Widerlegung der Wiedertäufer durch Ulrich Preu und Johann Freiherr, Juni 1527. 43
Ueber dieſe obgemelte artikel ſoll niemands anders richter ſein, denn der allein, ſo in aller menſchen herzen redet und zeuget, wie die ſchrift ſagt; urſach: keinem menſchen iſt von Gott befohlen, die wahrheit zu berechten, ſondern allein zu bezeugen.““
An dieſe Sätze der Wiedertäufer reiht Zorn die Entgegnung der lutheriſchen Prediger zu Worms Ulrich Preu und Johann Freiher nebſt deren Geſinnungsgenoſſen in folgender Weiſe an.
„„Ulrich Prew und Johann Freiherr,) Diener des worts Gottes zu Worms ſamt anderen brüdern““.
„„Gnade und Friden von Gott unſrem Vater und dem Herrn Jeſu Chriſto ſei mit allen menſchen, Amen.
Dieweil dieſer welt fürſt der Teufel nit ſchläft, ſondern allen fleiß fürwendet, mitten unter die kinder Gottes zu treten, den guten ſamen des worts Gottes mit ſeinem unkraut und lügen zu fälſchen,(verſtellet ſich auch in ein engel des lichts): ſoll ſichs niemands verwundern, ob ſeine diener und apoſtel ſich auch verſtellen unter falſchem ſchein, zu Chriſti Apoſteln, und unter ſchafs⸗ kleidern durch den ſchein göttlichs worts viel einfältige verwirren und verführen. So iſt nun männiglich hier zu Worms wiſſend, daß uff nächſt vergangen pfingſten am predigerkloſter durch Jacoben Kauzen und die ſeinen etliche onchriſtliche, und göttlicher wahrheit ohngemäß, auch dem gemeinen chriſtlichen Volk verführiſche Artikel angeſchlagen ſein worden, welcher auch etlich von uns dieſer zeit mit wahrheit genugſam ſind verantwortet: zwingt uns die lieb Gottes un ſeiner ſchäf⸗ lein, auch unſers amts pflicht, unſeren glauben öffentlich mit ſchriften zu bezeugen, und unſern widertheil, ſolch muthwillig und onchriſtlich fürnehmen, mit göttlichen gnaden, hülf und beiſtand durch Gottes wort zu widerlegen, und ſind diß unſere gründ und Artikel. 1. Das mündlich wort Chriſti und aller ſeiner nachkommenden Apoſtel iſt das recht lebendig ewig wort Gottes, 1. Petr. 1. und 1. Theſſ. 2., iſt auch die kraft Gottes, die da ſelig macht alle, die daran glauben, Röm 1.— 2. Das äußerlich wort Gottes macht weiſe zur ſeligkeit, iſt auch nutz zur lehre, zur ſtraf, zur beſſerung, zur züchtigung in der gerechtigkeit, 2. Timoth. 3., tröſtet euch, Röm. 15. 1 und 1. Theſſ. 4., iſt auch allen widerſachern viel zu ſtark, Lucä 21. Wie tröſtlich auch die zeugen dem Nohe, Abraham und andern ſein geweſen, alſo ſind auch troſtlich die zeugen des Neuen Teſtaments, dieweil ſie uns ermahnen göttlicher zuſag, ſind auch zeugnis des gnädigen Gottes gegen uns.— 3. Chriſtus hat geboten zu taufen alle völker, keinerlei perſon ausgeſchloſſen, alt oder jung, darumb uns auch nicht gebürt jemands auszuſchließen; alſo hat S. Paulus das hausgeſind Stephanae getauft, 1. Corinth. 1. Iſt auch der kerkermeiſter mit allem ſeinem hausgeſind getauft worden, Actor. 16.— 4. Im nachmal des Herrn iſt wahrhafter weſentlicher leib und blut des Herrn laut ſeiner wort Matth. 26. Marc. 14. Luc. 22 und Pauli 1. Cor. 11. 12. Iſt auch deſſelbigen nachmals gebrauch bei den Chriſten zu Worms recht gehalten worden.**) 5. Wie allein die geſund ſein worden, die die ehern ſchlang haben angeſehen in der wüſte, Num. 21, alſo werden auch allein die ewig leben und erhalten durch Chriſtum, die an ihn glauben, Joh. 3. Ueber den ungläubigen aber bleibt der Zorn Gottes, werden auch endlich zur ewigen pein von Chriſto verurtheilt, Matth. 25, 2. Theſſ. I. — 6. Chriſti exempel und fußſtapfen wird niemand nachfolgen, er ſeye dann vorhin ein Chriſt **) In Saligs Hiſtorie der Augsburg. Confeſſion ꝛc., S. 114, wird gelegentlich der Erwähnung der Wormſer Wiedertäufer der oben genannte Johann Freiherr mit dem Namen Johann Baro verzeichnet.
**) Die Chronik aus dem Jahre 1613 fügt hier hinzu:„Dieſer Artikel iſt vor der Zeit durch uns ge⸗ nugſam dem Kautzen und den ſeinen mündlich und ſchriftlich verantwortet und einem Erſamen Rath hie zu Wormbs, unſern lieben Herrn, bei der Parteien Handlung in Schriften zugeſtellt, auf welche Schrift wir uns noch heutigs tags berufen.“
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