Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Die Wiedertäufer Kautz, Hetzer, Denck und Rink 1527. 41

Wie aber wie man gemeiniglich ſagt wohin Gott eine Kirche baut, der Teufel eine Capelle daneben baut, und wo der Samen göttlichen Worts rein ausgeſäet wird, der böſe Feind ſein Unkraut mit untermengt: alſo iſt es auch in der Kirche zu Worms ergangen. Denn als die römiſchen Geiſtlichen aus großer Furcht und dringender Noth, um vielfältige Gefahr zu ver⸗ meiden, 1525 im Bauernkrieg gutwillig zugaben, daß hinfort das heilig Wort Gottes und Evangelium in der Stadt Worms in allen Pfarrkirchen lauter, klar, unverdunkelt und ohne allen menſchlichen Zuſatz gepredigt, und die Pfarrer oder Prediger in den Pfarrkirchen ſamt ihren Helfern oder Diakonen durch die Pfarrkinder einer jeglichen Pfarrei erwählt, angeſtellt und ent⸗ ſetzt werden ſollten, ſind neben den damaligen reinen Predigern Ulrich Preu, Pfarrer zu St. Magnus, und Johann Freiherr eetliche wiedertäuferiſche, nämlich Jacob Kautz von Großbockenheim, Qudwig Hetzer, Johann Denck und Melchior Rink, unvermerkt mit eingeſchlichen, welche ihre wiedertäuferiſche Lehre ſo verſchlagen verbreiteten, daß ſie viele Bürger auf ihre Seite zogen. Denn ſie tauften denſelben zwar die Kinder, aber mit dem beige⸗ fügten Proteſte, daß ſie ſolches nur aus Furcht vor der Obrigkeit thäten, nicht weil ſie glaubten, daß die Taufe den Kindern zu ihrer Seligkeit nützlich, ſondern ſie tauften nur deshalb, damit nicht die Eltern von der Obrigkeit vertrieben oder häuslicher Ehren verluſtig würden; und jeder Vater müſſe ſolches feſt glauben.*)

Nachdem die Wiedertäufer Luft gewonnen, und als ſie glaubten, ſie vermöchten nun ihre falſche Meinung durchzuſetzen, weil ſie viele Bürger ſich anhängig gemacht, ſchlugen ſie im Jahr 1527 auf Pfingſten an der Predigerkirche die Hauptſätze ihrer Lehre an. Da dieſe Sätze irrig waren und der rechten Lehre von den Sacramenten zuwider liefen, ſchlugen dagegen die Prediger der reinen lutheriſchen Lehre Ulrich Preu und Johann Freiherr andere Sütze öffentlich an, in denen ſie die rechte Lehre kurz zuſammenfaßten, und ſie erboten ſich, über dieſelben vor der Gemeinde zu berichten und dieſelbe zu vertheidigen.**)

Zorn ſchreibt eigenhändig über die Wormſer Wiedertäufer in ſeiner urſprünglichen Handſchrift in folgender Weiſe.**)

Anno 1527. Als die von Worms das Evangelium, bald nachdem es wieder von Luthero an den tag bracht worden, angenommen, erzählt Zorn,hat der Teufel nit ruh gehabt, uneinig⸗ keit und falſche lehr zu machen und zu ſehen, daſſelbig in verdacht und verachtung bei den wider⸗ ſachern und feinden zu bringen. Sind derowegen durch ſeine anſtiftung in Pfingſtfeyertagen ſolche Artikel an die kirchen angeſchlagen worden, aus welchen groß ärgernus im volk erwachſen, welche von wort zu wort alſo gelaut haben.)Jacob Kautz prädicant zu Worms mit ſeinen Brüdern Hetzer †f),

*) Handſchrift F der Zorn'ſchen Chronik, im Wormſ. Arch., Fol. 345 347. **) Handſchrift F der Zorn'ſchen Chronik, Fol. 347348. enn) Die vorliegenden Notizen Zorns werden hier zum erſtenmal gedruckt. Arnold hat Zorns Chronik nur bis zum Ende der Verfaſſungsſtreitigkeiten zwiſchen Stadt und Bisthum(1526) abdrucken laſſen. Von der eigenthümlichen Orthographie Zorns iſt in obigem Abdruck in ähnlicher Weiſe abgewichen worden, wie in Arnolds Ausgabe der Zorn'ſchen Chronik. ) Die aus Zorns Chronik hervorgegangene Chronik des Jahres 1613(im Wormſ. Arch., von Andreas Wilk?) fügt hier Zorns Worten Folgendes bei:Wie denn ſolches auch im Truck vorhanden: Sieben Artikel zu Worms von Jacob Kautzen angeſchlagen und geprediget. Verworfen und widerlegt mit Schriften und Ur⸗ ſachen, auf zwen weg, Anno MDXXVII.(S. 591.) ††) Vgl. Haſe, Kirchengeſch.,§. 363:Hetzer, ein gelehrter Freund Zwinglis und volksthümlicher Dichter, wurde für die Einheit Gottes, doch zugleich wegen wiedertäuferiſcherer Meinungen und ehebrecheriſcher 6