28 Reinhard von Rippur geächtet 1504. Das befreite Worms unter des Kaiſer Schirm, regiert ſich ſelbſt 1504— 1508.
gerechtigkeit und obrigkeit in der ſtadt Worms; und auf ein königlich mandat, darin die kaiſerliche majeſtät dem rath gebot, rath und gericht zu beſetzen, beſetzt auf Martini der rath die ämter ſelbſt und ruft mit meldung des königlichen mandats ſolches auf der münz aus, als man zuvor die hofglock dreimal redlich geläutet hatte.“(Flersheim, a. a. O. S. 208.) So waren aber nicht nur die Rechte, die der Biſchof über die Stadt hatte, auf dieſe übertragen worden, ſondern der König befahl auch am 29. Aug. 1504, daß die Stadt das jährliche Schirmgeld nicht mehr an den geächteten Pfalzgrafen, ſondern als confiscirtes Gut an den König entrichte, der nun als Herzog von Oeſterreich und Landgraf im Elſaß ſelbſt die Schirmvogtei über die Stadt übernahm. Die Stadt war nun von der Ggppalt des Biſchofs und des Pfalzgrafen befreit, ſtand nur unter des Königs Schirm und erfreute ſich wieder der Gerechtſane einer freien Reichsſtadt. Der Herzog von Würtemberg, der Markgraf von Baden, der Landgraf von Heſſen, die Land⸗ vögte im Ober⸗ und Unterelſaß wurden im September 1505 zu Beſchützern und Richtern über die der Stadt verliehenen neuen Freiheiten vom König Maximilian ernannt.„Nachdem kaiſer Maxi⸗ milian alle obrigkeit, herrlichkeit und gerechtigkeit, raths und gerichts beſitzung, zoll, wage und anders der ſtadt Worms wieder geben, haben die räth nach neuer fürgenommener ordnung noch eine perſon zu den Neunen des alten beſtändigen raths gewählt, alſo daß nun hinfüro zehen der alt und beſtändig rath ſein und genannt werden ſollen und 19 perſonen des gemeinen raths, haben auch die ordnung des raths und gerichts, welche ſie zu zeiten biſchof Eberweins auf martini an⸗ gefangen, geändert und auf den heiligen neuen jahrsabend mit angehendem jahr angehen laßen, damit alle renten, gülten, zins und derſelben rechnung nit unter zweien jahren wie bisher, ſondern mit einem mit innehmen und ausgeben verrechnet werden mögen. ſie haben auch weiter einen beſtändigen ſchultheiß doctor Balthaſar Meiel zum ſtadtgericht geſetzt und nach⸗ folgend am fenſter der neuen ſtuben auf der münz vermög königlicher und kaiſerlicher freiheit ſolches ausrufen laßen, wie ſie denn auch anno 1506 und 1507 gethan haben.“(Flersheim, a. a. O. S. 210.) In demſelben Jahre(26. Juni 1505)„hat kaiſer Maximilian zu Cöln der ſtadt Worms, als der älteſten und vorderſten ſtadt, allda er auch im eingang ſeiner regierung den erſten, ſeinen ehren⸗ und reichstag in eigner perſon gehalten, und da ihm und ſeiner herzlieben gemahlin erſprießentlich gedient worden iſt, die beſondere gnad und freiheit gethan, daß ſie alle und jegliche offene und beſchloßene brief mit rothem wachs be⸗ ſieglen oder ſecretieren ſollen.“(Flersheim, a. a. O. S. 210.) Auch für das Jahr 1508 beſetzte der Rath die Aemter für das folgende Jahr, und zwar bereits ohne öffentliche Ausrufung der Erwählten und ohne Verleſung der königlichen Bevollmächtigung zu dieſer Wahl. So erzählt die Chronik:„Anno 1508 ſind auf circumcisionis domini die räth erſetzt, und iſt die hofglock nit ge⸗ läutet, auch kein ausrufung geſchehen, ſondern nach erwählung der burgermeiſter in einer proceſſion von dem burgerhof in die barfüßer kirch, und nachdem darin eine ſingende meß vollbracht und ge⸗ hört, iſt man wieder in proceſſion aus der kirchen vor der münz her auf den burgerhof und darnach heimgegangen. und alſo iſt es auch etliche nachfolgende jahr gehalten worden. doch haben domherren und cleriſei zu Worms vor dem herren Maximilian römiſchen kaiſer und andern geiſtlichen und weltlichen perſonen mancherlei rechtfertigung gehalten. nach vieler gepflegter unter⸗ handlung iſt auf freitag nach s. Marcustag anno 1508 herr Bernhardin, der römiſchen kirchen cardinal, durch Germanien der zeit päbſtlicher legat, ein hispanier, gen Neuhauſen kommen, die ſach zwiſchen der cleriſei und gemeiner ſtadt zu vertragen. in Worms konnte man ihn nit ver⸗ mögen, dieweil er fürgab, die ſtadt wäre im bann und nit recht noch abſolviert, dieweil ſie allein durch kaiſerlicher majeſtät gewalt und nit mit willen der pfaffheit ledig gemacht worden. dero⸗


