Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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44 Dr. Johann Cochläus ermahnt den Rath, alle Religionsneuerer zu vertreiben.

und hab den geiſt Gottes, der des fleiſches geſchäft tödte, Röm. 8. Wer aber lehret, vor dem glauben in Chriſtum und vor dem geiſt, Chriſto mit leiden nachfolgen, macht nichts denn gleisner, die die frumkeit an werken und nit am glauben anheben und ſuchen, wie alle Papiſten und falſche Apoſteln thun, Gal. 2 u. 5. 7. Chriſtus hat unſer ſünd ſelb geopfert an ſeinem leib uff dem holz und durch ſein ſtrimen ſind wir geſund worden, 1. Petr. 2, Jeſaia 53. Ob aber Chriſtus ohn innerlichen willen und gehorſam gelitten hab, laſſen wir andere hoffärtige wortzänker von disputiren,*) die aus des Herrn leiden ein gleisnerei machen wollen. Dieſe obgeſetzte Artikel wollen wir zu kurzem mit göttlichem Beiſtand uff unſern Canzlen weiter mit göttlichen ſchriften verklären und ſetzen hierüber mit S. Paulo zu richtern alle Chriſten, 1. Cor. 2, denn ſolche ur⸗ theilen allein aus dem wort und geiſt Gottes, der ein geiſt der wahrheit iſt, welchem mit dem vater und ſon ſeye ewig lob und herlichkeit. Amen. Anno 1527. 13. Juni.(Zorns urſprüng⸗ liche Chronik, Handſchrift A, im Wormſer Archiv, S. 200 206.) Die ſchon citirte Chronik des Wormſer Archivs, die im Jahre 1613 geſchrieben iſt, berichtet auch ſehr ausführlich über eine papiſtiſche Entgegnung auf die wiedertäuferiſchen Lehren Kautzens und ſeiner Anhänger.Als: nämlich die Theſen der Wormſer Wiedertäufer und ihrer Gegner Preu und Freiherr dem Dr. Jo⸗ hann Cochläus, einem hervorragenden und nicht ungeſchickten Papiſten,**) bekannt wurden, ſchrieb derſelbe am 17. Juni 1527 an den Rath der Stadt Worms eine auch im Druck erſchienene ausführliche Beurtheilung des Streits und rieth dem Rath, was er thun ſolle. Cochläus erörterte die Theſen beider Parteien und verwarf dieſelben ſämmtlich, weil ſie der heil. Schrift nicht ge⸗ mäß ſeien.Welches denn an ihm als einem ſcharfen Papiſten nit zu verdenken, bemerkt der Chroniſt. Hierauf folgt in der Chronik Fol. 597609 dieAntwort Dr. Johannis Coelei auf die ſieben zwieſpältigen Artikel der Prädicanten zu Worms. Cochläus erklärt dem Rath, aus der Bewegung werde der Stadt große Schande, Gefahr und Schaden erwachſen, wenn der⸗ ſelbe nicht zeitig mit Ernſt einſchreite. Weil aber jene Sätze auf beiden Seiten wider chriſtlicher Kirchen Lehre und Ordnung, auch wider das kaiſerliche Mandat, das in der Stadt Worms er⸗ laſſen worden, durch unbewährte, ja verdammte Lehrer vorgetragen würden, ſo wolle er der Stadt Worms gemeines Volk in treuer Meinung aufs beſte warnen und mahnen, weiterer Schande zuvorzukommen, wozu, wie er weiſe und erfahrene Männer darüber reden höre, der nächſte und ſicherſte Weg wäre, daß ſie ſolche zwieſpältige neue Prädicanten alle von ſich thäten, die ſo neue, ſpitzfindige, zänkiſche, dunkele, ja ketzeriſche und verdammte Artikel dem gemeinen, einfältigen Volk aus Ruhmſucht, Trotz und Muthwillen ohne alle Frucht vorhielten und einbläuten, und das Volk alſo verwirrten, zweiflich im Glauben und uneinig in bürgerlichem Frieden machten. So Ihr ſehet und höret, ſchreibt Dr. Cochläus,daß die lutheriſche Lehr in ſo kürzen Jahren in ſo viel Secten und Zwieſpalt zertrennt iſt, möget Ihr nicht mit gutem Gewiſſen achten oder glauben, daß ſolche Lehre recht evangeliſch und chriſtlich ſei.So nun ſolche irrige Lehr, ſo

*) Die Chronik aus dem Jahre 1613 fährt fort:Die vielleicht meinen, Chriſtus hab nit aus luſt des Vaters willen zu volſtrecken, ſondern gleisneriſch gelitten..

***) Dr. Johannes Cochläus iſt auch als leidenſchaftlicher Gegner Luthers und Melanchthons ſehr be⸗ kannt. Als ſolcher verfaßte er mit Eck, Faber und Wimpina die ſog. Confutatio, die Kaiſer Karl V. auf dem Reichstag in Augsburg am 3. Aug. 1530 zur Widerlegung der Augsburgiſchen Confeſſion verleſen ließ. Auch gegen die Apologie der Augsburgiſchen Confeſſion ſchrieb er heftige Reden, in denen er die Ketzereien Luthers und Melanchthons zuſammenſtellt und behauptet, daß die lutheriſche Ketzerei alle verdammten Ketzereien als in einem Inbegriff zuſammenfaſſe..