Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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46 Vertreibung der Wiedertäufer aus Worms.

juris consulto, und Doctor Theobald Fettich medico, erfahrenen, gelehrten und der Religion mit beſonderem Eifer ergebenen Männern, zu begeben und mit denſelben zu berathſchlagen, wo man etwa einen feinen, gelehrten, ehrbaren Prediger für eine leidliche Beſoldung gewinnen könne.

Als nun im Jahre 1527, dominica Lætare, in der Stadt ruchbar geworden, daß einer unter den Predigern, Hilarius genannt, dem Wiedertäufer Kautz zugethan ſei, und bei dem Taufen der Kinder gegen altes Herkommen Neuerungen vorgenommen, und etlichen Bürgern, nämlich dem Organiſten Mathis, dem Metzger Wolf und dem Sattler Simon u. a. die Kinder mit dem Proteſte getauft habe, daß die Taufe den Kindern, ehe ſie Verſtand hätten, von keinem Nutzen ſei, ſondern daß ſie die Kinder allein deßhalb tauften, damit ſie von der Obrigkeit nicht vertrieben würden: ſo hielt der Rath den Predigern Hilarius und Kautz ihre Handlungsweiſe ernſtlich vor. Aber Hilarius verantwortete ſich in der Weiſe der Wiedertäufer, Kautz ließ ſich rund heraus dahin vernehmen, Gott habe ihm alſo zu predigen befohlen, und er wiſſe, um Menſchen zu gefallen, davon nicht abzuſtehen.Es hat aber den Kautzen, fügt der Chroniſt erklärend hinzu,in dieſem ſeinem irrigen Wahn und Meinung einer mit Namen Melchior Hoffmann, der ſich einen Bekenner Jeſu Chriſti genannt, in allen Sprachen ein gelehrter Mann und aller Wiedertäufer gemeiner Reformator der ſich hernach a. 1535 zu Straßburg zu Tod gehungert heftig geſtärkt und confirmiret; denn Kautz hat ihn eine Zeit lang bei ſich gehabt und ihm Unterhalt gegeben, damit er ihn im Wiedertaufen unterrichte. Nachdem der Rath die wiedertäuferiſchen Prediger in der angegebenen Weiſe verwarnt, ließ er ihnen ernſtlich anſagen, ſie ſollten ſeiner Ordnung gedenken und von ihrem Vornehmen und ihrer ärgerlichen Lehre, durch die der gemeine unverſtändige Mann irregeleitet würde, abſtehen; oder wenn ſie ſich deſſen nicht zu enthalten wüßten, ſo möchten ſie ſich aus der Stadt entfernen. Denn der Rath wolle ihre Neuerung und hochverdammliche Lehre durchaus nicht leiden. Ihrem Lehrmeiſter Melchior Hoffmann wurde befohlen, die Stadt alsbald mit Anbruch des Tages zu verlaſſen. Bald darauf entfernten ſich auch die andern wiedertäuferiſchen Prediger mit ihrem Anhang.Und iſt Jacob Kauz in Mähren gezogen, auch darinnen geſtorben; doch wie man ſagt, habe er ſeinen Irrthum ernſtlich erkannt, bekannt und ſei davon abgeſtanden. Nach ſeinem Tod ſind ſeine Kinder hierher kommen zu ihres Vaters Bruder Peter Kautz, einem gottſeligen Mann, der viele Jahre Kaufhaus⸗ ſchreiber, auch eine gemeine Rathsperſon geweſen.Ludwig Hetzer iſt anno 1529 zu Conſtanz geköpft worden, dieweil er wider die Gottheit Chriſti ein läſterlich Buch geſchrieben.Johann Denck hat zu Baſel freiwillig und ungezwungen widerrufen und iſt hernach chriſtlich im Herrn entſchlafen.Melchior Rink iſt von hinnen in Holland kommen, von dannen er ſich mit etlichen ſeiner Rotte in Schweden gen Stockholm begeben, allda die Kirch zu St. Johann einbekommen, in welcher er die Bilder, Orgel und Anderes geſtürmt und überaus ſehr tumultuirt.)

Es hatten ſich aber die wiedertäuferiſchen Prediger und Wortführer mit glatten Worten und ſcheinheiligem Leben unter der Bürgerſchaft einen großen Anhang erworben. Deßhalb hatte der Rath mit den widertäuferiſchen Bürgern einige Jahre viele Mühe und Arbeit, bis er die gefährliche Bewegung gedämpft und getilgt hatte. Der Rath ſchlug zunächſt gütige Wege ein, indem er die Irrenden fleißig unterrichten, aus Gottes Wort über ihren ſchädlichen Irrthum

Rathsmitglied dieſes Namens bekannt iſt und ſtatt des Namens Wonſam leicht Wolffen geleſen werden konnte, ſo wurde obige Aenderung des Textes vorgenommen. Man erkennt aus dieſem Fehler unſrer Chronik, daß dieſelbe aus älterer handſchriftlicher Quelle gefloſſen iſt.

*) Handſchrift F. der Zornſchen Chron., im Wormſ. Archiv, Fol. 357. Der Chroniſt fügt hinzu, König Guſtav Waſa von Schweden habe den Melchior Rink und die anderen Bilderſtürmer beſtraft und aus dem Lande gejagt. 3