criſti gepurt fünfzehenhundert und im acht und zweyntzigiſten, unſerer Reiche des Romiſchen im Neunten und der andern aller im dreizehenden jarn.“ gez.: Ferdinandus Imperator.*)
Das kaiſerliche Mandat war zwar nur gegen den hervorragendſten unter den damaligen evangeliſchen Predigern, gegen den vom Rath zur Kindertaufe beſtellten Ulrich Sitzinger gerichtet; allein der Schlag, der ausgeführt werden ſollte, galt allen jenen Geiſtlichen zu Worms, die von der römiſchen Kirche abgefallen waren, ſich verheirathet hatten, aber im Genuß ihrer Pfründen geblieben waren. Deshalb ſchließen ſich Sitzingers Vertheidigung ſofort Ulrich Schlaginhauffen, der ſich als Pfarrherr zu St. Mangen unterzeichnet, und Johann Rom, Caplan daſelbſt, an. Dieſe nehmen offenbar in Worms noch im Jahre 1528 diejenige Stellung ein, zu welcher ſich der geſammte Clerus am 3. Mai 1525 dem Rath zu Worms ver⸗ pflichtete. Nun wurden ſie die Opfer der damaligen unbeſonnenen Politik des Raths, der unter dem Druck ſeiner aufgeregten Gemeinde handelte. Die von Rom abgefallenen Prediger, die ſich verheirathet hatten oder noch die Pfründen der Kirche, von der ſie ſich abgewandt, beſaßen, be⸗ fanden ſich in den Jahren 1527 und 1528 in ſchlimmer Lage, weil der Rath nach dem Abſchluß der Rachtung vom 18. April 1526 eine ganz veränderte Haltung einnehmen mußte und nicht nach dem Beiſpiele anderer Stände des Reichs trotz des Nürnberger Reichsabſchieds Stiftsgüter zu ſeculariſiren oder verehelichte Geiſtliche in ihren Pfründen zu erhalten und zu ſchützen vermochte. Vergeblich beriefen ſich Sitzinger, Schlaginhauffen und Rom in ihrer Angelegenheit auf das Urtheil der Magiſtrate zu Nürnberg, Augsburg, Straßburg und Ulm. Weil Ferdinand I. und die beiden Brüder Biſchof Heinrich IV. und Pfalzgraf Ludwig V. die Stadt bedrohten, zog es der Rath zu Worms vor, Sitzinger, den er als Kindertäufer beſtellt, von dieſer Stelle zurücktreten zu laſſen und an deſſen Stelle einen unverheiratheten Prediger, den Elſäſſer M. Leonhard Brunner mit einem Gehalt aus dem Aerarium der Stadt anzuſtellen. Umſonſt betheuern die bedrohten Geiſtlichen in einer an den Rath gerichteten gemeinſamen Eingabe, daß ſie nach Gottes Wort nicht untauglich zu ihrem Amte ſeien. Ihre Gegner ſeien vielmehr mit dem Stricke ihrer Sünde gehalten’. Sie berufen ſich vergebens auf den jüngſten und maßgebenden Reichstagsbeſchluß, auf den Speierſchen Reichsabſchied vom Jahre 1526. Sie erbieten ſich ſogar, vor einer Verſammlung des Reichs zu erſcheinen, damit man erkenne, wer Recht und Unrecht
*) Original im Staatsarchiv zu Darmſtadt; dasſelbe iſt mit dem kaiſerlichen Siegel in rothem Wachs verſehen; auf der Rückſeite desſelben beſcheinigt der Kammergerichtsbote die Inſinuation des kaiſerlichen Man⸗ dats an Ulrich Sitzinger und Jacob Kieſel.


