Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Frei-und Reichsstadt Worms und der daselbst seit 1527 errichteten Höheren Schulen / Adalbert Becker
Entstehung
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Vermittelung des Legaten Cardinals Bernhardin. Rachtung über die Steuerpflichtigkeit des Clerus 1509. 29

wegen muſten die, ſo den rath zu Worms präſentierten, zu ihm gen Neuhauſen ſich verfügen. als nun jetztermeldte zu Neuhauſen erſchienen, ließ ſie der cardinal für ſich kommen und hieß ſie willkommen ſein. demnach als er ſich auf einen ſtuhl geſetzt und einen rothen ſammeten handſchuh angezogen hatte, muſt je eine rathsperſon nach der andern für ihme niederfallen und ihm ſeine hand küſſen; als er aber über einen jeden mit ſeiner hand ein kreuz gemacht und die benediction geſprochen hatte, da trat Doctor Balthaſar Meiel(welcher der zeit nit allein hie, ſondern auch an kaiſer Maximiliani hof für einen fürtrefflichen juriſten gehalten worden) herfür und empfing den cardinal mit einer ſchönen lateiniſchen oration, befahl den rath und gemein ſeiner würden und verehrt ihm von raths wegen 2 ohm wein und 10 malter habern; darauf der cardinal eine lange rede gethan, dem rath und gemein bedankt, und darneben begehrt, man wolle die irrung und zwietracht, ſo zwiſchen dem rath und pfaffheit lange zeit ſich gehalten haben, ihme und dem herzog Friedrich von Sachſen heimſtellen. als ſich nun ein rath dreimal nacht und tag darüber berathſchlagt, haben letztlich beide theil ſolche irrung an ihn und Friedrich herzogen zu Sachſen compromittiert. Als bei den Verhandlungen die fünf Stifte zu Worms nicht zugeben wollten, daß die Stadt Worms als Reichsſtadt bezeichnet werde, veranlaßte die Stadt eine Declaration des Kaiſers, der am 5. Juli 1508 decretirte,daß die Stadt Worms des heiligen römiſchen Reichs Städte eine iſt.(Arnold, Verf.⸗Geſch. B. 2. S. 481, 482.) Nach des Cardinals Abreiſe ernannten die beiden Parteien an deſſen Stelle Jacob, Erzbiſchof von Trier, mit Herzog Friedrich von Sachſen zu Vermittlern ihrer Streitſache. Die beiden kamen ſelbſt mit zwei Auditoren nach Worms; vor ihnen erſchienen auf dem Bürgerhof die Vertreter der Stadt und der Geiſtlichkeit, und nach ſorgfältigſter Berichterſtattung und Unterſuchung der Streitigkeiten wurde im Juni und Juli 1509 außer den Entſcheidungen über Häuſer und unbewegliche Güter, Aus⸗ beſſerung von Straßen, Wegen und Brücken, u. A., ein Vertrag über die Beſteuerung des Weins und der Früchte der Geiſtlichkeit zu Stande gebracht, der, indem er im Weſentlichen auf die Rachtung des Jahres 1386 zurückging, die von der Geſſttlichkeit angeſtrebte vollſtändige Steuerfreiheit be⸗ ſeitigte und die Rechte der Stadt wahrnahm, ohne der Geſſttlichkeit drückend zu werden.Dieſe ſpruch und entſcheid beider kurfürſten hat kaiſerliche majeſtät hernach anno 1510, 8. aprilis zu Augsburg confirmiert und hat zu conſervatoren, richter, handhabern, ſchutzherrn geben Friedrichen herzogen zu Sachſen kurfürſten, Henrichen herzogen zu Wirtemberg, Philippen landgrafen zu Heſſen und jedes inſonderheit nachkommen und erben. als nun die ſach entſchieden, iſt die pfaff⸗ heit auf vincula Petri abend anno 1509(31. Jul.) wieder hie zu Worms einkommen, welche ſich ins zehend jahr außerhalb Worms, der Dom und s. Andreasſtift zu Ladenberg, s. Paul und unſer lieben frauen ſtift zu Oppenheim, s. Martinsſtift zu Pfeddersheim enthalten.(Flersheim, a. a. O. S. 215.)

Die Geiſtlichkeit der fünf Stifte hatte ſich alſo, den Anſpruch auf Steuerfreiheit aufgebend, gefügt; aber die Gewalt des Bisthums über die Stadt vermochte durch ihre Nachgiebigkeit nicht wieder hergeſtellt zu werden. Denn bald traten ſolchem Beginnen die Bewegungen der Reformation entgegen. Kurfürſt Friedrich der Weiſe und Landgraf Philipp von Heſſen, die Vorkämpfer der Reformation, waren nach Kaiſer Maximilians Brief vom 8. April 1509 die Schutzherrn der Stadt Worms gegen etwaige Uebergriffe der Wormſer Geiſtlichkeit; und bald nachdem dieſe Fürſten mit Luther auf dem Reichstag des Jahres 1521 in Worms erſchienen waren, wurde der Bruch zwiſchen dem Bisthum Worms und der Stadt Worms durch den Uebertritt der letzteren zur evangeliſchen Lehre unheilbar gemacht. Es mögen hier einige Beſtimmungen des Steuervertrags vom J. 1509 folgen. 1.daß die Pfaffheit in der Statt Wormbs geſeſſen, alle ihre Weine, die ihnen von ihren geiſtlichen Gaben und Beneficien, die ſie binnen der Stadt Wormbs haben oder beſitzen, und von ihren Gütern,