Kurfürſt Ludwig V. von der Pfalz ermahnt den Rath zum Einſchreiten gegen die Irrlehrer. 45
die lutheriſchen fürgeben, nicht allein vor hundert Jahren durch ein ganz Concilium zu Coſtnitz und in vielen andren Concilien, ſondern auch zu unſerer Zeit von drei Päpſten und allen Uni⸗ verſitäten der Chriſtenheit, ja auch von Kaiſerlicher Majeſtät und vom ganzen römiſchen Reich bei Euch in Eurer Stadt vor 6 Jahren verdammt worden iſt, kann man Euch wirklich keinen beſſeren Rath geben, denn daß Ihr alle Zwieſpältigkeit und einen Irrthum mit dem anderen zur Stadt austreibt und alſo wiederum zu alter Ruhe und chriſtlicher Einig⸗ keit kommet.“ Aber der Rath ließ ſich durch des Dr. Cochläus Vorſpiegelungen nicht irre machen: gegen die Wiedertäufer ſchritt er beſonnen und ernſt ein, allein Luthers Reformation führte er trotz vieler Schwierigkeiten, die derſelben entgegentraten, endlich zum Siege.
In der Religionsgeſchichte der Handſchrift F der Zorn’ſchen Chronik wird, wie im Nachfolgenden in engem Anſchluß an dieſe Chronik erzählt wird,*) berichtet, auch Kurfürſt Ludwig V. von der Pfalz habe als Vermittler des Vertrags vom Jahre 1526**) den Magiſtrat aufgefordert, gegen die ſtreitſüchtigen wiedertäuferiſchen Prediger einzuſchreiten.„Als Kurfürſt Ludwig vernommen, wie es in Worms der Religion halben beſchaffen war, läßt er im Jahr 1527, Freitags nach Sebaſtiani an den Rath eine ſchriftliche Aufforderung gelangen. Als Schutzherr des Vertrags vom J. 1526 ermahnt Kurfürſt Ludwig den Rath, gegen die unruhigen Prediger einzuſchreiten. Der Rath antwortete, er ſei nicht allein willig, ſondern auch ſchuldig, die irrigen Lehrer und Prediger, wenn deren etliche vorhanden ſeien, hinweg zu ſchaffen, doch müſſe allein der Rath be⸗ denken, wie dieß am füglichſten geſchehe, damit man den gemeinen Mann in Ruhe und Frieden halte und nicht geklagt werden könne, daß der Rath der gemeinen Bürgerſchaft das Evangelium entziehen wolle. Der Rath ſei darauf bedacht, die zänkiſchen Männer abzuſchaffen und einen ge⸗ lehrten, redlichen, frommen, tapferen Mann, der der Gemeinde das heilig Evangelium und wahr Gotteswort ohne menſchlichen Zuſatz predige, zu beſtellen; dann könnten ſie dem Kautz und anderen ſeines gleichen ſagen laſſen, ſie ſollten mit ihrer Predigt einhalten. Weil aber die Verträge auch die biſchöfliche Geiſtlichkeit verbunden hätten,***) die Prädicatur im Domſtift und die Pfarreien mit ver⸗ ſtändigen, frommen, getreuen Predigern und Pfarrherrn zu beſetzen, die ſich des gemeinen Volks annähmen und das Evangelium lauter predigten, was aber bis dahin noch nicht geſchehen: ſo möge ſeine Kurfürſtliche Gnaden die biſchöfliche Geiſtlichkeit auch dahin anweiſen, daß ſie ſolches vollzögen.
Als der Pfalzgraf erkannte, daß dem Rath dieſe Sache angelegen ſei, befahl er den Raths⸗ männern Philips Wonſam, †) Peter Krapff und Peter von Mos, ſich zu Doctor Wolf Eger,
*) Dieſe Erzählung iſt in der gedachten Handſchrift zu leſen Fol. 352 ff.
**) In dem Vertrag vom 18. April 1526(vgl. oben S. 32,) iſt der Klage des Biſchofs Hein⸗ richs IV. und ſeiner Geiſtlichkeit gedacht, die ſich darüber beſchwerten, daß die lutheriſchen und aufrühreriſchen Prediger ſie angetaſtet. Dieſe Beſchwerde wieſen die Geſandten der Stadt bezüglich des Raths zurück, der die Verantwortung für ungeſchickte Leute nicht tragen könne, und, wenn Klagen an ihn gelangen, gegen unge⸗ ziemende Handlungen einſchreiten wolle. Vgl. Schannat, hist. episc. Worm. tom. II. p. 406.
***) Der Vertrag vom 18. April 1526 beſtimmte u. A., daß das Domcapitel den damaligen Prediger
Daniel verhindere zu predigen, und daß es deſſen Predigeramt mit einem anderen gelehrten, redlichen und
geſchickten Prediger, der das Volk gütlich, heilſam und angenehm unterweiſen können, beſtelle. Sehannat, hist. episc. Wormat. II. p. 409.
†) Peter Krapf gehörte ſeit 1507, Peter von Mos ſeit 1513, Philips Wonſam ſeit 1523 dem Rath an, vgl. Moritz, hiſt.⸗diplom. Abhandl. über den Urſprung der Reichsſtädte, S. 584. Unſere Handſchrift nennt anſtatt des im obigen Texte genannten Philips Wonſam fälſchlich den Namen eines Philips Wolffen. Da kein


