Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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32 Die letzten großen Rachtungen zwiſchen Biſchof und Stadt 1519, 1526.

halb zu verwundern, daß die Stadt, als die kirchliche Reformation mit raſchem Laufe um ſich griff, nicht nur dem erneuernden religiöſen und ſittlichen Geiſte derſelben ſich hingab, ſondern auch der⸗ ſelben ſich bediente, um einer weiteren Vergewaltigung ihrer Freiheiten für die Zukunft ein ent⸗ ſcheidendes Hinderniß in den Weg zu ſtellen? Die Pfalzgrafenrachtung wurde von Kaiſer Karl V. am 24. December 1521 beſtätigt, nachdem er bereits am 22. April deſſelben Jahrs die Privilegien der Stadt, als er auf dem Reichstag zu Worms anweſend war, in wohlwollender Geſinnung für die Frei⸗ und Reichsſtadt beſtätigt hatte. Nachdem die Pfalzgrafenrachtung in dem pfälziſchen Bauernkrieg 1525 ſehr kurze Zeit von dem Clerus ohne Zuſtimmung des Biſchofs aufgegeben worden war, wurde dieſelbe Ende Juni 1525 wiederhergeſtellt, aber am 18. April 1526 durch Vermittelung des Pfalzgrafen Ludwig in einigen Beziehungen zu Gunſten der Stadt umgeſtaltet. Bemerkenswerth iſt, daß in dieſer letzten Rachtung insbeſondere dem Rath der Stadt diejenige Form gegeben wurde, die er bis zur Auflöſung des deutſchen Reichs behielt. Die Stadt hat hiernach einen beſtändigen Rath von dreizeh n und einen jährlich wechſelnden von zwölf Mitgliedern; jener wird aus dem Adel oder der ehrbaren Bürgerſchaft gewählt und fungirt lebens⸗ länglich; geht einer derſelben ab, ſo ſchlagen die andern dem Biſchof für die erledigte Stelle zwei Mitglieder des äußeren, jährlich wechſelnden Rathes vor, von denen der Biſchof einen zum Erſatz⸗ mann für den beſtändigen Rath ernennt. Der äußere oder jährlich wechſelnde Rath beſteht aus zwölf Mitgliedern. Dieſelben werden vom Biſchof aus 24 Bürgern ausgewählt, die jeweilig von den

jährlich 2 Ritter, 4 Patricier und 6 Handwerker austreten, für die auf die angegebene Art 12 neue Mitglieder erwählt werden.(nach Art. XIV.) Ferner wird feſtgeſetzt,daß Stätt⸗, Burgermeiſter und Rath ihren Rath und Handlung auff dem Hauß, daß der Burger Hoff genannt, ohn Eintrag halten mögen, doch wo etwas ſein Fürſtlichen Gnaden, dem Stifft, Pfaffheit oder andern ichts beſchwerliches zuſtünde, darin ſie ſein Gnade umb Rath auß Notturfft erſuchen würde, daß ſie dann zum wenigſten jedes Jahr einmal zu ſein Fürſtlichen Gnaden in Biſchöfflichen Saale zu kommen und ihren Rath mitzutheilen nit verſagen wollten oder ſollten.(Art. XVII.) Die folgenden Artikel enthalten Beſtimmungen über Gerichtsweſen, Zoll, Wage, Gewicht, Weggeld an Pforten der Stadt und andre Nutzungen. Wir heben daraus nur Folgendes hervor:Nach langwiriger Underhandlung iſt die Sach dahin bracht, daß ein gantzer Rath zu Wormbs das erſt Jahr zwölff Perſonen benennen, nemblich zwen auß der Ritterſchafft, wo die vorhanden, vier von Geſchlechten oder ſechs, wo die zwen von der Ritterſchafft nicht zu bekommen, darauß der Biſchoff einen Schulteiſſen, und ſechs von Zünftigen, aus denen ſein Gnad, ein Greffen erwehlen. Aber im zweiten und allen nachfolgenden Jahren ſoll ein Biſchoff zu Wormbs auß den zwölffen, ſo vom Rath abtretten, zuforderſt ein Schulteiſſen aus den ſechſen von der Ritterſchafft und Ge⸗ ſchlechten benennen darnach ſoll ein Biſchoff auß den andern ausgangen ſechs Zünftigern ein Greffen erwehlen. (Art. XX, XXI.) Beſtimmt wird fernen,daß ſolch Gericht nicht an der alten obgemelten Statt,(in dem Gerichtshauſe vor dem biſchöfflichen Saale, neben der geiſtlichen Gerichtsſtuben) ſonder auff dem Burger⸗Hoff, da es jetzt eine Zeit lang geweſt, nun hinfür mög gehalten werden.(Art. XXVI.) Unter den letzten Beſtimmungen ſind noch folgende von beſonderem Intereſſe.Ein jeder Biſchoff, ſo zu Wormbs einreitten will, der ſoll in ſeinem Einreiten im Feldt für der Statt Wormbs dieſe nachfolgende Gelübd thun: Wir N. Biſchoff zu Wormbs geloben und verſprechen bey unſern Fürſtlichen Würden und wahren Worten, daß Wir und unſer Stifft des heiligen Reichs Statt Wormbs, allen ihren Bürgern und Inwohnern all ihr Freyheit und Recht, von Römiſchen Kayſern und Königen auch den Biſchoffen zu Wormbs erlangt ꝛc., handthaben und ſchirmen wollen, ohn alle Argeliſt und Geferde.(Art. LVII.)Nachfolgend ſollen die von der Statt Wormbs einem jeden Biſchof, der eingeritten iſt, alsbald dieſen Eydt thun: Wir Stättmeiſter, Burgermeiſter und Rath, von unſer und gantzer Gemeine wegen, des heiligen Reichs Statt Wormbs geloben und ſchweren euch, dem Hoch⸗ würdigen in Gott Vattern und Herrn, Herren N. Biſchoffen zu Wormbs unſerm gnädigen Herrn getrew und hold zu ſeyn, und vor Schaden zu warnen, auch euch und ewern Stifft alle ewer Recht und Freyheit ꝛc. zu handhaben und zu ſchirmen unſers beſten Vermögens ohne Argeliſt und Geferde, als uns Gott helff und die Heiligen.(Art. LVIII.) Aus den beiderſeitigen Eiden geht hervor, was das Wichtigſte iſt, daß die Stadt Worms alsdes heiligen Reichs Stadt von dem Biſchof anerkannt wurde.